Muscheln

Wasserpolizei mit großer Klappe

Ob salzig, süß oder gemischt: Muscheln haben sich während der rund 500 Millionen Jahre ihrer Entwicklung perfekt an alle Wasser-Lebensräume angepasst. Verblüffend: Sie zeigen überall an, ob das Wasser sauber ist.

Muscheln schreckt weder arktische Eiseskälte noch tropische Wärme. Es gibt rund 7.500 Muschelarten – von 20 Millimeter-Zwergen bis 1,40 Meter große Riesen! Sie leben meist im flachen Wasser. Bei uns im Wattenmeer leben sieben Arten, in unseren Bächen und Flüssen noch 24 Arten, darunter die seltene Flussperlmuschel.

Die harten Schalen, die du vor allem am Meeresstrand findest, sind nur leere Gehäuse verstorbener Muscheln. Die weichen Muscheltiere stecken in zwei fest verbundenen, flachen Schalenklappen: Sie ähneln etwas den Schnecken, haben allerdings keinen Kopf!

Es gibt Männchen und Weibchen. Manche Muscheln  können auch mal – schwupps – das Geschlecht wechseln, wenn es mal zu wenig Weibchen oder Männchen gibt.

Erwachsene Muscheln scheinen fast immer regungslos festzusitzen – auf Felsen, Steinen, in Sand oder Schlick. Aber grabe mal eine aus dem Schlick aus und lege sie auf den Boden. Nach wenigen Minuten fährt die Muschel einen fleischigen Fuß aus, mit dem sie ihr Schalengehäuse aufrichtet und sogar hinter sich herzieht. Mit einem Mal taucht der Fuß mit einem „flupp“ zurück in den Schlick – und mit ihm die Schalen.

Spiderman im Wattenmeer

Mit dem Fuß gräbt sich die Muschel durch den Schlick. Manche bis in 20 Zentimeter Tiefe. Die Miesmuschel (im Bild oben) kann mit ihrem Fuß sogar wie Spiderman klebrige Fäden erzeugen, mit denen sie sich am Untergrund festheftet (mehr dazu weiter unten).

Atmen können die Muscheln unter Wasser mit ihren Kiemen, ähnlich wie Fische. Sie sind auch Weltmeister im Luftanhalten: Herzmuschel und Sandklaffmuschel können tief im Schlick bis zu zehn Tage ohne Sauerstoff aushalten.

Andere wie die Riesenmuschel (Bild unten) leben im Korallenriff. Achtung: Niemals Hand oder Fuß reinstecken, die bis zu 400 Kilogramm schwere Riesenmuschel kann ziemlich rasch ihre Klappen schließen.

Staubsauger unter Wasser

Was aber treiben Muscheln tief im Schlick? Fressen natürlich. Mit den Saugröhren, mit denen sie atmen, können sie auch kleinste Planktontiere aus dem Wasser fischen.

Pfeffermuschel und Plattmuschel saugen mit sehr dehnbaren Rohren den Schlickbrei ihrer Watt-Umgebung wie ein Staubsauger auf und können ihn noch vor der Mundöffnung in „Essen“ und „Nichtessen“ aufteilen – und Ungenießbares als Schlickteilchen wieder ausspucken, das sich dann am Boden ablagert.

Dabei reinigen sie das Wasser. Der Miesmuschel-Filterrekord liegt bei fünf Litern Wasser die Stunde, der Auster-Filterrekord bei 25 Litern. Zum Vergleich: Eine Auster wiegt höchstens 80 Gramm. Wenn du 40 Kilogramm wiegst, dann müsstest du alle 60 Minuten 12.500 Liter Wasser trinken, um die gleiche Leistung zu schaffen!!!

Wenn das Wasser stark verschmutzt ist, dann schließen Muscheln für länger ihre Klappen. Deshalb nutzen Forscher sie als eine Art natürliche Schmutzanzeiger. Muscheln sind deshalb eine ideale Wasserschutzpolizei!

Wenn die Wasserverschmutzung aber länger dauert, sterben Muscheln ab. Schlimm: Denn dann wird das Gewässer mit einem Schlag noch dreckiger, weil plötzlich Millionen Wasserfilter fehlen. Das ist dann wie in deinem Hallenschwimmbad, wenn die Reinigungspumpen nicht mehr funktionieren: Das Wasser fängt bald an zu stinken.

Klappen und Knacken

Im Bild oben siehst du in blau die Augen der Kleinen Pilgermuschel bei geöffneten Klappen.

