Der Regenwurm

Der Superheld aus der Unterwelt

Ein Regenwurm ist glitschig, hat keine Augen, kann nichts hören und lebt meist gut im Boden versteckt. Doch der unscheinbare Wurm ist enorm wichtig für uns, denn er macht unseren Boden fruchtbar. Ohne ihn hätten wir kaum genügend Brot, Obst  oder Gemüse.

Und der Regenwurm ist sehr stark, stärker als ein Löwe oder Elefant. Im Verhältnis zu seiner Körpergröße natürlich. Wenn der Regenwurm seine Tunnel durch die Erde gräbt, kann er schwere Erdklumpen wegstemmen, die bis zu 60-mal schwerer sind als er selbst. Stell dir mal vor, du könntest 60-mal so viel stemmen, wie du wiegst. Dann würdest du glatt ein großes Auto in die Luft heben!

Der Regenwurm vollbringt aber noch mehr Unvorstellbares. Er verputzt innerhalb von 24 Stunden fast so viel Nahrung, wie er wiegt. Was er dann als Häufchen ausscheidet, ist allerbeste fruchtbare Erde!

Wie kriegt das ein Tier hin, das eigentlich nur eine Art wabbeliger Verdauungsschlauch ist? Wir graben uns mal tief in die Erde und schauen uns die Regenwürmer genauer an.

Was für Regenwürmer gibt es?

Wer genauer hinguckt, stellt fest: Regenwürmer sind ganz schön verschieden. Allein in Deutschland leben 46 Arten, weltweit sogar rund 7.000. Die meisten sind höchstens 30 Zentimeter lang. Aber in Australien lebt eine Wurmart, die wird bis zu 1,50 Meter lang. Und in den Tropen gibt es Wurmriesen, die so dick wie ein Staubsaugerschlauch werden können!

Solche Gigantenwürmer gibt es bei uns natürlich nicht. Dafür aber immerhin einen Riesen: den Badischen Riesenregenwurm (im Bild oben). Er ist Deutschlands größer Regenwurm. Im ausgestreckten Zustand wird er bis zu 60 Zentimeter lang und lebt nur im Hochschwarzwald in der Feldberg-Region. Dort gibt es sogar einen Riesenwurm-Erlebnispfad. In seinen bis zu 2,50 Meter tiefen Wohnröhren kann er auch strenge Winter überleben. Deshalb wird er bis zu 20 Jahre alt!

Der häufigste Regenwurm bei uns ist der Tauwurm. Er ist 10 bis 30 Zentimeter lang und du erkennst ihn an seinem rötlich gefärbten Vorderende und seinem blassen Hinterteil. Der Tauwurm lebt in Feldern, aber auch in Parks und Gärten. Er wühlt unermüdlich durch den Boden und gräbt bis zu drei Meter tiefe Gänge.

Nicht immer sind unsere Regenwürmer rötlichbraun. Türkis-grün ist zum Beispiel Aporectodea smaragdina, ein seltener Alpenbewohner. Andere Regenwürmer sind gelb, blau-grün, violett und grauweiß. Einige Arten sind sogar fast durchsichtig.

Aus Abfall machen sie Supererde

© Thinkstock

Auch häufig ist der Kompostwurm, mit 4 bis 14 Zentimetern Länge etwas kleiner als der Tauwurm. Er ist rot und hat hell-gelbliche Ringe. Er kommt fast nur in Komposthaufen vor. Er verwandelt Küchenabfälle in fruchtbare Erde.

Genau das machen alle Regenwürmer mit den abgestorbenen Teilen von Pflanzen. Sie graben und fressen praktisch ohne Unterbrechung. Sie verputzen vor allem Blätter, abgestorbene Pflanzenreste und Mikroorganismen.

Meist nachts zieht der Regenwurm Blätter in seine Wohnröhre und klebt sie mit seinem Schleim fest. Aber bevor der zahnlose Wurm sie fressen kann, müssen Pilze und Bakterien die Pflanzenteile mundgerecht für ihn zerkleinern. Dafür zieht der Regenwurm auch ganze Blätter und Gräser in seine Röhren.

Verspeist der Wurm das zersetzte Blatt, dann schluckt er zugleich auch Erde mit. In seinem Darm wird das Ganze dann mit Pilzen und Bakterien vermischt. Die Häufchen der Regenwürmer sind dann besonders gute Erde.

Warum? Ganz einfach: Sie enthalten mehr Nährstoffe als normale Gartenerde – 2-mal mehr Kalk, bis zu 6-mal mehr Magnesium oder 7-mal mehr Phosphor. Jeder Bauer und Gärtner freut sich deshalb, so viele Regenwürmer wie möglich im Boden zu haben.

Regenwürmer können aber noch mehr als alte Blätter in frische Erde umwandeln. Denn sie graben dabei den Boden um, durchmischen und durchlüften ihn. Das macht den Boden auch schön locker für Pflanzenwurzeln und andere Bodentiere.

Wie schafft der Regenwurm das alles?

Stell dir einen biegsamen Schlauch mit Wasser vor – einen, den du auch zusammen- und auseinanderziehen kannst. Genau das machen die Ring- und Längsmuskeln des Regenwurms. Zieht er die Längsmuskeln zusammen, wird er kurz und dick. Durch das ständige Zusammen- und Auseinanderziehen kann er sich ohne Beine vorwärts bewegen. Damit er als glitschiger Typ bergauf nicht zurückrutscht, hat er Borstenpaare an der Unterseite seines Körpers, die er wie kleine Wanderstöcke in die Erde stecken kann.

Weil er sehr stark ist, kann ein Regenwurm bis zu 20 Meter lange Gänge graben, die sogar bis zu 7 Meter in die Tiefe reichen können.

Krümel mit Kleber

Wenn du in einer Wiese einen Kubikmeter Boden ausgraben würdest (das ist ein Stück Boden von einem Meter Länge, einem Meter Breite und einem Meter Tiefe), fändest du darin enorm viele Regenwurmgänge. Könntest du sie aneinanderlegen, wären sie insgesamt bis zu einen Kilometer lang. Du siehst: So durchlöchert ist ein gesunder Boden!

Bei all diesem Fressen und Graben produziert jeder Regenwurm jede Menge wertvolle Bodenkrümel – insgesamt jedes Jahr 200-mal so viel wie er wiegt. Alles bester Dünger für den Acker.

Die Krümel scheidet der Regenwurm mit einem klebrigen Schleim aus. Der enthält viele Nährstoffe, auf die sich sofort Pilze draufstürzen, ihn durchwachsen und festigen. Auch Pflanzenwurzeln wachsen darin besonders gut.

Wie wählerisch Würmer sind, wie Amseln sie austricksen und wie der Mensch sie bedroht, erfährst du hier.

Du möchtest den Regenwürmern helfen? Kein Problem! Gemeinsam mit dem WWF und YOUNG PANDA kannst du dich für ihren Schutz einsetzen. Wie das geht, kannst du hier lesen: Jetzt helfen!