Ameisen

Das große Krabbeln

Vergiss Blauwal, Elefant oder Riesenschlange! Auch Ameisen sind schwer: Zusammen mit den Termiten stellen sie mehr als ein Viertel (!) aller Tiere auf der Erde – nach Gewicht gerechnet.

Ameisen gehören zu den artenreichsten Tiergruppen überhaupt. Weltweit gibt es rund 9.600 bekannte Arten, davon allein in Deutschland 111 verschiedene.

Ameisen sind Insekten und leben in riesigen Verbänden mit bis zu 20 Millionen Tieren – jedes kennt seine bestimmte Aufgabe. All diese Ameisen graben die Erde um, transportieren Nährstoffe, verbreiten Samen, fressen Schädlinge auf und haben dabei nur Eines im Sinn: Sie wollen, dass ihr Staat, ihre Kolonie, weiterlebt. Dafür setzt sich eine Ameise mit Leib und Leben ein, als wäre die Kolonie der Körper und die Ameise allein nicht mehr als ein Hautschüppchen am linken Zeh. Vielleicht krabbelt gerade eine über deinen Fuß.

So funktioniert der Ameisenstaat: Alle für eine

Obwohl eine Million Waldameisen nur etwa 7 Kilogramm wiegen, können sie zusammen an einem Tag bis zu 100.000 Beutetiere verzehren oder ganze Felder leer fressen. Ihr Geheimnis: Sie sind perfekt organisiert. Willkommen im Ameisenstaat!

Jeder Ameisenstaat hat eine Königin und nur die legt Eier. Die allermeisten Ameisen sind unfruchtbare Arbeiterinnen, die die Königin und ihre Eier pflegen. Dazu müssen sie jagen, sammeln, graben, spähen, schleppen und Gärten anbauen. Die Soldatinnen, größer als die Arbeiterinnen, verteidigen das Nest. Die Männchen haben ein faules Leben, sie müssen nur die Königin befruchten.

Du willst es es etwas genauer wissen? Bitteschön: Jeder Staat hat einen Anfang. Der beginnt bei Ameisen mit einer Königin. Junge Königinnen haben noch Flügel. Bei ihrem Hochzeitsflug werden sie von Männchen befruchtet, die kurze Zeit später sterben.

Die Kolonie der Königin

Dann beginnt jede Königin, eine eigene Kolonie zu gründen. Sie gräbt meist im Boden eine Höhle und verschließt sie hinter sich. Nun wirft sie ihre Flügel ab und verspeist sie mit der Zeit. Nur so übersteht sie die kommenden Anstrengungen: In der Höhle legt sie ein bis vier Millimeter große Eier. Daraus schlüpfen Larven, die schon die Größe der Ameisen haben (0,8 bis 25 Millimeter). Die Königin füttert sie mit Tropfen aus ihrem Mund und schleckt sie zur Reinigung regelmäßig ab.

Nach einigen Wochen verwandeln sich die Larven zu Puppen und sehen aus wie lang gezogene Eier mit einer Seidenhaut. In den größeren wachsen künftige Königinnen, Soldatinnen oder Männchen heran. Die frisst die Königin gleich auf, weil sie erst einmal nur viele kleine Arbeiterinnen braucht. Diese lässt sie aus den kleineren Eiern schlüpfen.

Die frisch geschlüpften Arbeiterinnen graben sich aus der Höhle heraus und suchen Nahrung für die Königin. Von jetzt an legt die Königin nur noch Eier bis an ihr Lebensende – die Königin der europäischen Roten Waldameise zum Beispiel bis zu 300 Eier an einem Tag.

Die Arbeiterinnen graben Brut-, Vorrats- und Abfallkammern, vergrößern das Nest und beschaffen Nahrung. Am liebsten allerdings essen sie den Kot der Blattlaus, den süßen Honigtau. Daher tragen Ameisen Blätter in ihre Nester und lassen Blattläuse als Gäste bei sich leben.

Säure gegen Feinde

Auf ihren Streifzügen begegnen die Arbeiterinnen auch Ameisen anderer Kolonien. Aggressive Ameisenarten sehen dann rot und setzen alles daran, den Futterkonkurrenten zu vernichten.

