Juhu, ein Uhu!

Die größte Eule der Welt

Strahlend gelbe bis orangerote Augen, massigen Körper und lange Federpuschel an den Ohren – einen Uhu kannst du ziemlich leicht erkennen.  Aber nur, wenn du ihn siehst – was in der Natur ganz schön schwer ist, denn er ist meist nachts unterwegs. Dann aber kannst du ihn an seinem typischen „Houu-houu“ erkennen: Diesem Ruf verdankt er seinen Namen.

Der Europäische Uhu ist nicht nur die größte Eule Deutschlands, sondern der ganzen Welt: Bis zu 75 Zentimeter hoch und mit einer Flügelspannweite von bis zu 1,70 Meter. Der Uhu wird bis zu drei Kilogramm schwer. Ganz schön imposant. Er ist ziemlich kräftig, gleichzeitig enorm flink und kann deshalb sogar ein Rehkitz oder einen jungen Fuchs erbeuten.

Ein Uhu kann Beutetiere im Flug wegtragen, die bis zu zwei Drittel seines Körpergewichts wiegen. Das wären also, dazu brauchst du keinen Taschenrechner, Tiere mit einem Gewicht von zwei Kilogramm.

Auf der Jagd

© WWF

Wenn es dämmrig wird, macht der Uhu sich für die Jagd bereit. Dann sucht er sich auf Bäumen solche Äste aus, von denen er einen perfekten Überblick hat und gleich von 0 auf 100 losfliegen kann, wenn er ein Beutetier entdeckt.

Dafür hat er enorm gute Augen, die auch im Dunkeln fantastisch sehen können. Ein Uhu entdeckt Mäuse sogar untereiner Schneedecke!

Auch wenn er so riesig ist, kein ein Uhu überraschend schnell fliegen. Er kann sogar Raben, Krähen oder Tauben im Flug einholen und ist wendig genug, sie im Zickzack durch einen dichten Wald hindurch zu verfolgen. Genial!

Das macht er aber nur in Ausnahmen. Meist macht es sich der Uhu bequemer und jagt Vögel, die auf Ästen ruhen und die er dann erwischt, wenn sie aufgeschreckt losfliegen wollen.

Ein Uhu ernährt sich hauptsächlich von kleinen Säugetieren wie Mäusen, Hasen, Ratten, Eichhörnchen oder Igeln. Auch kleinere Vögel wie Krähen oder Tauben verspeist der Uhu,  ab und zu frisst er sogar Fische oder Frösche.

Denn auch am Boden ist der Uhu ein geschickter Jäger. Er kann sogar ziemlich flott laufen und eine flüchtende Maus einholen.  Probier‘ mal  im Garten aus, ob du das kannst. Wenn so gar nichts Großes für den Uhu zu holen ist, gibt er sich auch mal mit Schnecken oder Regenwürmern zufrieden.

Ein Uhu jagt meist die Tierarten, die in seinem Jagdrevier besonders häufig vorkommen. So ein Uhurevier ist etwa 40 Quadratkilometer groß, das ist ungefähr so groß wie ein Stadtteil oder Dorf.

Fressen und spucken

Wie alle Eulen verschlingen Uhus ihre Beute mit Haut und Haaren. Nach der Mahlzeit spucken sie Unverdauliches wie Knochen, Zähne oder Federn ihrer Beutetiere in grauen Klumpen wieder aus – den so genannten Gewöllen oder Speiballen. Was da alles drinstecken kann, verraten wir dir hier.

Das ist gar nicht eklig, dafür hochinteressant für Eulen-Detektive. Aus dem Gewölle-Inhalt erfährst du, was der Uhu verspeist hat. Und wo er sein „Esszimmer“ hat!

Uhugewölle sind ganz schön groß: Sie haben eine Länge von 4 bis 13 Zentimeter und einen Durchmesser von 2 bis 4,5 Zentimeter.

Tagsüber heißt es: Aufpassen

Tagsüber ruhen sich Uhus wie andere Eulen aus – geschützt auf einem Baum, in einem großen Busch oder  in einer Felsnische. Da hocken sie, mit steil aufgerichteten Federohren und zu schmalen Schlitzen verengten Augen, dank ihres Federschmucks gut getarnt. Trotzdem kommt es immer wieder vor, dass sie entdeckt werden – zum Beispiel von Krähen, die sie angreifen. Dann sträubt der Uhu sein Gefieder, fächert seinen Schwanz auf und bildet mit den Flügeln ein großes Rad, um größer zu wirken. Außerdem faucht er und knappt mit dem Schnabel, um die Angreifer zu vertreiben.

