Waldrappe

gehen bald auf große Reise

© Waldrappteam / LIFE Northern Bald Ibis

So ein Waldrapp ist schon ein echter Hingucker: Ein geierähnliches, kahles Gesicht mit einem langen roten Schnabel – und dazu die strubbeligen Nackenfedern, die manchmal wie eine abgefahrene Frisur zu Berge stehen. Jetzt kehrt der komische Vogel nach Deutschland zurück. Denn hier war er früher schon mal zu Hause.

Der Waldrapp ist ein Zugvogel, der bis vor 400 Jahren auch in Mitteleuropa heimisch war. Doch weil er gejagt und verspeist wurde, ist der Kahlkopf in freier Wildbahn fast ausgestorben. Nur in Marokko, Spanien, Österreich und der Türkei gibt es noch Waldrappe, die allerdings nicht umherziehen.

Jetzt soll der Waldrapp bei uns wieder als echter Zugvogel angesiedelt werden. Europäische Naturschützer kümmern sich darum und der WWF ist auch dabei.

Im bayerischen Burghausen und im Land Salzburg in Österreich gibt es bereits zwei Brutstandorte für Waldrappe. Nun werden seit letztem Jahr auch in einem Camp in Überlingen (Baden-Württemberg) wenige Wochen alte Jungvögel von Hand aufgezogen, um sie auszuwildern. Sie stammen aus Nachzuchten österreichischer Tierparks.

Hier kannst du in ein Waldrappnest live hineingucken (manchmal gibt es eine Störung in der Übertragung, dann bitte später nochmal probieren):

 

Anne und Corinna sind die Adoptivmütter der Waldrappkinder. Sie kümmern sich um die jungen Vögel. Sie bringen ihnen bei, wie sie ihr Futter – Würmer und andere Kleintiere, aber auch Pflanzliches –  aufnehmen und vor allem, wie sie es selbst auf Wiesen und Äckern finden können. Als Leibspeise gibt es von den Menschenmamas Mehlwürmer.

Lernen vor dem großen Flug

Zugleich bereiten die Ersatzmuttis die jungen Waldrappe spielerisch auf eine ganz große Reise vor. Denn im August sollen sie zum großen Flug über die Alpen starten – in das Überwinterungsgebiet in Italien.

Da sie keine Eltern haben, die ihnen den langen Weg zeigen könnten, müssen das die Menschen tun. Also werden Anna und Corinna, zusammen mit zwei Piloten, in ein Ultraleichtflugzeug steigen und die jungen Waldrappe auf ihren Flug in den Süden begleiten. „Kommt Waldis, kommt kommt“, rufen sie dabei immer wieder, damit sich die Vögel an das Fluggerät gewöhnen.

So können die jungen Waldrappe sich die Route in ihr Gedächtnis einprägen. Dann können sie, wenn sie mit zwei, drei Jahren erwachsen sind, allein von Italien zurückfliegen, um in Deutschland zu brüten.

Dafür werden die jungen Vögel im Überlinger Camp trainiert, einem Fluggerät zu folgen. Sobald sie groß genug sind, drehen sie alle paar Tage ein paar Stunden ihre Runden am Himmel. Denn bis August müssen alle „Waldis“, wie ihre Adoptivmamas sie nennen, gute Flieger sein.

So ein Flug über die Alpen schaffen die jungen Waldis natürlich nicht in einem Rutsch, sie brauchen fünf bis acht Tage dafür. Dazwischen wird immer gerastet und geschlafen.

Den Rückflug sollen die Waldis alleine schaffen

Ziel in Italien ist das WWF-Naturschutzgebiet Laguna di Orbetello in der Toskana. Dort leben schon einige Waldrappe. Nun hofft das ganze Waldrapp-Team, dass die jungen Ankömmlinge aus Deutschland sich in der Kolonie dort wohlfühlen werden.

Wenn alles gut geht, werden 2019 die ersten Waldrappe mit Sendern versehen und hoffentlich den Weg zurück über die Alpen finden. Wenn das klappt, können sie dann später das Wissen über die Wegstrecke an ihre Jungtiere weitergeben.

Auf diese Weise, so hoffen die Waldrapp-Forscher, wird sich der einst ausgestorbene Zugvogel wieder in Mitteleuropa ansiedeln. Ziel des europäischen Projekts ist es, dass bald wieder mindestens 120 wilde Waldrappe in Mitteleuropa leben.

Steckbrief

Ein Waldrapp
• wird bis zu 1,5 Kilogramm schwer,
• bis zu 75 Zentimeter groß und
• hat eine Flügelspannweite bis zu 1,25 Meter.
• Jungvögel tragen noch graue Federn am Kopf, die erwachsenen Tiere haben einen kahlen Schädel.
• Auch wenn er etwas Ähnlichkeit mit Geiern hat: Der Waldrapp gehört zu den Ibisvögeln, er ist kein Aasfresser. Er verspeist Insekten, Würmer, Schnecken und Käferlarven, Spinnen und manchmal auch Frösche oder Mäuse. Außerdem frisst er verschiedene Pflanzen.

Besonderes
Waldrappe begrüßen sich, indem sie sich voreinander verneigen und laut „chrupp-chrupp“ rufen.

Du möchtest dem Waldrapp helfen? Kein Problem! Gemeinsam mit dem WWF und YOUNG PANDA kannst du dich für seinen Schutz einsetzen. Wie das geht, kannst du hier lesen: Jetzt helfen!