Hast du schon einmal einen Kranich über dich hinweg fliegen sehen? Hast du die Kraft gespürt, wenn er mit über zwei Meter Flügelspannweite über dich hinwegrauschte – und dabei ein Ohren betäubendes „Kruu“ ausstieß?
Noch nicht? Dann schaue ab Ende Februar einmal öfters nach oben. Denn jetzt kommen die Grauen Kraniche aus dem Süden nach Norden. Dann fliegen sie aus ihrem südlichen Winterlager bis zu 8.000 Kilometer, um zu brüten. Vielleicht fliegen sie auch über dein Haus. DCas ist ganz schön beeindruckend.
Kraniche sind mit einer Größe von bis zu 1,30 Meter die größten Vögel Europas und gehören zu den besten Langstreckenfliegern der Welt. Meist fliegen sie in großen Trupps richtig V-förmig, wie bei einer Flugschau: bis zu 130 Stundenkilometer schnell und 300 bis 1.000 Meter hoch. Bestimmt kannst du sie dann auch hören, besonders ihren trompetenartigen Ruf – keine anderen Vögel können so herrlich schmettern. Daher haben sie auch ihren Namen, denn Kranich kommt vom altdeutschen „Krua“ und bedeutet „heiserer Rufer“.
Bei uns in Europa ist der Graue Kranich heimisch. Weltweit leben 15 verschiedene Kranich-Arten. Viele von ihnen sind heute in ihrem Lebensraum bedroht. Am seltensten ist der Schreikranich: Nur noch etwa 350 Tiere leben in Nordamerika.
Ein sicheres Nest im Sumpf
Kraniche mögen feuchte Wiesen und die Nähe von Seen, Bächen oder Mooren. Dort finden sie am meisten Nahrung. Und dort suchen sie sich Ende März auch die trockenste Stelle, um ihr Nest zu bauen. Ausreichend Wasser drum herum schützt ihren Nachwuchs vor hungrigen Wildschweinen oder Füchsen.
Kranichkinder werden schnell erwachsen. Bereits einige Stunden nach dem Schlüpfen verlassen sie als flauschige, zimtbraune Wuschels das Nest und folgen den Eltern schwimmend durchs Wasser. Bereits nach zehn Wochen sind die Kranichkinder dann selbstständig und suchen alleine Futter.
Brutpaare werden bewacht
Die Weibchen legen ein bis drei Eier und brüten, abwechseln mit dem Männchen, etwa 30 Tage. In dieser Zeit und während der Jungenaufzucht sind die Kraniche sehr empfindlich gegen Störungen. Der WWF berät deshalb Förster und Landeigentümer, damit die Vögel dann so wenig wie möglich gestört werden. Der WWF kauft außerdem Flächen an, um entwässerte Feuchtgebiete wieder unter Wasser zu setzen und hilft bei der Einrichtung von Naturschutzgebieten.
Warum Kranichschutz so wichtig ist
Wo Kraniche sich wohl fühlen, ist die Natur in Ordnung, fühlen sich auch viele andere Tier- und Pflanzenarten wohl. Deshalb sind Kraniche für Naturschützer so etwas wie lebende Anzeiger für intakte Feuchtgebiete.
Bis vor wenigen Jahren stand der Graue Kranich noch auf der Roten Liste der gefährdeten Arten. Heute glücklicherweise nicht mehr. Etwa 7.000 Brutpaare gibt es wieder in Deutschland, davon die meisten in Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg.