Schlaue Esel

Treue Begleiter des Menschen

„Du dummer Esel“ oder „lahmer Esel“:  Noch immer wird das Wort „Esel“ als Schimpfwort benutzt. Dabei ist er überhaupt nicht dumm, sondern sogar ziemlich schlau. Vor allem aber war der Esel für Menschen Jahrtausende lang ein äußerst praktisches Nutztier.

Aber nicht nur das: Viele Menschen hielten den Esel früher sogar für ein ganz besonderes Wesen. Für die Ägypter zum Beispiel war er eine Gottheit, im Märchen „Tischlein deck dich!“ spuckt er Goldtaler und in der biblischen Weihnachtsgeschichte wacht er über das Jesuskind.

Das zeigt auch, wie wichtig den meisten Menschen lange Zeit der Esel war. Noch vor seinem Verwandten, dem Pferd, wurde der Esel gezähmt. Auf langen Handelsreisen und sperrigen Wegen ritt man auf dem robusten Langohr, packte ihm Lasten auf den Rücken oder spannte ihn vor Karren und Kutschen.

Der Esel war der perfekte Helfer, denn er kommt bis zu drei Tage ohne Wasser aus, ihm genügen Gräser und trockene Pflanzen, er ist ausdauernd und bewegt sich geschickt auf unwegsamem Gelände. Kein Wunder, dass es nicht lange dauerte, bis der Esel auf vielen Kontinenten bekannt, beliebt und zu Hause war. In ägyptischen Grabstätten fand man Knochen von Eseln, die nahe bei einem Pharao bestattet wurden. Daher wissen wir, dass die Tiere schon vor über 6.000 Jahren als Nutztiere gehalten wurden.

Heute dagegen werden fast auf der ganzen Welt Autos und andere Fahrzeuge zum Transport von Waren eingesetzt. Last-Esel gibt es nur noch in wenigen entlegenen Gegenden wie zum Beispiel in Äthiopien (Bild oben).

Besondere Kennzeichen

• Sein Ruf ist weltbekannt: Iihhh-Aaaaah!
• Das Fell des Esels ist meist grau oder braun, kann aber auch schwarz, weiß oder gescheckt
sein.
• Über seinen Rücken verläuft ein schmaler dunkler Strich, der Aalstrich. Am Bauch, um
die Augen und am Maul ist das Fell meist weiß.
• Seine abstehende Mähne unterscheidet ihn vom Pferd.
• Je nach Art oder Rasse haben Esel eine Schulterhöhe zwischen 80 Zentimeter
(Zwergesel) und 160 Zentimeter.
• Der dünne Schwanz endet in einer großen Bündel aus borstigem Haar.
• Seine Ohren sind mehr als 20 Zentimeter lang. Damit kann der Esel nicht nur gut hören,
sondern auch anzeigen, wie es ihm geht.
   - Hängende Ohren: Ich bin sehr entspannt.
   - Aufrecht stehende Ohren: Ich verfolge neugierig und wachsam, was um mich herum geschieht.
   - Zur Seite gedrehte Ohren: Mir geht’s gar nicht gut. Ich habe Angst.
   - Angelegte Ohren: Die Situation gefällt mir nicht. Es fehlt nur noch eine Kleinigkeit, und ich verteidige  mich mit Tritten und Bissen.

Die drei Esel-Arten

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1 Afrikanischer Wildesel

Heimat: Nordöstliches Afrika.
Lebensraum: Hügelige, steinige Wüsten und trockenes Grasland.
Besonderheiten: Er besitzt gestreifte Beine, die aussehen wie die von einem Zebra. Der Hausesel
stammt von ihm ab.
Schulterhöhe und Gewicht: 1,15 - 1,25 Meter, 270 - 280 Kilogramm.
Unterarten: Somali-Wildesel, Nubischer Wildesel (in der Wildnis ausgestorben, lebt nur
noch in Zoos).