Wenn keine Gefahr droht und Uhus ihre Ruhe haben, nehmen sie wie viele Eulen gerne ein Sonnenbad. Dazu legen sie sich auch schon mal flach auf den Boden und gehen zu einem Sandbad über. Das hilft gegen Parasiten wie Milben oder Flöhe.

Steckbrief

© WWF

Lebensraum: Wälder und Felder mit Felsen zum Brüten. Gut geeignete Brutplätze sind häufig über Generationen von Uhus besetzt. Sie übernehmen auch gerne verlassene Greifvogelhorste.

Bestand: Zwischen 850 und 2000 Brutpaare (da gibt es unterschiedliche Angaben).

Hauptvorkommen: Mittelgebirge Süd- und Westdeutschlands, die Alpen und Schleswig-Holstein. Der Uhu ist aber auch in Europa, Nordafrika und Asien zu Hause.

Alter: In der Wildnis bis zu 19 Jahre im Durchschnitt, maximal 27 bis 30 Jahre. In Vogelparks und Zoos sogar noch älter.

Besonderes: Weibchen sind größer und schwerer als Männchen und manchmal fast so groß wie einige Adlerarten.

Rufe: Der Uhu ruft fast so, wie er heißt: Houu-houu. Als Alarmruf wird ein dem Graureiher ähnliches „gräck“ ausgestoßen. Jungvögel betteln ab einem Alter von vier bis fünf Wochen mit lautem, heiseren Schnarren.

Familie

Uhus leben mit einem einmal gefundenen Partner oft lebenslang zusammen. Gebrütet wird meist im März, zum Teil auch schon im Februar. Nach einer Bebrütung von 34 Tagen schlüpfen ein bis drei, in seltenen Fällen auch vier oder gar fünf Jungvögel.

Sicher gehen, springen und klettern können Uhujunge mit vier bis fünf Wochen. Im Alter von 8 Wochen beginnen die Junguhus mit dem Fliegen. Mit etwa zehn Wochen können sie fliegen.

Auch nach dem Ausfliegen werden die Jungvögel noch lange versorgt, bis sie nach etwa vier bis fünf Monaten  schließlich selbstständig sind.

Verwandte

Es gibt noch etwa 14 andere Uhu-Unterarten auf der Welt. Der Blass-Uhu in Afrika ist etwa genauso groß. Alle anderen Uhus sind kleiner, zum Beispiel der afrikanische Zwerguhu, der Amerikanische Uhu, der Fleckenuhu, der Kap-Uhu, der Malaien-Uhu, und der Düster-Uhu.

Wenn du unseren heimischen Uhu, den Europäischen Uhu, noch nicht in der Wildnis gesehen hast, dann schau ihn dir doch in einem Zoo an: Er ist in Deutschland in rund 200 Tierparks zu finden.

Was ist für Uhus gefährlich?

© Beyer: Polizist mit Uhu informiert über Eierdiebe

Stromschlag an ungesicherten alten Strommasten

Störungen der Brutplätze, zum Beispiel durch Klettersportler

Diebstahl der Eier

• Wenn alte Steinbrüche wieder verfüllt werden

Große Äcker ohne Grünstreifen, in denen es kaum Beutetiere gibt

Der Uhu wurde bis ins 20. Jahrhundert als Jagdschädling intensiv verfolgt und beinahe ausgerottet.  Deshalb gibt es auch so wenige Uhus in Deutschland.

Wie Uhus wiederangesiedelt werden

Seit einigen Jahrzehnten erholt sich der Bestand aber langsam wieder, denn gezüchtete, in die Freiheit entlassene Uhu-Brutpaare haben sich erfolgreich in freier Wildbahn vermehrt. Das ist eine gute Nachricht.

Dabei sind Uhufreunde ganz schön trickreich: Wo das Brüten nicht klappen will, bekommen Uhus schon mal Eier oder elternlose Jungvögel im Nest untergeschoben. Das können natürlich nur erfahrene Vogelkenner machen, ohne die Tiere zu stören. Die jungen Uhus wachsen dann ganz natürlich auf. Das nennt sich Adoptionsmethode.

Mehr über Eulen allgemein erfährst du hier.

Du möchtest dem Uhu helfen? Kein Problem! Gemeinsam mit dem WWF und YOUNG PANDA kannst du dich für ihren Schutz einsetzen. Wie das geht, kannst du hier lesen: Jetzt helfen!