Manche Ameisen wehren sich gegen Feinde nicht nur mit ihren Kneifzangen oder Gebissen, sondern auch mit Säure. Sie besitzen eine große Drüse am Hinterleib, aus der sie Ameisensäure bis zu 60 Zentimeter weit spritzen können!

Wenn genügend Arbeiterinnen einen tüchtigen Staat aufgebaut haben, wird die Königin neben neuen fruchtbaren Königinnen auch Männchen schlüpfen lassen. Beflügelt wie die Jungköniginnen, dürfen sie ausschwärmen und sich paaren. Und dann beginnt die Geschichte von vorn.

Ameisensprache

Du weißt: Wenn 30 Kinder durcheinander reden, ist oft kaum was zu verstehen. Wie aber verstehen sich eine Million Ameisen?

Ganz einfach: Sie duften! Sie senden Botschaften über chemische Geruchstoffe aus ihren Drüsen am Hinterleib. Zum Beispiel: „Hier geht es zur Futterstelle“, oder „Achtung Feind!“. Aber: Sie nutzen nur wenige Signale. Deswegen sind sie von Feinden und Schmarotzern leicht zu durchschauen. Milben, Silberfische, Tausendfüßer, Fliegen, Käfer, Raupen, Grillen und Wespen können Ameisen-Gerüche nämlich nachahmen und sich so unerkannt in deren Leben bis ins Nest einschleichen. Dort verspeisen sie dann Ameisenvorräte – und manchmal auch Ameisen.

Die Rote Waldameise

Ameisen sind superstark! Sie können das 6- bis 10-fache ihres eigenen Körpergewichtes schleppen. Ein Volk der Roten Waldameise in unseren Wäldern schafft daher an einem Tag bis zu 100.000 Beutetiere (Insekten und andere Kleintiere) ins Nest.

Rote Waldameisen sind Allesfresser (Insekten, Larven, Raupen, Schildläuse, Baumsäfte). Sie gelten als gefährdet und sind daher besonders geschützt.

Waldameisen können bis zu zwei Meter hohe Ameisenhügel bauen, indem sie Tannennadeln und Gehölz aneinander kleben. Sie verwenden dafür den klebrigen Seidenmantel ihrer Puppen. Unterirdisch ist dieses Nest mindestens genauso groß. Es gibt Ameisenhügel, die bis zu 100 Jahre alt sind. In den Hügeln leben mehrere Königinnen nebeneinander.

Warum Ameisen bei uns nützlich sind

Die Rote Waldameise und andere mitteleuropäische Arten sind sehr nützlich, weil sie schädigende Insekten und tote Tiere vertilgen. Zudem belüften sie den Boden, weil sie sich durch die Erde graben. Die Ameisensäure aus ihren Giftdrüsen ist außerdem ein Heilmittel. Als so genanntes Formicin hilft es Menschen mit Rheumabeschwerden. Früher haben sich die Menschen im Wald in einen Ameisenhaufen gesetzt, um ihre Gelenkschmerzen loszuwerden.

Was bedroht die Waldameisen?

Chemikalien aus der Landwirtschaft setzen selbst Ameisen schwer zu. Auch wenn der Wald nur langweilig mit einer Baumart bepflanzt wird, ziehen viele Ameisen fort. Dann vermehrt sich oft der Borkenkäfer stark, der sich dann gern über alle Bäume hermacht. Überall, wo ausreichend Waldameisen sind, ist hingegen der Holzbefall durch Schädlinge gering.

Je weniger Chemikalien in der Landwirtschaft eingesetzt werden, umso besser für die Ameisen. Auch eine naturnahe Waldwirtschaft mit vielen Baumarten hilft den Ameisen, sich natürlich auszubreiten. Für beides setzt sich der WWF in vielen Projekten ein.

Mehr über Ameisen liest du hier:

Steckbrief Ameisen

Rekorde der Ameisen!

Du möchtest den Ameisen helfen? Kein Problem! Gemeinsam mit dem WWF und YOUNG PANDA kannst du dich für ihren Schutz einsetzen. Wie das geht, kannst du hier lesen: Jetzt helfen!