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Orang-Utans

Scheue Schlauberger

Die Menschenaffen mit dem orangebraunen Fell, den freundlichen Augen und der wilden Frisur leben im südostasiatischen Regenwald. Genauer: nur noch auf den Inseln Sumatra und Borneo. Leider sind sie dort stark gefährdet und vom Aussterben bedroht!

Tierpfleger erzählen sich einen tollen Witz: Was macht ein Menschenaffe mit einem Schraubenzieher? Ein Gorilla würde ihn ganz praktisch benutzen – zum Beispiel, um sich am Rücken zu kratzen. Ein Schimpanse würde damit Quatsch machen und ihn einem Artgenossen nachwerfen. Ein Orang-Utan jedoch würde erst so tun, als würde er sich null dafür interessieren und warten, bis der Pfleger verschwunden ist, um dann damit den Käfig zu öffnen. Du siehst: Orang-Utans sind wirklich sehr intelligente Geschöpfe!

 

Orang-Utans gehören wie Gorillas, Bonobos und Schimpansen zu den Großen Menschenaffen. Man kann sie aber ganz deutlich von den anderen Affen unterscheiden: Sie haben ein braunrotes Fell, sehr lange Arme und die Männchen besonders dicke Backen.

Man unterscheidet zwei Orang-Utan-Arten: den Borneo-Orang-Utan auf der Insel Borneo in Südostasien, von dem es vermutlich noch 50.000 Tiere gibt, und den Sumatra-Orang-Utan auf der Insel Sumatra, von dem höchstens noch 6.600 Tiere leben. Vor 15 Jahren lebten auf beiden Inseln noch dreimal so viele Orang-Utans.

Sie schlafen in den Baumwipfeln

Im Malaiischen bedeutet Orang-Utan „Waldmensch“. Das kommt wohl daher, dass diese Affen den größten Teil ihres Lebens auf den Bäumen des Regenwaldes verbringen. Hier bauen sie sich jeden Tag aus Zweigen und Blättern ein neues Nest für die Nacht. Mit ihren langen Armen schwingen sie sich von Ast zu Ast. Auf den Boden kommen sie lediglich, um von einem Baum zum nächsten zu gelangen. Allerdings nur, wenn keine Menschen in der Nähe sind, denn sie sind sehr scheu.

Auch wenn Orang-Utans zum Beispiel zu ihren Fruchtbäumen wandern, bleiben sie meist auf den Bäumen. Dann nutzen sie geschickt ihr Gewicht: Sie hängen sich an einen Ast der Baumkrone, bis dieser sich tief zum nächsten Baum herunterbeugt. Dann steigen sie ganz gemächlich um. Wälder sind deshalb sehr wichtig für Orang-Utans.

Die Waldmenschen sind superfleißig: Fast jeden Abend bauen sie sich ein neues Nest aus Blättern und Zweigen. Damit das Baumkronenbett auch richtig federt, legen sie sich auf nach unten gebogene Zweige! Da kann man sich gemütlich zusammenrollen und einschlafen.

Allesesser mit Grips

Orang-Utans haben ebenfalls wie wir Menschen ein großes Gehirn, eine aufrechte Haltung, Daumen, Zehen und keinen Schwanz. Die bis zu 1,40 Meter großen Menschenaffen fressen am liebsten Früchte wie Feigen oder Durians – das sind große, grüne, stachelige Früchte, die nur in Südostasien wachsen. Gelegentlich vernaschen Orang-Utans aber auch junge Flughörnchen, Blätter, Insekten und Vogeleier. 

Für den Regenwald sind die Orang-Utans superwichtig, denn durch ihre Häufchen verbreiten sie auf ihren Wanderungen Samen, aus denen neue Pflanzen entstehen.

Bei Intelligenztests schneiden die Rothaarigen genauso gut ab wie Gorillas und Schimpansen. Orang-Utans haben einen klasse Orientierungssinn und ein prima Gedächtnis. So merken sie sich zum Beispiel genau, wann auf welchem ihrer Regenwaldbäume welche Früchte reif werden!