Die meisten Muschelarten können bei Gefahr in ihrer Schale völlig verschwinden und abtauchen. Sie schließen ihr Gehäuse mit ein oder zwei Schließmuskeln.

Ihre Klappen öffnen sie durch ein elastisches, kaugummiartiges Band (Ligament). Es hält wie ein Buchrücken beide Schalen zusammen. Manche Muscheln bewegen sich dadurch übrigens auch fort, das kannst du weiter unten sehen: Ganz schön clever!

Natürlich gibt es auch Tiere, die harte Muschelschalen knacken können: Hauptfeinde der Muscheln sind Seesterne, Krebse, Vögel sowie im Pazifischen Ozean der Seeotter.

Das Perlenwunder

Eine Perle ist im Kern ein Fremdkörper, meist ein Sandkorn, das die Muschel geschluckt hat, aber nicht mehr ausstoßen kann. Um sich vor ihm zu schützen, bildet sie um ihn herum aus „Muschelspucke“ langsam dünne Schichten aus Kalk und anderen Stoffen. So entstehen wunderschön matt schimmernde Perlen.

Es braucht etwa zehn Jahre, bis eine erbsengroße Perle entstanden ist. Und es geschieht in der Natur äußerst selten. Deshalb gibt es heute Perlenzuchtanlagen an fast allen Küsten der Weltmeere. Dort wird Millionen Muscheln gezielt ein Sandkorn in den Schlund geschmuggelt.

Die größte Perle, die je in einer Riesenmuschel gefunden wurde, war 15 Zentimeter im Durchmesser und sieben Kilogramm schwer.

Das Foto oben ist echt: Ja, die Kleine Pilgermuschel kann frei umher schwimmen, das tut sie sogar recht häufig, um einen besseren Futterplatz zu finden. Sie frisst Plankton und lebt in der Nordsee und Ostsee genauso wie im Mittelmeer.

Die Herzmuschel ist wohl die häufigste Muschel des Wattenmeeres. Sie wird drei Zentimeter groß und steckt Zentimeter tief im Schlick. Herzförmig mit welliger Schalenstruktur, weiß, beige, hellbraun, gelb. Sie filtert 2,5 Liter Wasser pro Stunde. Kann sich mit ihrem Grabfuß ganz schnell eingraben, wenn Gefahr droht. Sie wird bis zu acht Jahre alt, wenn sie nicht früher von Vögeln verzehrt wird.

Die Miesmuschel ist gar nicht mies

Die Miesmuschel (im Bild oben) ist ebenfalls eine Salzwassermuschel. Sie ist blauschwarz und wird bis zu acht Zentimetern groß. Bei drei Zentimetern Größe filtert sie stündlich bis zu einem Liter Wasser.

„Mies“ kommt von mittelhochdeutsch und bedeutet „Moos“. Weil die Miesmuschel sich nämlich nicht eingräbt, sondern auf Felsen, Meeresboden, Hafenmolen siedelt. Mit ihren braunen Klebefäden (die manchmal aussehen wie braunes Moos) hält sie sich fest, damit sie bei Flut nicht weggeschwemmt wird.

Miesmuscheln produzieren jedes Frühjahr fünf bis zwölf Millionen Eier. Ihre Larven schwimmen gut einen Monat durchs Wasser, bis sie sich ein festes Zuhause auf der Muschelbank suchen. Im Wattenmeer wachsen Miesmuscheln in Bänken dicht an dicht mit mehreren tausend Muscheln pro Quadratmeter.

Nicht nur bei Seevögeln, auch bei vielen Menschen sind sie als Leckerbissen sehr beliebt. So sehr, dass die Bestände im Wattenmeer heute stark geschädigt sind. Der WWF kämpft deshalb dafür, dass im Kern des Nationalparks gar keine Miesmuscheln mehr abgefischt werden.

Muscheln schützen

Ganz wichtig ist es, den Lebensraum der Muscheln zu erhalten: Sandige, flache Bachufer und im Meer das natürliche Watt. Und natürlich darf das Wasser nur wenig verschmutzt sein. Für beides setzt sich der WWF seit langem ein. Mit Erfolg, denn Deutschlands Flüsse sind wieder viel muschelreicher geworden. Und im Wattenmeer sorgte der WWF mit dafür, dass dort große Nationalparks eingerichtet wurden, wo die Herzmuschelfischerei eingestellt und die Miesmuschelfischerei begrenzt wurde.

Du möchtest den Muscheln helfen? Kein Problem! Gemeinsam mit dem WWF und YOUNG PANDA kannst du dich für ihren Schutz einsetzen. Wie das geht, kannst du hier lesen: Jetzt helfen!