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Der Tiger:

Die größte Katze der Welt

Schon immer hatten Menschen großen Respekt vor dem Tiger und gaben ihm deshalb Namen wie Majestät, König oder Herrscher. Nicht nur, weil er stark und schnell ist.

Denn der Tiger kontrolliert sozusagen als größter Jäger das Vorkommen und die Zahl anderer Tierarten in seinem Revier. Das macht ihn sehr wichtig. Ohne Tiger gerät die Natur aus dem Gleichgewicht, dann nehmen zum Beispiel bestimmte Pflanzenfresser überhand und fressen zu viel kahl.

Deshalb will der WWF alles dafür tun, dass es wieder mehr wild lebenden Tiger gibt. Gute Nachrichten gibt es bereits aus Indien und Russland, du findest sie weiter unten.

So lebt der Tiger

 

Was brauchen Tiger, damit es ihnen gut geht? Vor allem ein großes Revier in einem dichten Wald mit genügend Beute. Für dichte Wälder sind Tiger auch perfekt „angezogen“, denn die Streifen auf ihrem Fell verschmelzen mit den Bäumen und sehen aus wie Äste oder Baumstämme. Sie können sich also leicht verstecken.

Im Wald gibt es auch jede Menge Beute: Hirsche, Wildschweine und wilde Rinder, außerdem Echsen, Affen und Vögel. Um sie zu erwischen, verstecken sie sich zum Beispiel an einem Flussufer und lauern auf eine passende Gelegenheit, zuzuschlagen. Das machen sie meist mit einem enormen Sprung: Tiger können mehr als acht Meter weit springen.

Ein Tiger frisst ungefähr 9 Kilogramm Fleisch jeden Tag. Das ist so viel, als würdest du täglich 75 Bockwürste oder 18 Portionen Spaghetti essen. Ein Tiger kann aber auch tagelang nichts futtern – oder 40 Kilogramm auf einmal verschlingen.

Tiger kühlen sich gerne im Wasser von der Sommerhitze ab. Anders als einige andere Katzen sind sie gute Schwimmer. Jungtiger lieben es, im Wasser zu spielen.

Familie gibt´s nur für kurze Zeit

Tiger sind Einzelgänger. Nur um sich zu paaren, treffen sie sich mit Artgenossen. Eine Tigerin bringt nach einer Tragzeit von 95 bis 112 Tagen zwei bis vier Junge zur Welt. Die säugt sie sechs Monate lang. Erst dann dürfen die Jungen zum ersten Mal auf die Jagd. Bis sie die Mutter endgültig verlassen, vergehen bis zu drei Jahre. Die jungen Tiger suchen sich dann ein eigenes Revier.

Wenn sie eines gefunden haben, markieren sie es durch ihr Pipi (den Urin) oder mit Prankenkratzern an Bäumen. Das bedeutet für andere Tiger: Bleib bloß weg, hier bin ich der Chef oder die Chefin!

Ihre Reviere sind zwischen 50 (Sumatra) und 4.000 Quadratkilometer (Amur) groß – das ist fast fünfmal größer als Berlin. Du siehst: Tiger brauchen sehr viel Platz.

Tiger werden in der Wildnis ungefähr 15 Jahre alt.

Warum es nicht mehr viele Tiger gibt

 

Vor mehr als 100 Jahren, im Jahr 1900, streiften noch etwa 100.000 Tiger durch die Wälder Asiens zwischen Anatolien im Westen und dem russischen Fernen Osten. Heute leben insgesamt nur noch etwa 3.890 der gestreiften Großkatzen in der Wildnis Asiens.

Früher jagten vor allem reiche Leute die Tiger als begehrte Trophäe, um sich ihr Fell oder Kopf an die Wand zu hängen. Dann wurden auch noch immer mehr Wälder gerodet, um für die wachsende Bevölkerung Holz zu gewinnen und Plantagen anzulegen.

