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Schildkröten

Überlebende der Urzeit

Etwa 220 Schildkrötenarten gibt es auf der Erde. Die meisten von ihnen leben im Süßwasser – also in Seen, Tümpeln, Bächen und Flüssen. Sieben Arten leben im Meer, rund 50 Arten nur an Land.

Was sagt eine Schnecke, wenn sie auf einer Schildkröte sitzt? „Wow, rast die los!“ Kein Wunder, denn das gepanzerte Urzeittier ist mehr als zehnmal so schnell wie eine Schnecke! In einer Stunde kann eine Schildkröte an Land immerhin bis zu 350 Meter weit laufen – also fast über ein Fußballfeld von Tor zu Tor. 

Schildkröten haben Zeit

Schildkröten müssen gar nicht so flitzen, denn sie haben alle Zeit der Welt. Erstens leben Schildkröten schon seit 225 Millionen Jahren auf der Erde – und damit rund 150-mal länger als wir Menschen. Zweitens haben sie sogar Dinosaurier und Eiszeiten überlebt, weil sie sich gut an ihre Umwelt anpassen können. Und drittens können Schildkröten über 175 Jahre alt werden – und damit viel älter als  Menschen.

Schildkröten wiegen je nach Art bis zu 500 Kilogramm, das ist so viel wie ein Kleinwagen!

Achtung: Kopf einziehen!

Schildkröten teilt man in zwei Gruppen ein: Die Halsberger-Schildkröten sind die größte Gruppe – dazu gehören zum Beispiel die Alligatorschildkröte, Sumpfschildkröte, Schmuckschildkröte und die Meeresschildkröten. Gruppe zwei bilden die Halswender-Schildkröten mit nur zwei Vertretern: den Schlangenhalsschildkröten und Pelomedusenschildkröten.

Halsberger? Halswender? Nein, das sind keine Schildkrötenforscher gewesen. Die Bezeichnungen verraten etwas über den Körperbau der Tiere: Die Halsberger-Schildkröten können nämlich ihren Kopf nicht nur ganz, sondern auch ganz gerade in den Panzer einziehen – ihre Halswirbelsäule lässt sich dazu s-förmig biegen. Die Halswirbelsäule der Halswender macht das nicht mit: Sie müssen ihren Kopf seitlich legen, um ihn ein Stück in den Panzer zu ziehen. 

Rechtzeitig verkriechen

Schildkröten sind wie alle Reptilien wechselwarme Tiere. Das heißt, dass ihre Körpertemperatur von der Temperatur ihrer Umgebung abhängt. Wo es ihnen zu kalt oder zu heiß wird, können sie sich kaum bewegen – etwa bei uns im Winter genauso wie im Sommer in der Wüste. Dort müssen sie sich deshalb rechtzeitig zur Winter- oder Sommerruhe verkriechen.  

Die Europäische Sumpfschildkröte bei uns in Deutschland zum Beispiel taucht von Anfang November bis Mitte März einfach ab: Sie vergräbt sich im Schlammboden ihres Sees oder am Ufer. Offenbar kann sie da unten ganz schwach über die Haut atmen – und zwar Sauerstoff aus dem Wasser. Ab fünf Grad plus taucht sie im Frühjahr wieder auf! Sie besitzen besondere Linsen, mit denen sie auch unter Wasser bestens sehen können.

Schildkröten schützen

Die Europäische Sumpfschildkröte ist unsere einzige einheimische Schildkrötenart. Diese Halsberger-Schildkröte gibt es hier schon seit 30 Millionen Jahren. Allerdings wurde sie im vorletzten Jahrhundert fast ausgerottet, weil sie gern gegessen wurde und viele Feuchtgebiete trocken gelegt wurden. Heute gibt es wieder mehr Sumpfschildkröten, denn Feuchtgebiete werden geschützt (gegessen werden sie schon lange nicht mehr). In der Uckermark passt der WWF besonders dort auf, wo die Tiere ihre Eier ablegen.

Mehr Schildkröten-Wissen

Ganz schön groß: Galapagos-Riesenschildkröten wie im Bild oben werden bis zu einen Meter lang und bis zu 300 Kilogramm schwer. Die größten heute lebenden sind die Lederschildkröten: Sie werden bis zu 2 Meter lang und 500 Kilogramm schwer.

Die kleinste ist vermutlich die knapp 10 Zentimeter kurze Gesägte Flachschildkröte.

Ganz schön alt: Schmuckschildkröten, die wir häufig als Haustiere haben, leben bis zu 40 Jahre. Meeresschildkröten werden über 75, die Europäische Sumpfschildkröte sogar bis zu 100 Jahre alt. Die Galapagos-Riesenschildkröte Harriett kam als erwachsenes Tier von 180 Kilogramm Gewicht in menschliche Obhut, landete im Australia Zoo in Queensland und wurde rund 175 Jahre alt.

Ganz schön gepanzert: Das Wichtigste der Schildkröten ist ihr Panzer. Zusammengehalten wird er durch eine Brücke, an der die Wirbelsäule der Schildkröte angewachsen ist.

Jede Schildkrötenart hat einen anderen Panzer – perfekt angepasst an ihren Lebensraum. Die Panzer einiger Arten haben Höcker und andere wie die Dosen- und Scharnierschildkröten richtige Scharniere, mit denen sie sich zuklappen können. Sehr nützlich, wenn's gefährlich wird.

Ganz schön gefräßig: Reine Landschildkröten wie die Galapagos-Riesenschildkröte im Bild oben bevorzugen Blätter, Stängel und Gräser. Viele Süßwasser-Arten sind auch Fleischfresser und verputzen Würmer, Insekten oder Schnecken. Geierschildkröte (im Bild unten) und Fransenschildkröte sind sogar Räuber, die mit ihrem großen Maul Fische verschlingen.

Meeresschildkröten ernähren sich je nach Art und Lebensphase von Plankton, Algen, Quallen, Korallenpolypen, Tintenfischen, Krebstieren und Krabben. Mehr über Meeresschildkröten liest du hier.

Schon gewusst? Die größte Schildkröte, die je gelebt hat, war Archelon ischyros – 3,5 Meter lang. Sie kroch zu Dinosaurier-Zeiten vor etwa 65 Millionen Jahren über die Erde.

Du möchtest den Schildkröten helfen? Kein Problem! Gemeinsam mit dem WWF und YOUNG PANDA kannst du dich für ihren Schutz einsetzen. Wie das geht, kannst du hier lesen: Jetzt helfen!