Der Schneeleopard:

Gipfelstürmer unter den Großkatzen

Fast nur Fels und Geröll, Eis und Schnee, dazu meist starke Winde und große Trockenheit – ganz schön ungemütlich, so ein Lebensraum. Doch genau das ist die Welt des Schnee- leoparden! Seine Jagd führt ihn hinauf bis auf Höhen von über 5.000 Metern. Denn er ist im Himalaja und in den Hochgebirgen Zentralasiens zu Hause.

Keine andere Großkatze kann in solchen Höhen überleben – Rekord! Der Schneeleopard ist für diesen extremen Lebensraum von Natur aus bestens ausgestattet. Sein Fell ist besonders dicht und wird am Bauch bis zu zwölf Zentimeter lang. Auch seine Fußsohlen sind behaart: Das hält die Pfoten warm und vergrößert zugleich die Oberfläche der Tatzen. So sinkt er beim Laufen über Schneefelder nicht so tief ein.

Die Nasen- und Stirnhöhlen des Schneeleoparden sind besonders groß. Vermutlich kann er darin die im Winter bis zu minus 40 Grad Celsius eisige Luft vorwärmen, bevor er sie in seine Lunge einatmet.


Der Schneeleopard ist eine eigene Art innerhalb der Gattung der Pantherkatzen, zu der auch Tiger, Löwe, Jaguar und der eigentliche Leopard gehören. Er heult laut und lang und lässt so manchen Hörer an das Fabelwesen Yeti denken.

Der beste Weitspringer

Kurze Vorderbeine, dicke Pranken und kräftige Brustmuskeln machen ihn zu einem geschickten und starken Kletterer. Der Schneeleopard gilt als der beste Weitspringer unter den Säugetieren: Mit einem bis zu 16 Metern weiten Satz kann er kleine Gletscherspalten locker überwinden. Sein langer, dicker Schwanz hilft ihm dabei, die Balance zu halten.

Das weiß-graue Fell mit dunklen Ringen tarnt ihn perfekt im felsigen, verschneiten Lebensraum. Schon auf eine Entfernung von nur 30 Metern verschwimmt er mit dem felsigen Hintergrund. Eine wichtige Voraussetzung fürs Überleben, denn der Schneeleopard ist ein Anschleichjäger und nähert sich seinen Beutetieren bis auf einen halben Meter, bevor er angreift.

Er jagt bevorzugt große Huftiere wie Blauschafe, Schraubenziegen, Sibirische Steinböcke, Riesenwildschafe und Mufflons, denen er oberhalb der Baum- und unterhalb der Schneegrenze nachstellt. Selbst wenn sie mitunter sechsmal so schwer sind wie der Schneeleopard selbst! Im Sommer stellt er auch kleinen Murmeltieren und Raufußhühnern nach.

Rückzug der Raubkatze

Viel mehr wissen wir noch nicht über den Schneeleoparden. Das liegt an seiner heimlichen Lebensweise und dem riesigen, schwer zugänglichen  Verbreitungsgebiet, das sich über zwölf Länder erstreckt. Die Zahl der Tiere können Experten deshalb nur grob schätzen: aktuell auf insgesamt 3.900 bis 6.400 Tiere. Die meisten Schneeleoparden leben vermutlich in China (2.000 bis 2.500 Tiere) und in der Mongolei (500  bis 1.000 Tiere).   

Was den Schneeleoparden bedroht

Überall jedoch, das wissen wir, ist der Schneeleopard in Gefahr. Sein Bestand ist in den letzten zwei Jahrzehnten Jahren im gesamten Verbreitungsgebiet um etwa ein Fünftel zurückgegangen. Der Schneeleopard wird daher als „stark gefährdet“ eingestuft. Und dafür gibt es gleich mehrere Gründe:

• Der Klimawandel: Wenn wir Menschen weiter das Weltklima mit unseren Treibhausgasen erwärmen, wird der Schneeleopard Lebensraum verlieren. Warum? Er lebt über der Baumgrenze. Wird es wärmer, verschiebt sich die Baumgrenze in den Bergen nach oben.

• Die Wilderei: Der kriminelle Handel mit Fell und Knochen des Schneeleoparden bedroht ihn ganz direkt. Auch die übermäßige Jagd auf seine Beutetiere wie das Argali-Wildschaf und den Sibirischen Steinbock setzt ihm stark zu. Denn oft fehlt ihm dann ausreichend Nahrung.

• Ärger mit Menschen: Mangelt es an Wildtieren und leben immer mehr Nutztiere in den Bergen, gibt es Ärger mit Menschen. Wie in der Mongolei: Das Land ist mehr als viermal so groß wie Deutschland, hat drei Millionen Einwohner und über 40 Millionen Nutztiere – Pferde, Rinder, Schafe, Ziegen und Trampeltiere. Im Herbst treiben die Besitzer ihre Herden in die Berge, um sie vor den Schneestürmen der Ebenen zu schützen. Dort sind die meisten Nutztiere dann leichte Beute für den Schneeleoparden.

Einige Hirten sehen in der Raubkatze einen Schädling, den es zu bekämpfen gilt, auch wenn dies verboten ist. Sie legen Fallen aus. Ein Schneeleopard, der mit der Pfote hineintappt, kann sich nicht mehr befreien und muss elend sterben. Der Ärger mit Menschen ist aktuell die Hauptbedrohung des Schneeleoparden in der Mongolei.

Junge Leopardenschützer helfen

Deshalb schützt der WWF die Tiere und unterstützt der WWF eine Reihe von Projekten, die mithelfen, dass Menschen und Schneeleoparden besser zusammenleben können. Dazu gehört die Besenderung der Großkatzen, um mehr über ihre Lebensweise zu erfahren – beispielsweise, wo genau sie umherstreifen. Im Gegenzug sagen die Herdenbesitzer zu, ihre Herden nicht mehr in bereits bekannten Schneeleopard-Revieren weiden zu lassen.

Auch Kinder und Jugendliche des Öko-Clubs „Saiga-Antilope“ sind aktiv geworden. Sie tauschen die Murmeltierfallen gegen Haushaltsartikel: Für eine Falle gibt es vier Eimer, für sechs Fallen eine begehrte Milchkanne. Der WWF bezahlte die tolle Aktion. So sammelten die jungen Leopardenschützer innerhalb eines Jahres schon 240 Fallen ein.

Wusstest du, dass es zum Schneeleoparden eine ganze YOUNG PANDA-Aktuell-Ausgabe gibt? Hier kannst du in die ersten drei Seiten reinschnuppern: YOUNG PANDA-Aktuell 12/16.

Oliver Samson / WWF

Auch du möchtest dem Schneeleoparden helfen? Kein Problem! Gemeinsam mit dem WWF und YOUNG PANDA kannst du dich für seinen Schutz einsetzen. Wie das geht, kannst du hier lesen: Jetzt helfen!