Achtung, Aliens!

Eingeschleppt und ausgesetzt

Waschbär, Halsbandsittich oder Drüsiges Springkraut: Diese und viele andere Aliens leben schon längst unter uns. Manche bestimmt auch bei dir um die Ecke. Keine Angst: Sie kommen nicht aus dem Weltraum. Doch bei einigen Aliens musst du aufpassen. Wir sagen dir, warum.

Schon merkwürdig, was immer mal wieder in der Zeitung zu lesen ist: „Asiatische Tigermücke in Brandenburg gesichtet!“ – „Schnappschildkröte macht Badesee unsicher!“ – „Riesenbärenklau  überwuchert Bachufer!“

Was ist da los? Tiere und Pflanzen, die von weit her eingeschleppt oder hier ausgesetzt wurden, sorgen immer öfter für Aufregung. Deshalb haben sie auch einen aufregenden Namen: „Aliens“ (sprich: Äiliens)! Dieses englische Wort bedeutet „Fremdling“ oder „Außerirdischer“. Das ist natürlich übertrieben, denn diese Lebewesen kommen nicht aus dem All, sondern nur aus anderen Ländern oder Kontinenten zu uns.

Das ist erst mal gar nichts Schlimmes. Viele Tier- und Pflanzenarten wandern im Lauf der Erdgeschichte irgendwo ein oder wieder aus. Einige jedoch verdrängen dabei heimische Tiere und Pflanzen – und werden auch für Menschen unangenehm. Die Asiatische Tigermücke zum Beispiel kann Krankheiten übertragen, die Schnappschildkröte Menschen beißen und Pflanzen wie der Riesenbärenklau Allergien auslösen.

Wir zeigen dir, warum es Aliens gibt, woher sie kommen und wie wir am besten mit ihnen umgehen. Wenn du magst, kannst du dir aber auch gleich unsere 11 ausgesuchten Aliens anschauen.

Super-Anpasser verdrängen Spezialisten

„Neobiota“ nennen Biologen gebietsfremde Arten. Das sind ganz schön viele: In Deutschland wurden bis heute rund 1.150 Tierarten und 12.000 Gefäßpflanzenarten vom Menschen unbeabsichtigt eingeschleppt oder absichtlich ausgesetzt. Die meisten von ihnen überstehen hier keinen Winter oder können sich nicht an die neue Umgebung anpassen, weil sie nicht die richtige Nahrung finden.

Andere neue Arten haben sich in unsere Artenwelt eingefügt, ohne großen Schaden anzurichten – wie zum Beispiel der Fasan. Er wurde schon im 15. Jahrhundert aus Asien in unseren Wäldern ausgesetzt, um ihn jagen zu können.

Insgesamt rund 260 Tierarten und mehr als 600 Pflanzenarten fühlen sich bei uns pudelwohl, haben sich ausgebreitet, weil sie bei uns keine Feinde haben und sie in ihren neuen Lebensräumen gut klarkommen. Manche dieser Super-Anpasser verdrängen jedoch heimische Arten – besonders solche, die nur in ganz speziellen Gebieten leben können.

Jeder war mal Einwanderer

Eigentlich war jede Art irgendwann einmal ein Einwanderer. So sind zum Beispiel fast alle bei uns lebenden Pflanzen und Tiere erst nach der letzten Eiszeit eingewandert.

Seit es Leben auf der Welt gibt, erobern Tiere und Pflanzen immer wieder neue Lebensräume. Nur Berge und Meere sowie Hitze im Süden und Kälte im Norden halten sie auf.

Das änderte sich, als Menschen vor rund 9.000 Jahren begannen, auf Entdeckungsreisen zu gehen – erst an Land, später auch über das Meer. Nüsse, Kräuter oder lebende Tiere wurden als Handelsware zu weit entfernten Orten gebracht. Gleichzeitig reisten unbeabsichtigt Pflanzensamen oder Tiere als blinde Passagiere in Säcken und Kisten versteckt mit – und wurden von ihrem ursprünglichen Lebensraum aus über die ganze Erde verteilt.

Blinde Passagiere

Heute werden jeden Tag rund 7.000 Tier- und Pflanzenarten von Schiffen über die Weltmeere verschleppt. Vor allem im Ballastwasser, das Schiffe immer dabei haben, um ihren Rumpf zu stabilisieren. So gelangte neben der Nordamerikanischen Rippenqualle auch die Chinesische Wollhandkrabbe in die Nord- und Ostsee. Von dort erobert sie die Flüsse.

Manche dieser Eindringlinge vermehren sich rasch und fressen heimischen Tieren die Nahrung weg. Sie zerstören wie die Wollhandkrabbe Flussufer und Fischernetze und verursachen so allein in Deutschland jedes Jahr Schäden von vielen Millionen Euro.

In Flugzeugen können Pflanzen und Tiere sogar in wenigen Stunden von weither zu uns gelangen. Giftige Spinnen zum Beispiel, die sich in Afrika in einer Bananenkiste verkrochen haben – oder tropische Frösche oder Schlangen in Ananaskartons aus Costa Rica. Diese Tiere vertragen jedoch unsere niedrigen Temperaturen nicht und können sich deshalb bei uns nicht dauerhaft ansiedeln.

Anders die Spanische Wegschnecke: Ihre Eier steckten in Blumenerde, die aus Spanien nach Deutschland verkauft wurde. Schon seit 30 Jahren vermehrt sie sich hier prächtig, ist mittlerweile die häufigste Schnecke in Deutschland. Zum Ärger von Bauern und Gärtnern: Denn diese Nacktschnecke verputzt fünfmal so viel Pflanzen wie ihre heimische Verwandtschaft!

Was du tun kannst

Auch du kannst mithelfen, dass eingeführte Arten bei uns nicht überhand nehmen und keine Schäden anrichten.
• Setze keine gebietsfremden Pflanzen und Tiere in der freien Natur aus.
• Pflanze möglichst keine gebietsfremde Arten in deinem Garten an, auch wenn sie schön aussehen.
• Entsorge keine Gartenabfälle in der freien Natur.
• Verzichte auf lebende Souvenirs und führe keine Pflanzen und Tiere aus anderen Ländern ein.

Was andere tun

Der WWF, das Bundesamt für Naturschutz und das Europäische Parlament wollen das Einschleppen gefährlicher fremder Arten durch strengere Gesetze und Kontrollen so gut wie möglich verhindern, um heimische Arten und unsere Gesundheit zu schützen. Außerdem sollen alle eingeschleppten Arten genau beobachtet werden, um zu verhindern, dass sie sich noch weiter ausbreiten.

Das bedeutet bei Alien-Tieren wie Waschbären und Marderhunden, dass sie regelmäßig bejagt werden. Und bei Alien-Pflanzen, dass sie in großen Vorkommen mit Wurzeln und Stiel vor der Blüte ausgerupft werden. Außerdem soll jemand, der mit Alien-Arten handelt, dafür in Zukunft bestraft werden.

Ganz verhindern lassen sich die Alien-Einwanderungen aber nicht. Wir können sie nur beschränken und versuchen, ihre schlechten Auswirkungen möglichst klein zu halten.

Hier stellen wir dir 11 Alien-Arten vor, die es bereits bei uns gibt.