Orang-Utans benutzen außerdem Werkzeuge, um sich das Leben einfacher zu machen. So verwenden sie Blätter als Regen- oder Sonnenschirme, Trinkschalen oder Servietten. Sie klatschen mit ihnen nach Insekten oder kratzen sich mit Blättern den Rücken. Oder spielen Blättertrompete!

Orang-Utan-Mütter kümmern sich ähnlich liebevoll um ihren Nachwuchs wie Menschenmamas und behüten ihre Kinder bis zu sieben Jahre lang. Die Männchen sind aber meistens Einzelgänger. Mit Stöcken vertreiben sie gerne nervende andere Männchen!

Nachgeäfft

Eine besonders schlaue Orang-Utan-Familie auf Borneo hat sogar rudern gelernt. Ein Fernsehteam des ZDF hat sie in einem Film gezeigt. Affenkind und Affenmutter setzen sich in ein altes Fischerboot. Dann rudert die Mutter mit ihren Händen das Boot zur anderen Flussseite. Völlig sicher, weil krokodilfrei!
Das Tollste: Sie haben sich das Rudern einfach bei Menschen abgeschaut. Niemand hat es ihnen beigebracht. Superschlau nachgeäfft!

Der Mensch ist ihr größter Feind

Leider zerstören Menschen den Lebensraum der Orang-Utans. Sie fällen die Bäume des Regenwaldes wegen des Holzes oder um danach Landwirtschaft zu betreiben oder Palmölplantagen anzupflanzen. Aus den Früchten der Ölpalmen wird Öl gewonnen, das Bestandteil vieler Dinge unseres täglichen Lebens wie Margarine, Fett, Schokolade, Waschmittel und Kosmetika ist. Außerdem müssen viele dieser Tiere sterben, weil manche Menschen junge Orang-Utans als Haustiere halten wollen. Oft töten Wilderer diese Affen auch, um ihr Fleisch zu verkaufen. 

In den vergangenen 60 Jahren ist die Zahl der Orang-Utans allein auf Borneo von mehr als 100.000 auf knapp 50.000 Tiere zurückgegangen. Auf der Insel Sumatra leben heute noch etwa 6.600 Orang-Utans, vor hundert Jahren waren es dort noch 85.000 Tiere.

Was tut der WWF?

Der WWF will die letzten Orang-Utans retten – mit einer ganzen Reihe von Schutzprojekten. Ganz besonders wichtig sind diese Ziele: Die Regenwälder als Lebensraum für die Orang-Utans zu erhalten, den unerlaubten Handel mit ihnen zu verhindern und die Jagd auf sie zu stoppen.

Deshalb bekämpft der WWF das unerlaubte Roden von Urwäldern. Er will die bestehenden Nationalparks auf Borneo und Sumatra ausdehnen und die Schutzgebiete durch Waldkorridore verbinden. So können isoliert lebende Orang-Utans sich wieder mit Artgenossen aus anderen Gebieten treffen und vermehren.

Aufgeforstet wird auch mit Bäumen, die Früchte tragen, welche die Orang-Utans gerne fressen. Außerdem baut der WWF im Nationalpark Sebangau Dämme, damit der Torfmoorwald, Heimat vieler Orang.-Utans, nicht mehr austrocknet, sondern erhalten bleibt.

In den Nationalparks setzt sich der WWF auch für mehr Wildhüter ein, um die Jagd auf die Orang-Utans und den Handel mit den Menschenaffen zu stoppen. Und die Täter vor Gericht zu bringen! Ebenso wichtig: Kinder und Erwachsene über die Bedeutung der Orang-Utans aufzuklären.

Sensation: Eine neue Orang-Utan-Art wurde entdeckt. Mehr darüber liest du hier.

Eine schöne Geschichte über ein Orang-Utan-Kind findest du hier.

Du möchtest den Orang-Utans helfen? Kein Problem! Gemeinsam mit dem WWF und YOUNG PANDA kannst du dich für ihren Schutz einsetzen. Wie das geht, kannst du hier lesen: Jetzt helfen!