Geheimagent

Luchs

Hast du Augen wie ein Luchs? Diese Redensart bedeutet: Du siehst besonders gut. Tatsächlich sind die Augen dieser Raubkatze sechsmal so lichtempfindlich wie die des Menschen.

Damit kann sie Beutetiere schon aus 300 Metern Entfernung erkennen. Besonders in der Morgen- und Abenddämmerung, wenn wir Menschen alles nur grau in grau sehen.

Der Luchs gehört neben dem Wolf und dem Bär zu den heimischen Beutegreifern, die in Deutschland vor mehr als 100 Jahren komplett ausgerottet wurden – vor allem, weil sie gelegentlich Schafe und Ziegen töteten.

Heute leben glücklicherweise wieder einige Luchse bei uns. Sie sind etwa aus Osteuropa zugewandert oder wurden neu angesiedelt. Die meisten Menschen wissen davon aber nichts und werden sie auch nie zu Gesicht bekommen. Denn: Luchse sind wie Geheimagenten! Sie sehen mit ihren Luchsaugen mögliche Feinde wie uns Menschen bereits aus großer Entfernung – und verstecken sich rechtzeitig und lautlos im Dickicht, bevor sie gesehen werden. Was bleibt, sind meist nur ihre Spuren.

Sie selbst sind sehr unauffällig und nur schwer aufzuspüren. Denn sie haben nicht nur ein Fell wie ein Supertarnanzug, sondern leben auch heimlich, still und leise in dichten Wäldern. Glücklicherweise stehen sie heute unter Naturschutz und dürfen nicht mehr gejagt werden.

Luchse jagen bevorzugt Rehe. Aber auch Füchse, Marder und junge Wildschweine sowie junge Rothirsche können auf ihrem Speiseplan stehen.

Die Luchs-Familie

Es gibt vier Arten von Luchsen auf der Erde: Der größte ist der Eurasische Luchs, der in Ost- und Zentralasien und nur noch sehr selten in Europa vorkommt. Der kleinste ist der Rotluchs, der in den Wäldern und Halbwüsten Nordamerikas und Mexikos lebt und auch Bobcat genannt wird.

Der mit den besonders großen Pfoten, mit denen er gut über den Schnee laufen kann, ist der Kanadaluchs in Alaska und Kanada. Der am meisten bedrohte ist der Iberische oder Pardelluchs, der nur noch vereinzelt in Portugal und Spanien lebt. Mehr über ihn liest du hier.

Luchse sind Einzelgänger. Nur in der Paarungszeit von Februar bis April suchen Luchsmännchen und -weibchen die Nähe zueinander.

Nach einer Tragzeit von etwa 70 Tagen bringt die Mutter in einer Höhle ein bis vier Jungtiere  zur Welt. Die Luchsjungen wiegen nur 250 bis 300 Gramm und sind die ersten 12 bis 16 Tage blind. Nach einem knappen Jahr müssen die Jungen sich ein eigenes Revier suchen, denn dann ist wieder Paarungszeit.

Der Luchs kehrt zurück

Vor mehr als 20 Jahren wanderten einige Luchse aus Tschechien wieder zurück in den Bayerischen Wald und aus Frankreich kamen Luchse in den Schwarzwald. Im Harz und im Nationalpark Hainich wurden in Gefangenschaft gezüchtete Tiere wieder angesiedelt. Auch im Pfälzerwald leben jetzt wieder Luchse. Die erste Auswilderung war im Sommer 2016. Mehr dazu kannst hier nachlesen.

Überall dort können sie sich seitdem vermehren, weil sie heute, anders als früher, streng geschützt sind. Das finden Luchsexperten vom WWF sehr gut. Nicht nur, weil Luchse tolle Tiere sind. Sondern weil Luchse als große Fleischfresser dafür sorgen, dass es nicht zu viele Rehe gibt, die zu viele Jungbäume im Wald abfressen. „Natürliches Gleichgewicht“ nennen das die Naturschützer.

Allerdings sind die einzelnen Luchsgruppen bei uns sehr klein. Umso wichtiger ist es deshalb, dass man die Vorkommen genau beobachtet, um im Notfall rasch reagieren zu können. Der WWF unterstützt deshalb im Nationalpark Bayerischer Wald die Überwachung und Erforschung der Tiere – durch Fotofallen und Sendehalsbänder, das den Tieren nach Betäubung angelegt wird.

Steckbrief Luchs

Luchse haben vier besondere Merkmale: Sie haben Pinselohren, denn sie tragen bis zu 4 Zentimeter lange schwarze Haarbüschel auf den Ohrenspitzen, die ihnen vermutlich wie Antennen helfen, Geräusche besser zu orten. Luchse hören eine Maus auf 65 Meter und ein Reh auf 500 Meter Entfernung! 

Einen dicken Backenbart, der ein bisschen an eine verrutschte Löwenmähne erinnert. Auch er hilft, möglichst viele Schallwellen zu hören.

Außerdem haben sie einen etwa 10 bis 20 Zentimeter kurzen Schwanz mit einem schwarzen Ende.

Die hinteren Beine der Luchse sind etwas länger als die vorderen und daher fürs Sprinten und Springen super geeignet. Sie helfen auch, zusammen mit den großen Pfoten, fürs Fortkommen im tiefen Schnee.

Pfoten: Luchse ziehen beim Laufen ihre Krallen ein. So bleiben sie zum Beutereißen messerscharf. In den Fußabdrücken des Luchses (bis zu zehn Zentimeter groß) sieht man deshalb keine Krallenabdrücke.

Größe: Die kleinste Luchsart, der Rotluchs, misst vom Kopf bis zur Schwanzspitze nur 0,65 bis 1,05 Meter und ist damit etwas größer als eine ausgewachsene Hauskatze. Der Eurasische Luchs ist dagegen bis zu 1,20 Meter lang, bis zu 70 Zentimeter hoch und bis zu 25 Kilogramm schwer.

Alter: Luchse werden in freier Wildbahn etwa bis zu 17 Jahre alt.

Bestand: Etwa 70.000 Tiere weltweit, davon bis zurund 10.000 Tiere in Europa. In Deutschland leben schätzungsweise 80 bis 120 Luchse.

Im Video unten siehst du, wie der WWF Österreich einen Luchs in die Wildnis entlässt.

Was der WWF tut

Der WWF engagiert sich europaweit für den Schutz der Luchse. Er unterstützt Wiederansiedlungsprojekte und Projekte zur Aufklärung der Bevölkerung. Schließlich ist es wichtig, dass alle ihren neuen Nachbarn kennenlernen, damit sie wissen, wie man mit der wilden Katze leben und sie schützen kann. Dazu gehört auch den Einsatz von Luchs-Fachleuten in Schulklassen und Kitas.

Auch für den Schutz von Nutztierherden setzt sich der WWF ein, sodass der Luchs für Bauern und Tierhalter nicht zum Problemtier wird.

 

Wusstest du, dass es zu den Luchsen eine ganze YOUNG PANDA-Aktuell-Ausgabe gibt? Hier kannst du in die ersten drei Seiten reinschnuppern: YOUNG PANDA-Aktuell 4/16.

Du möchtest den Luchsen helfen? Kein Problem! Gemeinsam mit dem WWF und YOUNG PANDA kannst du dich für ihren Schutz einsetzen. Wie das geht, kannst du hier lesen: Jetzt helfen!