2 Asiatischer Wildesel

Heimat: Zentral- und Nordasien.
Lebensraum: Trockene Regionen mit wenigen Niederschlägen, Halbwüsten mit heißen Tagen und kalten Nächten.
Besonderheiten: Wird auch Halbesel genannt, da er viel Ähnlichkeit mit dem Pferd hat. Ist mit bis zu 70 Stundenkilometern im Galopp der schnellste unter den Eseln.
Schulterhöhe und Gewicht: 1,26 - 1,30 Meter, 200 - 260 Kilogramm.
Unterarten: Khur, Kulan, Onager, Dschiggeta.

3 Kiang oder Tibet-Wildesel

Heimat: Hochland von Tibet, Indien, Nepal, Pakistan.
Lebensraum: Bergwiesen und -steppen in bis zu 5.300 m Höhe, in denen es im Winter sehr kalt
werden kann.
Besonderheiten: Er ist der größte wildlebende Esel und als einziger Wildesel nicht stark bedroht. Im Winter frisst er Schnee, um genügend Wasser zu sich zu nehmen.
Schulterhöhe und Gewicht: 132 - 142 cm, 250 - 400 Kilogramm.
Unterarten: Westlicher Kiang, Östlicher Kiang, Südlicher Kiang.

Alter von Wildeseln: 16 bis 26 Jahre.

Zwergesel und Mulis

Ein Zwergesel ist ein kleiner Hausesel, der aus Afrikanischen Eseln gezüchtet wurde.
Ein Maulesel ist eine Kreuzung eines Pferdehengstes und einer Eselstute.
Ein Maultier oder Muli ist eine Kreuzung eines Eselhengstes und einer Pferdestute.

Sture Hausesel

Oft heißt es, ein Hausesel sei störrisch oder stur. Weil er einen eigenen Kopf hat und sich auch mal anders verhält als sein Besitzer das will. Das liegt dann aber oft daran, dass Esel gerne stehen bleiben und nicht mehr weitergehen, wenn ihnen etwas komisch oder gefährlich vorkommt. Haben sie keine Angst mehr, folgen sie aufs Wort.

Eselkinder

Nach zwölf bis dreizehn Monaten Schwangerschaft kommt ein Junges zur Welt: Es kann sofort laufen und hat ein dichtes Fell, das vor Kälte und zu großer Hitze schützt. Ein Eselfohlen wird bis zu acht Monate von seiner Mutter gesäugt, doch schon nach einer Woche kann es auch Gras und Heu fressen.

Ein Esel braucht nur wenig Schlaf

Esel können im Stehen schlafen – sogar mit offenen Augen. Sie legen sich selten hin, denn dann sind sie für Feinde leichter angreifbar. Sie schlafen nur 2 bis 5 Stunden und halten dafür auch mal tagsüber ein Nickerchen.

Der Esel als Beschützer

Ein Esel mag keine hundeartigen Tiere. Das macht ihn zu einem prima Beschützer für Schafe.
So wird der Esel gerne von Schäfern als Wächter gegen Wölfe eingesetzt. Pirscht ein hungriger Wolf heran, ergreift der treue Esel nicht die Flucht, sondern alarmiert mit lautem Gebrüll und Gestampfe seine Herde und verteidigt die Schafe im Notfall mit Bissen und Tritten gegen den Eindringling.

Bedrohte Wildesel

Auch wenn es auf der Welt viele verwilderte Esel gibt, sind ihre wilden Verwandten stark bedroht, der
Somali-Wildesel sogar vom Aussterben bedroht. Von ihm gibt es in der Wildnis nur noch wenige hundert Tiere.

In ihrer trockenen und kargen Heimat müssen die Wildesel sich mit anderen Tieren um Wasserstellen und Nahrung streiten. Oft bleibt dabei nicht genug für alle übrig. Vielerorts werden Wildesel auch wegen ihres Fleisch gejagt.

Der WWF kümmert sich darum, dass Lebensräume für Wildesel erhalten bleiben, ihre Wanderwege zu Wasser- und Futterstellen nicht mit Straßen verbaut werden und ihre Bestände auch nicht gejagt werden.

Du möchtest den Eseln helfen? Kein Problem! Gemeinsam mit dem WWF und YOUNG PANDA kannst du dich für ihren Schutz einsetzen. Wie das geht, kannst du hier lesen: Jetzt helfen!