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Flusspferde

Komische Kolosse

Ehrlich gesagt, ist der Name „Nil-Pferd“ völlig daneben. Das Flusspferd wird wahrscheinlich noch immer deswegen so bezeichnet, weil europäische Entdecker es vor mehr als 200 Jahren am großen Nil-Fluss in Ägypten erstmals zu Gesicht bekommen haben. Dort sind die grauen Giganten jedoch längst ausgerottet.

Wissenschaftler nennen das Flusspferd auch Hippopotamus. Dieser Name kommt aus der griechischen Sprache und setzt sich aus den beiden Wörtern „Hippos“ für Pferd und „Potamus“ für Fluss zusammen.

Auch das ist falsch. Das Flusspferd ist nicht mit den Pferden verwandt. Pferde haben nur einen Huf an jedem Bein. Die Flusspferde dagegen zählen wie Schweine, Hirsche, Gazellen und Rinder zu den Paarhufern. Paarhufer haben zwei oder vier Zehen an jedem Fuß. Flusspferde besitzen zwischen ihren Fußzehen noch Schwimmhäute! Flusspferde müssten also eher „Flussrinder“ oder „Flussschweine“ heißen.

Oder gar Flusswale? Nach neuesten Vergleichen des Erbgutes ist das Flusspferd auch sehr eng mit dem Wal verwandt. Offenbar hatten sie vor rund 50 Millionen Jahren gemeinsame Vorfahren.

Dösen und tauchen

Flusspferde verschlafen den Tag am liebsten im Wasser. Dort ist es wesentlich angenehmer als an Land, wenn die heiße afrikanische Sonne vom Himmel brennt. Dabei bevorzugen sie flache Seen oder Flussufer, wo es möglichst wenig Strömung im Wasser gibt. Denn sie sind keine besonders guten Schwimmer.

Meistens sind sie etwa fünf Minuten unter Wasser, doch sie können es bis zu 30 Minuten ohne Luft aushalten. Ihre Ohren und Nasen können sie dabei wasserdicht verschließen.

Eigene Sonnencreme

Normalerweise schauen von Flusspferden, während sie im seichten Uferwasser schlummern, nur die Augen, die Nase und die Ohren heraus. Doch wenn in Trockenzeiten das Wasser knapp oder nicht tief genug ist, oder wenn sich mehrere Tiere sogar ein Schlammloch teilen müssen, ist der Körper von Großflusspferden oft auch der sengenden Sonne ausgesetzt. Ihre Haut ist zwar fünf Zentimeter dick, aber fast haarlos und glatt und daher sehr empfindlich. Um sie vor Sonnenbrand und vor dem Austrocknen zu schützen, besitzt die Haut der Flusspferde daher besondere Schweißdrüsen. Sie scheiden über diese Drüsen eine Flüssigkeit ab. Sie verteilt sich über die Haut und wirkt wie ein Filter gegen die schädlichen UV-Strahlen der Sonne. Flusspferde produzieren sozusagen ihre eigene Sonnencreme.

Nächtliches Picknick

Nachts werden die Dickhäuter munter. Dann gehen sie an Land und wandern oft Kilometer weit bis zu ihren Weidegründen, um dort nach Futter zu suchen, denn Flusspferde sind Pflanzenfresser. Wasserpflanzen mögen sie allerdings nicht besonders. Die Nilpferde bevorzugen die Gräser der Savanne, die Zwergflusspferde die Blätter des Regenwaldes.

Fünf bis sechs Stunden verbringen sie beim nächtlichen Picknick in ihren Weidegründen. Ein erwachsenes Nilpferd verschlingt in dieser Zeit bis zu 65 Kilogramm Pflanzen, bis es satt ist. Wie die Kühe verdauen sie die Gräser in mehreren Magenkammern. Allerdings gehören Flusspferde nicht zu den Wiederkäuern.

Sie können auch anders!

Wehe dem, der diese Dickhäuter stört! Da die mächtigen Tiere kaum Feinde haben, sind sie furchtlos und angriffslustig. Auch wenn sie ruhig im Wasser treiben, können sie plötzlich aggressiv werden – vor allem Mütter, wenn sie Junge haben. Kommt ihnen ein Boot zu nahe, gehen sie manchmal wild darauf los, so dass es kentert.

Flusspferd ist nicht gleich Flusspferd

Neben den bekannten Nil- oder Großflusspferden, die in Flüssen und Seen der afrikanischen Savanne leben, gibt es auch sehr seltene Zwergflusspferde. Sie bewohnen die Sümpfe in den westafrikanischen Regenwäldern.

Das Großflusspferd ist nach dem Elefanten und dem weißen Nashorn das drittgrößte Landsäugetier der Erde. Es misst von der Schnauze bis zum Po bis zu 3,50 Meter. Dazu kommt noch der bis zu 56 Zentimeter lange, dünne Schwanz. Es wird bis zu eineinhalb Meter hoch und wiegt bis maximal 3,2 Tonnen.

Die meisten Großflusspferde findet man in den Grassteppen Südafrikas sowie in der Demokratischen Republik Kongo, viele auch in Äthiopien, im Sudan, in Kenia, Uganda und in Tansania.

Das Zwergflusspferd (im Bild oben) ist mit einer Körperlänge von etwa 1,75 Metern, einer Schulterhöhe von höchstens einem Meter und einem Gewicht von bis zu 275 Kilogramm wesentlich kleiner und leichter. Es lebt im westlichen Afrika, in den Tropenwäldern von Liberia sowie in Sierra Leone, Guinea und an der Elfenbeinküste.

Nachwuchs: Die Weibchen bekommen etwa alle zwei Jahre meistens ein Junges. Flusspferd-Babys werden im Wasser oder auch an Land geboren. Sie können sofort laufen und schwimmen.

Feinde: Gesunde erwachsene Flusspferde haben keine natürlichen Feinde. Nur junge und kranke Tiere werden manchmal Opfer von Krokodilen, Löwen oder Hyänen.

Alter: In freier Wildbahn werden Flusspferde 30 bis 40 Jahre alt, im Zoo sogar mehr als 50 Jahre.

Bestand: Weltweit gibt es noch 125.000 bis 150.000 große Flusspferde und nur noch 2.000 bis 3.000 Zwergflusspferde.

Der WWF hilft

Großflusspferde sehen Experten in der Wildnis als „gefährdet“, das Zwergflusspferd sogar als stark gefährdet an. Deshalb setzt sich auch der WWF dafür ein, dass überall in Afrika – in der Savanne wie im Regenwald – möglichst große Naturschutzreservate eingerichtet werden.

Über Flusspferde gibt es auch ein neues YOUNG PANDA-AktuellHier kannst du hineinschnuppern.

Du möchtest den Flusspferden helfen? Kein Problem! Gemeinsam mit dem WWF und YOUNG PANDA kannst du dich für ihren Schutz einsetzen. Wie das geht, kannst du hier lesen: Jetzt helfen!