Flugunfähige Vögel

Flügel brauchen sie nicht mehr

Auf breiten Schwingen durch die Lüfte ist offenbar nicht für alle Vögel supertoll. Denn einige wie der Vogel Strauß haben sich das Fliegen abgewöhnt. Warum bloß? Und wie kommen sie damit zurecht?

Emu und Nandu, Pinguin und Kiwi und viele andere Vogelarten stammen von Vorfahren ab, die einst fliegen konnten. Sie besitzen zwar noch Flügel oder so etwas wie Flügelstummel. Damit können sie sich jedoch nicht mehr in die Lüfte schwingen.

Das brauchen sie auch gar nicht mehr. Denn flugunfähige Vögel haben andere nützliche Eigenschaften entwickelt, um sich fortzubewegen. Die einen können zum Beispiel ausdauernd und schnell rennen, andere prima auf Bäume klettern oder schwimmen und – wie der Pinguin – elegant durchs Wasser gleiten und tief tauchen. 

Viele der flugunfähigen Vögel sind auf Inseln zu Hause, die weit draußen in den Ozeanen liegen. Dort gab es keine gefährlichen Raubtiere auf dem Boden und ursprünglich auch keine Menschen, die auf die Jagd gingen. Und vor Raubvögeln braucht man nicht davonzufliegen – da hilft es mehr, sich im Gebüsch zu verstecken.

So war es einst auf Neuseeland, auf Madagaskar und auf vielen kleineren Inseln. Die Vögel, die von den Kontinenten dorthin kamen – zum Beispiel, weil die Insel auf ihrer Zugroute lag oder weil sie von Stürmen dorthin verweht wurden – hatten also kaum Feinde. Fliegen wurde überflüssig und bei einigen dieser Vogelarten bildeten sich deshalb die Flügel zurück. Nicht von heute auf morgen, sondern über Zehntausende von Jahren.

Flügel zurückbilden – wie geht das genau?

Vogelknochen besitzen Luftkammern, die sie besonders leicht machen. Die verschwanden mit der Zeit und die Knochen wurden dadurch stabiler und schwerer. Die Flügelmuskeln entwickelten sich zurück. Auch die Federn veränderten sich: Sie wurden nicht mehr durch winzige Haken zusammengehalten, waren deshalb weniger steif und wurden bei vielen Nichtfliegern stattdessen weich und seidig. 

Am Boden zu bleiben, wo es genug Futter und keine Feinde gab, war wesentlich weniger anstrengend als in die Luft zu gehen. Wissenschaftler haben ausgerechnet, dass viele flugunfähige Vögel für ihre Fortbewegung um ein Drittel weniger Energie verbrauchen als ihre fliegenden Vorfahren. 

Gerade auf Inseln mit wenig Nahrung hat Energiesparen einen großen Vorteil. Statt großer Flügel haben einige Nichtflieger kräftige Beine entwickelt, mit denen sie erstaunlich schnell laufen können. Der Kiwi auf Neuseeland bringt es zum Beispiel auf eine Geschwindigkeit von 19 Stundenkilometern – und ist damit schneller als ein Mensch. 

Sie legen die größten Eier

Gerade auf Inseln machen flugunfähige Vogelarten auch bei der Fortpflanzung vieles anders als ihre fliegenden Verwandten. Zwar erreichen sie ohne Fressfeinde ein höheres Lebensalter, aber gleichzeitig gibt es auf Inseln oft nur begrenzt Lebensraum und Nahrung. Daher herrscht unter den Vögeln viel Wettbewerb um Essen und Überleben.

Es lohnt sich für diese Vögel also eher, sich weniger zu paaren und weniger, dafür aber oft größere Eier zu legen. Wie zum Beispiel die Kiwi-Weibchen: Sie sind kleiner als Haushühner, legen aber einmal im Jahr ein oder zwei Eier, die bis zu 500 Gramm wiegen können – so viel wie sieben bis acht Hühnereier. Der Vorteil: Bei weniger Küken bekommt jedes mehr Futter, so dass die Küken gut wachsen und besser überleben als in größeren Gelegen – besonders wenn es nicht so viel Nahrung gibt.

Aus der Luft ins Wasser

Auch aus fliegenden Wasservögeln haben sich flugunfähige Arten entwickelt. Bei den Pinguinen haben sich die Flügel zu kräftigen Paddeln umgewandelt, mit dicken Knochen und steifen Ellenbogen. Damit können sie schnell durchs Wasser sausen und nach Nahrung tauchen. Die Schwimmhäute zwischen ihren Zehen und der Stummelschwanz sind die Ruder.

Die Galapagosscharbe (drittes Bild von oben) ist ein Kormoran, der anstelle kräftiger Schwingen nur Stummelflügel besitzt. Er wohnt direkt am Meer, hat keine Feinde und kann mit seinen kurzen Flügeln besser tauchen als seine flugfähigen Verwandten.

Wann Flugunfähigkeit gefährlich wird

Nichtflieger auf Inseln waren solange sicher, bist die ersten Menschen kamen. Für sie waren flugunfähige Vögel leichte Beute, denn sie flogen ja nicht weg.

Dazu kamen die Ratten, die mit den Schiffen auf die Inseln kamen, und Haustiere wie Schweine, Katzen und Hunde. Sie jagten ebenfalls die Vögel und plünderten deren ungeschützte Nester. Deshalb sind viele von ihnen wie der Kiwi sehr selten geworden, einige starben sogar aus wie der Dodo. Er lebte auf den Inseln Mauritius und Réunion im Indischen Ozean nördlich von Madagaskar. Er war so groß wie ein Schwan, hatte kurze Beine und dicken gebogenen Schnabel. Er wurde vor etwa 300 Jahren ausgerottet, vor allem durch von Menschen eingeschleppte Ratten.

Leider ist es für die flugunfähigen Vögel nicht möglich, wieder fliegen zu lernen. Flügel haben sie zwar noch, aber ihre Knochen haben sich verändert und ihre Flugmuskeln fehlen. Die Erfindung der Flugunfähigkeit kann also nicht rückgängig gemacht werden – deshalb sind diese Vögel so anfällig.

Der WWF hilft

Der WWF hilft flugunfähigen Vögeln in vielen Projekten weltweit – den Galapagos-Pinguinen genauso wie den Kiwis auf Neuseeland. Zum Beispiel, indem eingeführte Ziegen und Schweine eingefangen werden, weil sie Vogelnester leer fressen. Und indem darauf geachtet wird, dass dort keine Hunde frei laufen, wo flugunfähige Vögel leben.

Mehr Infos über flugunfähige Vögel

Du möchtest den flugunfähigen Vögeln helfen? Kein Problem! Gemeinsam mit dem WWF und YOUNG PANDA kannst du dich für ihren Schutz einsetzen. Wie das geht, kannst du hier lesen: Jetzt helfen!