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Korallenriffe

Regenwälder der Meere

Auch wenn sie oft so aussehen und festsitzen: Korallen sind keine Pflanzen, sondern Hohltiere – so genannte Polypen. Sie bestehen fast nur aus einem großen Magen, einem Mund und sechs bis acht Tentakeln.

Die Tentakel der Korallenpolypen enthalten Tausende von Nesselzellen. Diese Nesselzellen wirken wie winzige Giftharpunen, die bei der kleinsten Berührung innerhalb von Millisekunden explodieren und einen Giftfaden ausschleudern. Damit fangen sie kleinste schwebende Tiere, sogenanntes Plankton. 

Davon wird der Polyp aber nicht satt. Deshalb lassen die meisten Arten in den Zellwänden ihrer Leibeshöhle kleine Algen wohnen, die Zooxanthellen.

Untermieter erwünscht

Diese Untermieter färben die Korallen durch ihren Stoffwechsel so schön bunt. Viel wichtiger noch: Sie versorgen die Polypen (im Bild unten) mit Sauerstoff und zusätzlichen Nährstoffen. Indem sie aus Sonnenlicht Energie gewinnen (nennt man Photosynthese) und einen Großteil davon an ihre Gastwirte weiter geben.

Die Korallentiere haben noch etwas mit Pflanzen gemein: Sie vermehren sich meist durch Knospung – und nur selten durch die Befruchtung von Eiern. Nach ihrem Tod wachsen ihre Nachkommen einfach auf den Kalkskeletten ihrer Ahnen weiter – ein höchst lebendiger Friedhof.

Korallen sind superwichtig

Für knallrote Clownfische wie aus dem Film "Findet Nemo" und viele anderen Meeresbewohner sind sie ein idealer Lebensraum im weiten Meer – oft sogar der einzige.

Auch wir Menschen brauchen Korallen: Denn Korallenriffe schützen unsere Küsten vor Stürmen, bieten reichlich Fische zum Essen und sind obendrein ein spannendes Urlaubsziel! 

60.000 Tier- und Pflanzenarten haben Wissenschaftler bereits in Korallenriffen entdeckt. Und weitere 300.000 (dreihunderttausend!) vermuten sie noch in ihren Höhlen, Gängen und Labyrinthen. Damit sind Korallenriffe genauso artenreich wie die Regenwälder.

Wer so alles im Riff wohnt

Das Riff-Labyrinth aus Spalten, Höhlen und Grotten bietet Nahrung, Wohnung, Deckung, Laichplatz und Kindergarten für eine Fülle von Organismen. Dazu zählen Algen, Moostierchen, Seescheiden, Schnecken, Würmer, Muscheln, Tintenfische, Seesterne, Seeigel, Krebse und Fische. Haie wie im Bild oben kommen öfters vorbei, um leichtsinnige Fische verspeisen.

Seeigel wandern auf der Suche nach pflanzlicher Nahrung über das Riff, Kreiselschnecken weiden Algen ab. Leuchtend gefärbte Meeresnacktschnecken raspeln an Schwämmen und Moostierchen, während zum Beispiel die Kaurischnecken mit Vorliebe Korallen und Seescheiden verspeisen.

Auch Fische haben sich auf Korallennahrung spezialisiert. Die bunten Papageienfische beißen mit ihren starken Kiefern ganze Stücke aus den Korallenkolonien heraus und zerkleinern sie mit kräftigen Zähnen. Auch die Drückerfische können Korallen und Krebse zerbeißen.

Meeresschildkröten wie die Karettschildkröte im Bild unten knabbern gern an Schwämmen.

Kleinere Fische werden nicht nur das Opfer von größeren wie Haien, Muränen oder Zackenbarschen. Auch Wirbellose - wie Schnecken, Tintenfische und Seeanemonen - können durchaus Fische fangen und verzehren. Die Kegelschnecke der Gattung Conus hat dazu eine besondere Waffe entwickelt: Sie benutzt Giftstilette zum Töten der Beute.

Die Tricks der Riffbewohner

Um ihren Räubern zu entgehen, haben die Bewohner der Korallenriffe unterschiedlichste Methoden entwickelt. Viele Fischarten sind ausgesprochen standorttreu. Sie kennen ihr Revier ganz genau und sind bei Gefahr blitzschnell in sicheren Nischen und Spalten verschwunden.Sie sind gut getarnt: entweder ganz unscheinbar so oder grellbunt, dass sie in der bunten Umgebung kaum auffallen.

Verschiedene Arten treffen untereinander eine trickreiche Vereinbarung, eine so genannte Symbiose: sie nutzen sich gegenseitig. So leisten die Putzerfische ihren Feinden Pflegedienste, indem sie deren Haut von lästigen Schmarotzern befreien. Die Putzerfische erhalten Nahrung und Schutz, die großen Fische Hautpflege. Dabei wagen sich die kleinen Putzerfische sogar in das geöffnete Maul zwischen Zähne und Kiefer. Grusel!

Von warm bis kalt

Korallen kommen in fast allen Weltmeeren vor: Warmwasserkorallen lieben 21 bis 29 Grad Celsius warmes, klares und seichtes Wasser sowie viel Sonne – wie im tropischen Pazifik, Indischen Ozean, in der Karibik, im Roten Meer und im Golf von Arabien. Kaltwasserkorallen halten es in totaler Dunkelheit und bei 4 Grad Celsius aus: im Atlantik etwa vor Norwegen bis vor Portugal. In bis zu 3.000 Metern Tiefe! Dort bauen sie ebenfalls kilometerlange Riffe! Das wusste man vor einigen Jahren noch gar nicht. 

Das Große Barriere-Riff

Zwei Bauwerke auf der Erde sind bereits aus dem Weltraum zu erkennen: Das eine ist die Chinesische Mauer. Das andere ist das Große Barriere-Riff – erbaut von Millionen kleiner Korallen. Es ist das größte Korallenriff der Welt und liegt vor der Ostküste Australiens. Es erstreckt sich fast 2.200 Kilometer lang, so weit wie von Oslo bis Rom.

Am Großen Barriere-Riff sind Wissenschaftler noch immer mit dem Zählen und Untersuchen seiner Bewohner beschäftigt. Bisher fanden sie 4.000 verschiedene Muscheln und Schnecken sowie 1.500 Fischarten.

Du möchtest den Korallen helfen? Kein Problem! Gemeinsam mit dem WWF und YOUNG PANDA kannst du dich für ihren Schutz einsetzen. Wie das geht, kannst du hier lesen: Jetzt helfen!