Stachelschweine

Super Schutzanzug gegen Feinde

Sie haben keine Angst vor großen Gegnern: Kein Wunder, bei so einem Stachelkleid. Stachelschweine können sich damit sehr gut verteidigen. Sogar gegen Löwen …

Dass ein stechendes Stachelschwein einen Löwen abschrecken kann, haben schon viele Forscher in der Wildnis beobachtet. Aber ein Stachelschwein gegen 17 Löwen? Das hört sich völlig unglaublich an, ist aber wahr. Im südafrikanischen Wildreservat Londolozi wurde es 2014 sogar gefilmt. Die Löwen hatten Appetit, doch das Stachelschwein schlug sie alle in die Flucht.

Eine tolle Leistung für ein nur 80 Zentimeter langes Tier, das nicht gerade zu den schnellsten im Tierreich gehört. Aber es kann sich eben sehr wirkungsvoll verteidigen: Mit seinen Stacheln. Sie werden bis zu 7 Millimeter im Durchmesser dick und bis zu 40 Zentimeter lang. Das ist Rekord: Die Stachelschweine haben damit die längsten Stacheln aller Säugetiere.

Stacheln sind nichts anderes als verhärtete Haare. Die Stacheln der Stachelschweine sind ganz schön spitz und können einen Gegner empfindlich verletzen, sogar töten. Denn sie haben winzige Widerhaken. Deshalb kann man sie nur schwer wieder aus einem Körper herausziehen.

Die Stachelschwein-Familie

Nein, Stachelschweine sind nicht mit Igeln verwandt und auch nicht mit Hausschweinen.  Ihre nächsten Verwandten sind zum Beispiel Meerschweinchen oder Chinchillas. Denn Stachelschweine sind Nagetiere. Nach dem Wasserschwein und dem Biber sind sie die drittgrößten Nager auf der Welt.

Es gibt drei Gattungen: Die Eigentlichen Stachelschweine leben in Afrika, Südeuropa und Asien. Daneben gibt es noch die Pinselstachler in Asien und Quastenstachler in Afrika und Asien. Sie haben lange schuppige Schwänze. An deren Ende steckt ein Büschel steifer Haare, eine sogenannte Quaste.

Die Baumstachler in Amerika, die auch auf Bäume klettern können (wie du im Bild unten siehst), sehen ähnlich aus, sind aber mit den Stachelschweinen nicht näher verwandt als zum Beispiel Meerschweinchen.

Aufplustern, rasseln, grunzen – und dann erst stechen

Fühlen sich Stachelschweine durch Löwen oder andere Raubkatzen bedroht, können sie dank extra Muskeln am Rücken ihre Stacheln aufstellen. Schwupps, sehen sie gleich doppelt so groß aus.

Schüchtert das den Gegner noch nicht ein, können einige Arten sie lautstark mit dem Schwanz rasseln. Wie das geht? Eigentliche Stachelschweine haben kurze Schwänze, die wie der Körper mit spitzen Stacheln besetzt sind. Am Schwanzende sind die Stacheln bei manchen Arten aber hohl und offen. Wenn die Tiere dann ihren Schwanz schütteln, rasselt es ganz ordentlich. Genau das machen sie, wenn sie sich bedroht fühlen.

Außerdem stampfen sie mit den Hinterbeinen und grunzen. Erst wenn das alles den Angreifer nicht vertreibt, gehen sie rückwärts oder seitwärts auf ihn los. Bei dem Angriff können dann Stacheln im Körper des Gegners steckenbleiben. Auweh! Das ist sehr schmerzhaft für den Feind. Aber nicht für das Stachelschwein, selbst wenn es dabei Stacheln verliert. Diese wachsen dann einfach wieder nach.

Lautstarke Futtersuche

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Die Stachelschweine leben am Boden. Manche Arten graben bis zu 20 Meter lange Bauten im Boden, andere verbergen sich in Felsspalten oder schlüpfen gern in Erdgänge anderer Tiere. Meist gehen sie nachts auf Nahrungssuche.

Mit ihrem dichten Stachelkleid fühlen sich die Tiere ziemlich sicher. Deshalb geben sie sich auch keine Mühe, sich zu verstecken, wenn sie abends aus ihrem Bau kommen. Sie sind dabei sogar ziemlich laut und grunzen und schnauben.

Die Stachelschweine fressen hauptsächlich Pflanzen, vor allem Knollen, Wurzeln, Früchte und Beeren. Manchmal gehen sie auch auf Felder von Bauern und futtern dort Erdnüsse, Kartoffeln oder Kürbisse. Selten fressen sie Insekten, Frösche und andere Kleintiere.

Oft nagen Stachelschweine aber an Knochen toter Tiere, um ihre ständig nachwachsenden Zähne zu schärfen. Außerdem brauchen sie das Phosphat daraus.

Zur Futtersuche machen sie ganz schön weite Ausflüge: Sie können sich bis zu 12 Kilometer von ihrem Bau entfernen. Stachelschweine markieren ihr Revier mit Hilfe von Duftdrüsen.

Babys haben noch keine Stacheln

Trotz der Stacheln können Stachelschweine Kinder zeugen, ohne sich dabei zu verletzen. Drei bis vier Monate später kommen die Jungen im unterirdischen Bau zur Welt – meist eins oder zwei. Der Bau wird vorher schön mit Gras ausgepolstert. Die Babys wiegen je nach Art zwischen 100 und 400 Gramm und haben schon weiche Borsten, die dann später hart werden.

Die Mutter hat ihre Zitzen an der Seite, so dass sich die Mutter nicht hinlegen muss, um ihre Jungen zu säugen und die Jungen jederzeit an die Milchquelle drankommen. Schon nach 2 bis 6 Wochen können die Jungen im Beisein der Eltern selbst nach Nahrung suchen – werden aber weiter gesäugt, bis sie 2 bis 4 Monate alt sind.

Viele Stachelschweine teilen sich mit bis zu 14 anderen Tieren einen unterirdischen Bau. Häufig sind das richtige Familiengruppen. Alle gemeinsam verteidigen die Jungen. Das ist praktisch, so haben sie mehr Beschützer. Männchen kümmern sich bei den Stachelschweinen genauso um die Kinder wie die Mütter.

Steckbrief Eigentliche Stachelschweine

Verbreitung: Afrika, Süd- und Südostasien, Südeuropa (Italien).
Lebensraum: Dichter Wald bis Halbwüste.
Arten: 8.
Größe: Bis zu 80 Zentimeter, dazu kommt ein bis zu 15 Zentimeter langer Schwanz.
Gewicht: Bis zu 27 Kilogramm.
Schwangerschaft: Etwa drei Monate.
Alter: In der Wildnis vermutlich bis zu 15 Jahre.

Die meisten Stachelschweine sind nicht bedroht. Ihr Glück, dass sie sich gegen natürliche Feinde gut wehren können. Allerdings betrachten manche Bauern in Afrika und Asien sie als Schädlinge, wenn sie ihre Felder plündern. Auch werden Stachelschweine in manchen gegenden gefangen und gegessen.

Du möchtest den Stachelschweinen helfen? Kein Problem! Gemeinsam mit dem WWF und YOUNG PANDA kannst du dich für ihren Schutz einsetzen. Wie das geht, kannst du hier lesen: Jetzt helfen!