Wilderer jagten auch zunehmend die Beutetiere der Tiger. Außerdem wird aus seinen Körperteilen angebliche Medizin hergestellt – obwohl es keinen Nachweis gibt, dass sie wirkt.

Kein Wunder, dass drei von neun Unterarten des Tigers bereits ausgestorben sind: In den 1940er Jahren der Tiger auf der indonesischen Insel Bali, in den 1970er Jahren der Kaspische Tiger in Zentralasien und zehn Jahre später der Java-Tiger auf der Insel Java.

Auch die heute noch lebenden sechs Unterarten des Tigers sind vom Aussterben bedroht. Sie leben in insgesamt 13 Ländern: Bangladesh, Bhutan, Kambodscha, China, Indien, Indonesien, Laos, Malaysia, Myanmar, Nepal, Russland, Thailand und Vietnam.

Die sechs Tiger-Unterarten

• Der Bengal-, Königs- oder Indische Tiger lebt in den weltgrößten Mangrovensümpfen, den Sundarbans, und anderen Teilen Indiens sowie in Nepal, Bangladesh und Bhutan. In Indien hat sich die Zahl der Tiger nach neuester Zählung von Januar 2015 von 1.700 auf 2.226 erhöht. Zusammen mit den Vorkommen in Nachbarländern stieg so auch die Gesamtzahl an Indischen Tigern, 2.633 Tiere sind bereits sicher gezählt. Bengal-Tiger werden bis zu 3 Meter lang und bis zu 300 Kilogramm schwer.

Der Amur- oder Sibirische Tiger (Bild oben) ist mit bis zu 3 Metern Länge und 320 Kilogramm Gewicht die größte Unterart. Er ist die weltgrößte Katze überhaupt! Er kommt hauptsächlich im russischen fernen Osten und mit wenigen Exemplaren im Nordosten Chinas vor.

Bei der letzten Zählung vor rund zehn Jahren wurden rund 450 Amur-Tiger erfasst. Bei der neuen Zählung 2015 gab es nun eine sehr erfreuliche Überraschung: Die Zahl der Amur-Tiger in Russland ist jetzt auf mindestens 523 Tiere angestiegen - die Jungtiere mit einberechnet! Vermutlich deshalb, weil der Lebensraum der Tiger besser geschützt wird und Wilderer strenger bestraft werden. Zusätzlich werden bis zu 26 Amur-Tiger im Nordosten Chinas vermutet. genaues weiß man noch nicht, denn der chinessische Tigerbestand ist noch nicht genau untersucht.

Der Sumatra-Tiger (Bild oben) ist mit 100 bis 150 Kilogramm und einer Länge von bis zu 2,50 Meter die kleinste Unterart. Etwa 371 Tiere leben vermutlich noch in isolierten Wäldern der indonesischen Insel Sumatra.

• Zwar sagt die Regierung von Malaysia, es gäbe noch etwa 500 Malaysia-Tiger. In Wirklichkeit, so schätzen Experten, liegt ihre Zahl jedoch bei 250 Tieren. Der Malaysia-Tiger ist nur im Erbgut vom Indochinesischen Tiger zu unterscheiden. Er wird bis zu 2,75 Meter lang und 190 Kilogramm schwer.

• Höchstens noch etwa 196 Indochinesische Tiger leben in der „Greater-Mekong“-Region, die sich über die Länder Kambodscha, Laos, Myanmar, Thailand und Vietnam erstreckt. Er wird bis zu 2,75 Meter lang und 190 Kilogramm schwer.

• Vom Südchinesischen Tiger gibt es vielleicht noch einige wenige Tiere im Süden Chinas, die aber schon seit den 1990er Jahren nicht mehr gesehen wurden. Vermutlich ist auch er bereits ausgestorben. Er wurde bis zu 2,65 Meter lang und wo bis zu 170 Kilogramm.

Übrigens: Alle Tiger haben je nach Unterart eine Schulterhöhe von 66 bis 105 Zentimeter und eine Schwanzlänge von 72 bis 109 Zentimeter.

