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Seesterne

Kein Hirn, dafür fünf Arme

Seesterne sind wirklich hart im Nehmen und gehen bis an ihre Grenzen. So haben sie es tatsächlich geschafft, selbst in mehreren tausend Metern Tiefe zu überleben. Bei totaler Dunkelheit, 1 bis 4 Grad Celsius Kälte und einem Druck von fast einer Tonne pro Quadratzentimeter.

Das ist so viel, als wenn ein Elefant auf deinem Daumennagel stünde. Aber nicht alle Seesterne mögen so brutale Lebensbedingungen. Die meisten leben lieber in Küstennähe in Sand und Geröll.

Stachelhäuter – älter als die Dinosaurier

© DMM Stralsund / Hans-Ulrich Roesner

 

Seesterne sind Stachelhäuter und somit mit Seeigel, Schlangen- und Haarsternen aber auch mit Seegurken verwandt. Eine kleine Übersicht über die Welt der Stachelhäuter siehst du oben in einer Ausstellung im Deutschen Meeresmuseum Stralsund. 

Mehr über Seeigel erfährst du hier und mehr über Seegurken hier.

Alle Stachelhäuter haben ein Kalkskelett, von dem Stacheln aus ihrer Haut herausragen können. Da sie außerdem alle keinen erkennbaren Kopf haben, kann man meistens auch nicht sagen, wo bei ihnen hinten und vorne ist. Der Mund der Seesterne sitzt auf ihrer Unterseite in der Mitte, ihr After, also der Popo, auf der Oberseite.

Einen Kopf brauchen sie auch nicht wirklich, denn sie haben kein Gehirn (was du ja von Spongebobs Freund Patrick sicher schon weißt). Alles wird von einem zentralen Stachelhäuter-Nervensystem gesteuert. Ein richtiges Herz haben sie auch nicht.

Die Tiergruppe der Seesterne ist uralt. Man hat Fossilien gefunden, die beweisen, dass sie schon 300 Millionen Jahre vor den Dinosauriern – also vor gut 530 Millionen Jahren – auf der Erde waren. Heute gibt es rund 1.600 Seesternarten auf der Welt.

Der Eisseestern im Mittelmeer und der Sonnenblumenseestern an der nordamerikanischen Pazifikküste sind die größten Seesterne mit einem Durchmesser von einem Meter.

Das Seestern-Einmalfünf

Viele Seesternarten haben eine Anzahl von Armen, die sich durch fünf teilen lässt: 5, 10, 15 und so weiter bis zu 50 Armen. Das ist einmalig im Tierreich. Die meisten Arten haben nämlich zwei, vier, sechs oder acht Arme.

Diese Arme sind superwichtig – klar, wenn man schon keinen Kopf hat. Dort sitzen die Geschlechtsorgane und die Augen. Die sind aber nicht mehr als primitive Lichtfühler, die nur hell oder dunkel erkennen können. Auf den Armen sitzen außerdem Stacheln, Dornen oder Höcker, die ihnen zum Graben dienen oder verhindern, dass sie im Meeresboden einsinken. Auf den Armen haben sie außerdem Saugnäpfe, mit denen sie sich fortbewegen und sogar geschlossene Muschelschalen auseinander ziehen können, um das Muschelfleisch zu fressen.  Denn Seesterne sind Fleischfresser.

Das Beste aber: Verlieren sie mal einen Arm im Kampf mit einem Fressfeind, wächst er wieder nach.

Wie frisst man ohne Kopf?

Achtung, jetzt wird es sehr seltsam: Wenn der Seestern eine lebende Muschel endlich aufgekriegt hat, steckt er … würg … seinen offenen Magen in die Muschel. Die Verdauungssäfte töten und zersetzen die Muschel, dann saugt der Seestern sie auf.

Seesterne können täglich dreimal so viel futtern wie sie wiegen. Stell` Dir mal vor, du könntest das auch: Wenn du also 40 Kilogramm wiegst, dann würdest du 300 Salatgurken oder 1.200 Tafeln Schokolade vertragen! Sie ernähren sich neben Muscheln von Korallen, Würmern, Seeigeln, kleinen Krebsen, Schnecken und anderen Weichtieren. Einige fressen auch Plankton und andere Seesterne.

Männchen, Weibchen, Ärmchen

Sie pflanzen sich fort, indem das Männchen Samen und das Weibchen Eier – 2 bis 100 Millionen – ins Wasser abgeben. Nach der Befruchtung entstehen kleine Schwimmlarven, die sich am Boden fest heften und zum Seestern heranwachsen.

Seesterne können sich praktischerweise aber auch noch ganz anders vermehren. Ein Arm fällt ab und wird zum Seestern. Ein Seestern spaltet sich in zwei Hälften und diese werden – erraten! – zu zwei Seesternen. „Ungeschlechtliche Vermehrung“ nennen das die Biologen.

Die meisten Seesterne können etwa sieben Jahre alt werden.

Drei Sterne – von harmlos bis gefährlich

Der Gemeine Seestern
ist ein Zangenseestern. Lebt in Nordsee, Ostsee und Atlantik, bis zu 200 Meter tief. Kann bis zu 30 Zentimeter groß werden und gehört so zu den größten Seesternen des Nordatlantiks. Sie fressen unablässig Muscheln, am liebsten Miesmuscheln. Auch im Wattenmeer vor unserer Haustür, wo Du sie auch selbst noch finden kannst.

Der Kissenstern
sieht tatsächlich aus wie ein rosa Sofakissen, lebt im Indopazifik (zwei Arten auch im Atlantik), hat ein netzförmiges Skelett und kräftige, bunten Stacheln und Warzen. Frisst und verdaut Polypen und Steinkorallen. Kann 20 Zentimeter  groß werden – und mehr, denn Seesterne sind niemals ausgewachsen und wachsen, so lange sie leben.

Die Dornenkrone
Ihre Oberseite ist mit giftigem Schleim bedeckt! Wenn man sich an ihren scharfen, 6 Zentimeter langen Dornen verletzt, dringt dieser in die Wunde ein. Ruft beim Menschen starke Entzündungen hervor. Der Seestern wird bis zu 50 Zentimeter groß und versteckt sich in Löchern oder Korallenriffspalten im Pazifik, Indischen Ozean und Roten Meer. In manchen Korallenriffen hat sich die Dornenkrone in ein Ungeheuer verwandelt. Denn wo ihre Fressfeinde vom Menschen weggefischt wurden, vermehrt sich der Korallen fressende Seestern enorm und verwandelt ganze Riffe in Unterwasserfriedhöfe. Die Dornenkrone kann bis zu 30 Arme haben!

Aber die meisten Seesterne sind selber bedroht: Durch den Klimawandel, Plastik im Wasser und manche Arten auch durch übermäßigen Fang – auch als Andenken für Touristen.

Du möchtest den Seesternen helfen? Kein Problem! Gemeinsam mit dem WWF und YOUNG PANDA kannst du dich für ihren Schutz einsetzen. Wie das geht, kannst du hier lesen: Jetzt helfen!