Ausgewilderte Luchse im Pfälzerwald:

Die ersten Jungtiere sind da

Die letztes Jahr freigelassene Luchsin Kaja hat zwei Luchsjunge auf die Welt gebracht. Dass es gleich im ersten Jahr nach der Freilassung zu Nachwuchs kam, ist eine kleine Sensation.

Über 100 Jahre lang waren sie in weiten Teilen Mitteleuropas ausgerottet. Heute leben wieder Luchse in den europäischen Wäldern. Dies haben wir vor allem dem Einsatz von Natur- und Artenschützern zu verdanken. Auch in Deutschland wurden Luchse wieder erfolgreich angesiedelt: im Bayerischen Wald, im Harz und 2016 auch im Pfälzerwald, Deutschlands größtem Waldgebiet.

Im Juli 2016 wurden die ersten drei Luchse im Pfälzerwald zwischen Kaiserslautern und Neustadt in die Freiheit entlassen. Luna, Kaja und Lucky, zwei Weibchen und ein Männchen, stammen aus der Slowakei, wo sie als Luchswaisen ohne Mutter aufgegriffen und in einem Gehege wieder aufgepäppelt wurden.

 

Luchse kommen nicht allein zurück in ihre alte Heimat. „Anders als der Wolf, der sich weit entfernte Lebensräume selbst erschließt, hat es der Luchs schwer, von allein bei uns Fuß zu fassen“, erklärt Moritz Klose, Wildtierreferent beim WWF. „Luchse gründen in der Regel nur dort eigene Reviere, wo bereits andere Artgenossen vorkommen. Deshalb müssen wir nachhelfen.“

Luna, Kaja und Lucky wurden als Luchswaisen ohne Mutter aufgegriffen und in einem Gehege wieder aufgepäppelt. Jedes der ausgesetzten Tiere trägt ein besendertes Halsband, um ihre Aufenthaltsorte verfolgen zu können und genaueres über ihre Lebensweise zu erfahren. Auch viele Fotofallen wurden an Bäumen aufgehängt – vor allem um zu sehen, ob es den Tieren gut geht und wo sie sich aufhalten. Denn Luchse sind sehr scheu und nur ganz selten zu beobachten

Im März und April 2017 wurden vier weitere Luchse im Pfälzerwald ausgewildert: Die beiden Männchen Arcos und Cyril sowie die Weibchen Rosa und Bell. Cyril stammte ebenfalls aus der Slowakei, die anderen drei Tiere aus der Schweiz. Weitere 13 Luchse aus beiden Ländern sollen in den nächsten Jahren folgen.

Die Babys werden untersucht

Im Mai 2017 dann die Sensation: Luchsin Kaja brachte zwei Luchskinder zur Welt (Bild ganz oben). Der Vater war offenkundig Lucky, der mit ihr zuerst ausgewildert wurde.

Rund vier Wochen später gab es dann die erste Gelegenheit, die Jungtiere zu untersuchen, denn Mutter Kaja zog los, um einen anderen Lagerplatz zu finden. Das tun Luchse wiederholt in der Aufzuchtzeit, um keine Fressfeinde anzulocken und Parasiten abzuschütteln.

Zeit genug für Projektmitarbeiter und Tierarzt. Der stellte fest, dass die Jungen gesund und ausreichend groß und schwer sind (ein und 1,3 Kilogramm). Die Babyluchse wurden mit einem Chip versehen, um sie später identifizieren zu können. Außerdem wurde ihnen etwas Blut entnommen, um ihren genetischen Fingerabdruck zu erhalten und ihr Geschlecht zu bestimmen. Ergebnis: es sind zwei Männchen. Nach Vorschlägen aus der Bevölkerung heißen sie jetzt Filou und Palu.

Die beiden Luchskinder sind im Pfälzerwald die ersten in Freiheit geborenen Luchse seit mehr als einhundert Jahren. Jetzt heißt es Daumen drücken, denn nur ein Viertel aller Jungluchse wird auch erwachsen. Füchse und Krankheiten können ihnen gefährlich werden – und vor allem Autos.

Mehr über Auswilderung

© R. Guenther/WWF: Fotofalle

Bei den meisten ausgewilderten Luchsen handelt es sich um Wildfänge aus der Schweiz und der
Slowakei. Manchmal werden auch gezüchtete Tiere aus europäischen Wildparks freigelassen.

Da die Luchse das Jagen im Blut haben, müssen sie nach ihrer Freilassung in die Wildnis nicht erst
neu lernen, wie sie ihre Beute fangen und erlegen. Trotzdem gibt es für die Tiere aus Wildparks eine
kleine Probezeit bevor sie ganz auf sich allein gestellt sind.

In einem Auswilderungsgehege lernen die Katzen, sich in der Wildnis zurechtzufinden. Die Wildfänge benötigen kein Auswilderungsgehege und können nach dem Transport und einem kurzen Check direkt freigelassen werden. Vor der Freilassung werden alle Luchse mit einem Sender versehen. Außerdem werden in dem Wald, wo sie ausgewildert werden, Fotofallen aufgehängt. So kann im ersten Jahr (nur so lange halten die Sender) überprüft werden, wo sich die Luchse aufhalten, wo sie jagen und ob sie sich fortpflanzen. Das ist natürlich das oberste Ziel der Projekte, denn schließlich möchte man, dass sich die Luchse vermehren.

Das Wiederansiedlungsprojekt wird von der Stiftung Natur und Umwelt Rheinland-Pfalz geleitet und von zahlreichen Partnern wie dem WWF finanziert. Die Naturschützer hoffen nun, dass diese Luchse sich gut vermehren und damit wieder zu einem festen Teil der Natur im Pfälzerwald werden.

Und keine Angst, wenn du du wirklich mal einen Luchs treffen solltest. WWF-Luchsexperte Moritz Klose sagt, von Luchsen geht keine Gefahr für uns Menschen aus. Es sind keine Fälle bekannt, in denen Luchse Menschen angegriffen oder sogar verletzt hätten.

Mehr über Luchse erfährst du in unseren Arbeitsblättern für Referate.