Ein weißer Tiger ist kein Amur-Tiger mit Winterfell. Er ist gar keine eigene Tigerunterart, sondern ein Albino mit fehlender Farbstoffbildung – meist ein Bengal-Tiger mit cremefarbenem Fell, schokoladen- braunen Streifen, blauen Augen und rosa Nase.

Was der WWF für Tiger tut

Auch Kinder in Russland tun was für die Tiger: Im Bild oben siehst du eine Schulklasse in Russlands fernem Osten, wo es Amur-Tiger gibt. Mit ihren Zeichnungen machen sie die Erwachsenen darauf aufmerksam, dass es nur noch wenige Amur-Tiger gibt und diese unsere Hilfe brauchen.

In den letzten 50 Jahren hat der WWF mit seiner Arbeit mitgeholfen, dass der Tiger nicht schon längst ausgestorben ist. Was er da alles gemacht hat, kannst du hier nachlesen.

Heute hilft der WWF mit seiner Arbeit in ganz vielen Projekten, dass der Tiger überlebt und es endlich wieder mehr Tiger gibt statt immer weniger. So setzt er sich zum Beispiel dafür ein,

1. keine Produkte oder Medikamente mehr herzustellen und zu verkaufen, für deren Herstellung Tiger getötet wurden,
2. Zöllner fortzubilden, damit sie illegal geschmuggelte Körperteile von Tigern erkennen und die Schmuggler festhalten können,
3. neue Schutzgebiete einzurichten,
4. bestehende Schutzgebiete besser zu überwachen,
5. Schutzgebiete mit Regenwald-Korridoren zu
verbinden, damit die Tiger dazwischen hin- und her wandern können,
6. dass weniger Wald gerodet wird,
7. Tiger regelmäßig zu zählen,
8. mehr Wildhüter auszubilden,
9. die Bevölkerung in Tigergebieten, besonders Kinder (wie im Bild oben russische Kinder), über das Verhalten der Tiger aufzuklären, damit sie den Großkatzen sicher aus dem Weg gehen können,
10. Menschen mit Geld zu helfen, deren Nutzvieh von Tigern gerissen wurde,
11. Menschen zu helfen, dass sie mit lebenden Tigern und gesunden Tigerwäldern Geld verdienen können – zum Beispiel durch Touristen, und
12. Wälder naturnah zu bewirtschaften, dass Tiger sich darin wohlfühlen.

Unsere Chancen stehen gut: Wenn viele mithelfen, werden wir die Tiger retten können.

Noch mehr zum Tiger

Was der WWF bisher schon getan hat, damit die Tiger nicht aussterben, das liest du hier.

Wie man Tiger zählt, erfährst du hier.

Wenn du ein Referat über Tiger halten möchtest, findest du hier tolle Vorlagen.

Wir haben auch ein Tiger-Quiz für dich.

Wusstest du, dass es zum Tiger eine ganze YOUNG PANDA-Aktuell-Ausgabe gibt? Hier kannst du in die ersten drei Seiten reinschnuppern: YOUNG PANDA-Aktuell 6/15.

Die lieben Tiger-Verwandten

Kleines Tiger-Latein: Der Tiger Panthera tigris gehört zur Familie der Katzen (Felidae) und dort zur Unterfamilie der Großkatzen (Pantherinae). Dazu gehört auch der Löwe (Panthera leo). Unsere Hauskatze ist auch eine Tigerverwandte – aber nur eine entfernte. Sie stammt von der Wildkatze (Felis sylvestris) ab, die wiederum zur Unterfamilie der Kleinkatzen (Felinae) gehört. Alles klar?

Du möchtest dem Tiger helfen? Kein Problem! Gemeinsam mit dem WWF und YOUNG PANDA kannst du dich für seinen Schutz einsetzen. Wie das geht, kannst du hier lesen: Jetzt helfen!