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Lemuren

Gute Geister Madagaskars

Lemuren wie die Kattas im Bild oben sind ganz besondere Affen und leben heute nur noch auf der Insel Madagaskar. Dass es Lemuren heute überhaupt noch gibt, haben sie dem Verschieben der Kontinentalplatten zu verdanken.

Vor etwa 150 Millionen Jahren – da lebten noch Dinosaurier – wurde Madagaskar von Afrika und später von Indien getrennt. Während die Lemuren mit der Zeit fast überall auf der Welt von höher entwickelten Affen verdrängt wurden, konnten sie auf Madagaskar überleben. Denn dort gab es niemanden, der ihnen die Nahrung hätte streitig machen können. 

Bis der Mensch nach Madagaskar kam: Er rottete wahrscheinlich viele Arten aus. Heute leben noch etwa 30 bis 37 Lemurenarten in den letzten Waldgebieten der Insel, wo sie vor allem durch Abholzung bedroht sind (im Bild unten der Mohrenmaki).

Älter als Schimpansen

Alle Lemuren gelten als ursprüngliche Affen. Tatsächlich erinnert ihr Aussehen ein wenig an urzeitliche Insektenfresser, von denen alle Primaten abstammen, also Affen und wir Menschen: Einige haben lange, spitze Schnauzen und ähneln mit ihren feuchten Nasen eher Hunden. Und auch im Körperbau, den großen Augen, dem meist langen Schwanz oder den Zähnen zeigen Lemuren, dass sie zu einer älteren Entwicklungsform gehören als „moderne“ Affen wie Paviane oder Schimpansen. Auch die Rotbauchmakis im Bild unten.

Lemuren-Steckbrief

Alle Lemuren sind Triefnasen, Verzeihung: Feuchtnasenaffen. Trockennasenaffen sind Menschenaffen und, naja, eigentlich auch wir Menschen. Alle zusammen bilden sie die Ordnung der Primaten. Mit der feuchten Nase übrigens können Lemuren viel besser riechen.

• Alle etwa 30 bis 37 Lemurenarten auf Madagaskar werden unterteilt in: Eigentliche Lemuren (Echte Makis, Halbmakis, Katta, Vari), Wieselmakis, Maus- und Katzenmakis, Indri, Sifakas und Wollmakis sowie das Aye-Aye.

Lemuren leben in Madagaskars Regen- und Trockenwäldern, vor allem in dünnbesiedelten Gebieten, wo Menschen nur schlecht hinkommen.

Lemuren lieben Blätter, Früchte, Nektar, Baumsäfte und leckeren Bambus. Manche fressen auch Insekten und kleine Tiere wie etwa Schlangen.

Lemurenkinder werden nach 59 bis 170 Tagen geboren, je nach Art. Sie können fünf bis 35 Jahre alt werden.

Lemuren pflanzen Bäume

Natürlich ohne es zu wissen: Sie fressen einfach leckere Früchte, verdauen sie mitsamt den Samen und gehen dann fröhlich überall im Wald „auf Toilette“. So bekommen die Samen gleich ein Häufchen Dünger mit und können besser anwachsen. Der neue Baum ist dann wieder ein neuer Lebensraum für die Lemuren.

Berühmte Lemuren

Finger wie Essstäbchen hat das Aye-Aye, das Fingertier im Bild oben. Es hat einen großen Kopf, Fledermausohren, glaskugelige Augen, zwei mächtige Schneidezähne und einen stark verlängerten, dürren Mittelfinger – was gruselig aussieht! Das Fingertier ist aber ungefährlich. Es ernährt sich vorwiegend von Insektenlarven in Baumstämmen. 

Klein wie eine Maus ist der Mausmaki, der kleinste lebende Primat der Welt! Von Kopf bis Rumpfende misst er höchstens 20 Zentimeter, so lang wie ein Bleistift! Er wiegt so viel wie eine Handvoll Bonbons (30 bis 70 Gramm). 

Laut wie eine Sirene ist der Indri. Seine Schreie klingen wie eine Mischung aus Walgesang und ohrenbetäubender Sirene und sind kilometerweit zu hören. Der Indri ist der größte Lemur: Von Kopf bis Rumpfende misst er bis zu 80 Zentimeter. 

Elegant wie ein Balletttänzer ist der Sifaka. Er hüpft mit seinen Kumpels wie ein Gummiball über den Boden, um hübsche Weibchen zu beeindrucken. Außerdem können Sifakas superelegant von Baum zu Baum springen, fast schon fliegen. 

Geringelt wie eine Socke ist der schwarz-weiße Schwanz des Katta. Er ist 56 bis 63 Zentimeter lang und damit deutlich länger als sein Körper (bis 46 Zentimeter). Der lange Schwanz ist für den Katta der dritte Arm beim Klettern und die Balancierstange beim Springen.

Geister der Toten?

Der Name "Lemuren" kommt aus dem Lateinischen. „Lemures“ nannten die Römer die Geister der Verstorbenen. Sie hätten seltsame Gesichter, hieß es, seien klein und nachts unterwegs, um die Lebenden zu erschrecken.

Genau das ist der Grund, warum Lemuren ihren Namen bekamen: Denn auch diese Affen sind zumeist  nachts unterwegs, haben kleine „Menschengesichter“ und können Dich ganz schön mit ihren großen Augen und gruseligen Schreien erschrecken!

Die Madagassen nennen sie Maki und fürchteten sich früher genauso vor ihnen wie die Römer einst vor den Lemuren.

Der größte heute noch lebende Feuchtnasenaffe, der Indri, galt den Urwaldbewohnern Madagaskars hingegen als heilig, denn sie glaubten, dass sich Menschen nach dem Tod in Indris verwandeln. Was vielleicht an den abendlichen Heulgesängen des Indris liegt, mit denen er seinen Nachbarn klar macht: Hier ist das Revier meiner Familie, bleibt bloß weg!