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Amur-Leopard

Jäger in der Dämmerung

Der Amur-Leopard ist superselten. Aber es gibt etwas Erfreuliches über ihn zu berichten: Lebten 2007 vermutlich nur noch 35 Tiere in freier Wildbahn, sind es aktuell wieder etwa 70 Tiere. Das ergab die letzte Zählung, die im Februar 2015 veröffentlicht wurde.

Der Amur-Leopard ist eine Unterart des Leoparden und lebt in der Amur-Region, die liegt in fernen Osten Russlands und in China. Da ist es deultich kälter als Anfrikas, wo die meisten Leoparden leben. Deshalb hat der Amur-Leopard auch ein viel dichteres Fell, damit er im Winter bis zu minus 40 Grad Kälte aushalten kann. Er hat ein Fell mit viel Unterwolle und bis zu 7 Zentimeter langen Haaren!

Leoparden gibt es von Südafrika bis Ostasien. Sie haben das größte Verbreitungsgebiet aller Großkatzen. Kein Wunder, dass es auch neun verschiedene Unterarten gibt – vom Südafrikanischen über den Kaukasus-Leopard bis zum Amur-Leopard.

Denn ähnlich wie der Tiger kann sich auch der Leopard an ganz verschiedene Lebensräume anpassen – von steinigen Halbwüsten bis zu dichten Regenwäldern, von der trocken-heißen Savanne bis zur feucht-kalten Taiga. Hauptsache: Es gibt genug zu fressen! Und genug Deckung, um erfolgreich jagen zu können. Am liebsten mag er weite Laubwälder, in denen es genügend Verstecke und Beute zugleich gibt. So wie in der Amur-Region.

Der lauernde Leo

Wie alle Leoparden ist auch der bis 1,40 Meter große Amur-Leopard ein meisterhafter Jäger. Allerdings schläft er tagsüber und wird erst in der Dämmerung aktiv. Und das auch ganz „gemütlich“. Er legt sich einfach auf die Lauer. Und zwar dort, wo regelmäßig viele Wildtiere vorbei kommen. Zum Beispiel an ein gut zugängliches Flussufer. Auch wenn das Stunden dauert. Meist reißt der Amur-Leopard Rehe, Sikahirsche, Moschustiere, Wildschweine, Hasen oder Fasane.

Nachwuchs im Doppelpack

Leoparden mögen es einsam. Jedes Weibchen und jedes Männchen lebt für sich – je nach der Menge der Beutetiere – in einem eigenen Revier von 50 bis 300 Quadratkilometern (so groß wie Herne bis München). Von Zeit zu Zeit schließen sich aber männliche und weibliche Tiere kurz zu Paaren zusammen, um Nachwuchs zu zeugen. Dabei ist es ihnen egal, ob es gerade Frühling, Herbst oder bitterkalter Winter ist. Junge können sie zu jeder Jahreszeit großziehen.

Die Tragzeit dauert ungefähr 95 Tage. Die Leopardenmütter ziehen sich für die Geburt gern in eine Höhle zurück. Geboren werden meist zwei Junge. Sie wiegen 500 bis 700 Gramm und sind völlig hilflos. Erst nach einer Woche öffnen sie ihre Augen. Mit gut zwei Monaten wagen sie sich erstmals aus ihrer Kinderstube heraus. In den folgenden zwölf bis fünfzehn Monaten begleiten die kleinen Leos ihre Mutter auf Streifzügen durch das Revier und lernen bei ihr zu jagen.

Im Alter von zwei bis drei Jahren werden die jungen Amur-Leoparden geschlechtsreif. Weibchen bekommen dann regelmäßig etwa alle zwei Jahre Nachwuchs. In freier Wildbahn werden Amur-Leoparden meist etwa 15 Jahre, manchmal sogar bis zu 23 Jahre alt.

Leoparden-Nationalpark in Russland

Alle rund 70 Amur-Leoparden leben auf einem etwa 40 Kilometer breiten und 180 Kilometer langem Streifen in der russischen Amur-Region zwischen der Grenze zu China und dem Pazifischen Ozean.

Nach zwölf Jahren Vorarbeit des WWF hatte die russische Regierung im Jahr 2012 an ihrer chinesischen Grenze im Fernen Osten einen neuen Nationalpark eingerichtet, um die letzten 30 dort lebenden Amur-Leoparden zu schützen.

Im neuen Nationalpark liegen genau die Reviere, in denen die Weibchen bevorzugt ihren Nachwuchs aufziehen. Nun hoffen wir, dass sie dort recht viele Jung ebekommen. Bis zu 50 Tiere können im neuen Nationalpark leben.

Der neue Nationalpark mit Namen „Leopardenland“ im Südwesten der Region Primorje hat eine Größe von 262.000 Hektar, das ist so groß wie das Bundesland Saarland.

Du möchtest dem Amur-Leoparden helfen? Kein Problem! Gemeinsam mit dem WWF und YOUNG PANDA kannst du dich für seinen Schutz einsetzen. Wie das geht, kannst du hier lesen: Jetzt helfen!