Lama und Guanako

Ducken, wenn sie spucken

Sie haben süße, putzige Gesichter – doch manchmal auch mal schlechte Laune, dann können sie spucken. Doch eigentlich sind Lamas und Guanakos sehr gutmütig, deshalb werden sie auch als Lasttiere oder als Begleiter beim Wandern eingesetzt.

© WWF: Alpakas oben, Vikunjas unten

Guanako und Lama sind Kamelarten Südamerikas, das Guanako ist die wildlebende Art. Aus ihm wurde das etwas größere Lama als Haustier gezüchtet, um vor allem schwere Lasten zu tragen sowie Fleisch und Leder zu liefern.

Kleiner und schlanker als das Guanako ist das Vikunja, ebenfalle eine Kamelart aus Südamerika. Und dann gibt es noch das Alpaka: Es wurde als eigene Art vor allem als Lieferant für Wolle gezüchtet.

Alle vier Kamelarten können miteinander Kinder bekommen.

Geschichte

Bereits vor 6.000 Jahren begannen Menschen in Südamerika, aus wilden Guanakos Lamas als Haustiere zu züchten. Die indianischen Völker des über 6.000 Meter hohen Anden-Gebirges nutzten Lamas zum Tragen schwerer Lasten und als Fleischlieferant. Sie fertigten auch Leder aus seiner Haut, machten Kerzen aus seinem Fett und nutzten seine getrockneten Häufchen als Brennstoff.

Auch heute in Zeiten von Autos und Flugzeug wird das Lama in schwer zugänglichen Regionen der Anden noch immer als Lasttier eingesetzt. Insgesamt werden in Südamerika vermutlich rund drei Millionen Lamas gehalten.

Lamas können alle zwei Jahre geschoren werden. Eine Schur ergibt bis zu sechs Kilogramm Roh-Wolle, die man dann zu tragbarer Wolle spinnen kann.

Steckbrief

© WWF: Guanako

Größe und Gewicht: Lamas erreichen eine Schulterhöhe von bis zu 1,30 Meter und ein Gewicht von bis zu 150 Kilogramm. Guanakos erreichen eine Schulterhöhe von 1,20 Meter und ein Gewicht von bis zu 120 Kilogramm.

Keine Höcker: Im Gegensatz zu den Altweltkamelen (Dromedar und Trampeltier) haben Guanakos und Lamas keinen Höcker.

Farbe: Es gibt einfarbig weiße, braune und schwarze Lamas sowie solche, die in diesen Farben gefleckt oder anders gemustert sind. Auch gepunktete Lamas kommen vor. Guanakos sind auf der Oberseite braun und unten weiß, ihr Gesicht ist oft schwarz gefärbt.

Die Oberlippe der Guanakos und Lamas ist wie bei den Altweltkamelen gespalten und dadurch sehr beweglich.

Nachwuchs: Die Tiere erreichen die Geschlechtsreife mit etwa zwei Jahren. Nach einer Tragezeit von elf bis zwölf Monaten wird ein Fohlen geboren, sehr selten sind Zwillingsgeburten.

Ihr Fressen: Lamas ernähren sich von Flechten, krautigen Pflanzen, Gräsern, Sträuchern und Blättern.

Zusammenleben: Guanakos leben wild in verschiedenen Gruppen zusammen – ein Leithengst mit mehreren Stuten, Junggesellen-Hengste und Stuten mit Jungen. Solche Herden können mehr als hundert Tiere umfassen.

Verhalten: Die weiblichen Tiere sind immer ranghöher als die männlichen Tiere. Die wiederum verteidigen die Herde. Rangkämpfe unter Hengsten werden mit wütenden Schreien und Beißen sowie Verfolgungsjagden ausgetragen, bis sich eines der Männchen dem anderen unterordnet. Sonst sind Guanakos friedliche Herdentiere.

Bestand: Das Guanako gilt wegen seiner weiten Verbreitung und mit einem Bestand von1,5 bis 2,2 Millionen Tieren als nicht gefährdet. Das Lama ist ebenfalls nicht bedroht.

Körpersprache

Über ihre Körperhaltung zeigen Lamas ihre Stimmung:

• Wenn die Ohren aufgerichtet sind und der Schwanz nach unten hängt, geht es dem Lama gut und es ist entspannt.

• Geht der Schwanz nach oben, ist dies ein Ausdruck erhöhter Aufmerksamkeit und Anspannung.

• Sind die Ohren nach hinten gelegt und der Schwanz unten, signalisiert das Lama, dass es sich unterordnet.

• Wenn die Ohren angelegt sind und der Schwanz hoch steht, fühlt sich das Lama nicht wohl.

Singt oder summt das Lama, ist es zufrieden.

• Werden gurgelnde Geräusche hörbar, ist das Lama am flirten.

Schreit das Lama, fühlt es sich bedroht.

• Sind die Ohren länger angelegt und ein anderes Lama ist zu nahe, kann es dann tatsächlich mit hoch aufgerichteter Nase warnend spucken, was zwischen den Tieren durchaus regelmäßig vorkommt.

Das Spucken und die Spucke

Warum spucken Lamas und Guanakos? Die Gründe sind Futterneid, Rangfolge (Kämpfe der Tiere untereinander) oder Paarungsverhalten: Eine Stute zeigt so, dass der Hengst sie nicht mehr begatten soll.

• Wenn ein Lama auf einen Menschen spuckt, dann hat das Tier möglicherweise schon schlechte Erfahrungen mit Zweibeinern gemacht. Oder das Lama fühlt sich belästigt.

• Lamas sind beim Spucken sehr treffsicher. Meistens wird halb verdauter Mageninhalt ausgespuckt. Die halbflüssige, grünliche Masse riecht ziemlich übel, ist aber harmlos und leicht abwaschbar.

Besonderes

• Aus den Andenstaaten wurden Lamas in viele Ländern exportiert, wo sie heute für Wanderungen, zur Landschaftspflege und als Hobbytiere gezüchtet werden.

• Mit Lamas umher zu laufen hilft manchen kranken Menschen, weil die Tiere gutmütig und sanft sind.

Mehr über Kamele allgemein erfährst du hier.

Du möchtest dem Lama und dem Guanako helfen? Kein Problem! Gemeinsam mit dem WWF und YOUNG PANDA kannst du dich für ihren Schutz einsetzen. Wie das geht, kannst du hier lesen: Jetzt helfen!