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Seepferdchen

Der Papa ist die Mama

Sie haben Augen wie Chamäleons, einen Panzer wie Insekten und einen Greifschwanz wie Affen. Und das ist längst nicht das Ungewöhnlichste an Seepferdchen, die eines ganz gewiss nicht sind: nämlich Pferde. Aber was dann? 

Seepferdchen gehören zur Familie der Pfeifenfische und dort in die Ordnung der Stichlingsartigen. Schwer zu glauben, denn auf den ersten Blick scheinen sie sich total von üblichen Fischen zu unterscheiden. Deswegen zählt man sie ja auch zur Familie der Seenadeln - das sind meist lange schlanke Fische, die eher wie im Wasser treibende Stöckchen aussehen.

Fische mit Extras

Sieht man bei den Seepferdchen genauer hin, entdeckt man wie bei „normalen“ Fischen Kiemen, Brustflossen und eine zierliche Rückenflosse. Zugegeben: Die Rückenflosse dient dazu, dass sie aufrecht stehend schwimmen. Und die Brustflossen sehen eigentlich aus wie Ohren. Aber sie sorgen dafür, dass die Meeresrösser schwimmen und gut steuern können. 

Auch der typische Fischschwanz fehlt ihnen. Dafür können sie sich mit ihrem Seepferdchen-Greifschwanz supergut an Seegräsern und Korallen festhalten, ja richtig verankern. So werden die Leichtgewichte nicht von der Strömung weggetrieben. 

Viele Seepferdchenarten bleiben ihr Leben lang an einem Ort – vielleicht weil sie nur langsam schwimmen können. Sie lassen sich auch lieber treiben. Die Tiere werden oft durch Stürme oder starke Strömungen an andere Orte verfrachtet – wie Passagiere auf unsichtbaren Förderbändern.

Seepferdchen fressen am liebsten Schwebgarnelen, Flohkrebse und so genannte Hüpferlinge, das sind kleine Ruderfußkrebse. Die saugen sie mit ihrer zahnlosen Trichterschnauze wie ein Staubsauger blitzschnell ein.

Im Meer zu Hause

Es gibt 33 Seepferdchenarten, alle sind Meeresbewohner. Am liebsten leben sie in Küstennähe,  in der geschützten Umgebung von Seegraswiesen, Korallenriffen oder Mangrovenwäldern in Wassertiefen von einem bis 15 Metern. Die meisten Arten gibt es in der indopazifischen Meeresregion Ostasiens.

Seepferdchen leben aber auch im Mittelmeer, Atlantik und Rotem Meer. Und sogar in der Nordsee!

Die kleinste Art, das Denise-Seepferdchen, wird gerade mal 13,5 Millimeter groß. Die größten Arten wie das Neuseeland-Topfbauchpferdchen sogar bis zu 35 Zentimeter!

Das Männchen trägt die Kinder aus

Nicht das Seepferdchenweibchen bringt den Nachwuchs zur Welt, sondern das Männchen. Das Weibchen pumpt die Eier in eine Brusttasche an der Bauchseite des Männchens. Dort werden sie vom Männchen besamt und dann ausgetragen. 

Das dauert je nach Art und Temperatur zehn Tage bis sechs Wochen. Danach kommen 100 bis 200 Kleine zur Welt, die nur ein paar Millimeter groß sind. Trotzdem schwimmen sie sofort davon, klammern sich irgendwo fest und schnappsaugen kräftig nach vorbeischwimmendem Fressen. Der Papa kümmert sich alleine um die gesamte Brutpflege. 

Mama besucht ihn aber jeden Tag. Scheint gut zu klappen, denn Seepferdchenpaare bleiben ihr ganzes Leben lang ein Paar! Vielleicht auch, weil sie jeden Morgen zusammen durchs Wasser tanzen, sich dabei an den Schwanzspitzen festhalten und miteinander Kreise drehen.

Eingebaute Tarnkappe

Der Körper der Seepferdchen wird durch einen knöchernen Panzer geschützt. Dadurch sind sie für die meisten Meeresbewohner ziemlich unappetitlich.  

Ein weiterer genialer Schutz gegen Feinde: Wie ein Chamäleon kann das Seepferdchen seine Farbe ändern. Vom schicken Seegraslook (grasgrün!) zum kühlen Ozeandress (taubenblau!) bis hin zum aktuellen Korallenschick (cremeorange!). 

Damit ihr Tarnungsauftritt perfekt wird, ahmen Seepferdchen noch die Unterwasserpflanzen in ihrer Umgebung nach: Dafür dienen ihnen die faden- und lappenförmigen Auswüchse ihrer Haut.

Und noch etwas Supergeniales: Sie können ihre Augen unabhängig voneinander bewegen. Auch wie Chamäleons. So haben sie mögliche Gefahren gut im Blick. 

Gegen Menschen helfen keine Tricks

Alle Tarnung nutzt nichts, wenn der Mensch eingreift. Entweder werden Seepferdchen gezielt gefischt, weil man sie als Souvenir, Aquariumsschmuckstück und vor allem als Medizin haben möchte. Sie sollen gegen Mattigkeit, Nervosität, Herz-Kreislaufbeschwerden, Hautausschläge und Atemwegsprobleme helfen. Außerdem sind die Seepferdchen noch durch die Verschmutzung ihrer Lebensräume, besonders der Mangrovenwälder und Korallenriffe, stark gefährdet.

Seit 2004 sind alle 33 Seepferdchen-Arten besser vor extremem Handel geschützt. Der WWF kümmert sich darum, dass mehr Zöllner den Seepferdchenhandel überwachen, damit von einzelnen Arten nicht zu viele weggefischt werden. Außerdem setzt sich der WWF für den Schutz der Seepferdchen-Lebensräume ein – der Korallenriffe, Mangrovenwälder und Seegraswiesen.

Auch ein Bootstau kann ein Seepferdchen geschickt umschlingen.

Du möchtest den Seepferdchen helfen? Kein Problem! Gemeinsam mit dem WWF und YOUNG PANDA kannst du dich für ihren Schutz einsetzen. Wie das geht, kannst du hier lesen: Jetzt helfen!