Wandernde Arten:

Tierische Weltenbummler

Viele Millionen Tiere wandern jedes Jahr, von unsichtbaren Kräften getrieben und gelenkt, zu ganz bestimmten Zeiten an weit entfernte Orte. Wie schaffen sie das bloß? Wir verraten es dir.

Im Frühjahr kehren bei uns Zugvögel wie Stare, Störche, Schwalben, Kraniche oder Mauersegler und viele andere wieder aus ihren Winterquartieren im Süden zurück – vielleicht hast du schon welche gesehen.

Sie alle waren vergangenen Herbst viele tausend Kilometer weit in wärmere Gegenden geflogen, weil es bei uns im Winter für sie zu kalt ist und es zu wenig zu fressen gibt. Sie wandern also nicht aus Spaß, sondern aus Not, um zu überleben. Würden sie bleiben, müssten sie verhungern oder erfrieren. In der Ferne können außerdem ihre Kinder besser aufwachsen.

Vögel sind nicht die einzigen Tiere, die auf Wanderschaft gehen. Auch Insekten, Fische, Schlangen, Meeresschildkröten, Seehunde oder Zebras und selbst Wale oder Elefanten wandern über größere Strecken überall auf der Welt.

Mehr als 10.000 ganz verschiedene Tierarten weltweit nehmen dazu jedes Jahr enorme Anstrengungen auf sich. Die meisten schwimmen, fliegen oder laufen in regelmäßigen Abständen, meist ein oder zweimal im Jahr. Sie reisen, wie die Zugvögel, von ihren Winterquartieren in die Sommerquartiere und umgekehrt. Andere ziehen fort, um weit entfernt Eier zu legen oder ihre Kinder zur Welt zu bringen.

Die Weltrekordler im Wandern

Selbst zarte, kleine Monarch-Schmetterlinge fliegen von ihrem Sommerrevier in Südkanada bis zu 3.500 Kilometer, um in einem kleinen Bergwald in Zentralmexiko zu überwintern. Das ist Weltrekord bei Schmetterlingen!

Weltrekordler von allen sind die Küstenseeschwalben: Die zierlichen Meeresvögel ziehen jedes Jahr 40.000 Kilometer von ihren Brutregionen im hohen arktischen Norden zum Überwintern bis in die Antarktis am anderen Ende der Welt – und wieder zurück.

Im Sommer locken Leckereien

In der kurzen Zeit des arktischen Sommers, wenn die Sonne fast rund um die Uhr scheint, explodiert das Leben in der Tundra. Frisches, saftiges Grün lockt die Pflanzen fressenden Karibus über hunderte von Kilometern in den hohen Norden - sie laufen selbst durch Flüsse hindurch (Bild unten). Milliarden von Insekten bieten Vögeln schier unerschöpfliche Nahrung.

Doch im Herbst verwandelt sich diese grüne Oase innerhalb weniger Wochen in eine lebensfeindliche Kältewüste. Dieses rasche Versiegen der Nahrungsquellen zwingt Karibus, Küstenseeschwalben, Ringelgänse und andere Tiere, sich rechtzeitig in den wärmeren Süden aufzumachen, wo es auch im Winter für sie ausreichend Nahrung gibt. Im anschließenden Frühjahr lockt nicht nur die kurze Zeit des Überflusses, sondern auch die vergleichsweise geringe Zahl von Feinden die Tiere dann wieder in den Norden.

Wandern zum Kinderkriegen

Andere Tierarten nehmen lange Wanderungen auf sich, um vor allem an sicheren Orten ihren Nachwuchs zu zeugen, zu gebären oder aufzuziehen. Lachse etwa ziehen sich zum Laichen in die entlegenen Quellgebiete von Flüssen zurück.

Grauwale (Bild oben) nutzen im Sommer die reichen arktischen Gewässer als Nahrungsgebiete. Ihren Nachwuchs bekommen sie dann im Winter im warmen Wasser geschützter Lagunen an der Westküste Mexikos. Frisch geborene Grauwalbabys hätten in den rauen, sturmgepeitschten Wellen der arktischen Gewässer keine Überlebenschance.

Die Grünen Meeresschildkröten des Atlantiks zieht es jedes Jahr an die Strände der einsamen Insel Ascension mitten im Ozean zurück, um sich zu paaren und ihre Eier sicher vor Raubtieren im Sand zu vergraben. Danach kehren sie über 1.000 Kilometer in ihre Nahrungsgründe an der Küste Brasiliens zurück (mehr über Meeresschildkröten liest du hier).

Unglaublich ist auch die Leistung der Kaiserpinguine in der Antarktis: Im dunklen Polarwinter hungern die Männchen vier Monate lang auf dem Festland bei eisigen Stürmen, dicht aneinander gedrängt, und brüten das einzige Ei aus, das ihre Partnerin gelegt hat. Erst wenn sie viele Wochen später von den Weibchen abgelöst werden, wandern sie – oft über 100 Kilometer weit – abgemagert zum fischreichen Meer zurück (mehr über Pinguine liest du hier).

Was der WWF tut

Der WWF kümmert sich daher ganz besonders um diese Zug- und Rastgebiete wandernder Tierarten: Den Millionen Zugvögel in der Arktis Alaskas oder Russlands, an der Küste Mauretaniens oder Südafrikas hilft er zum Beispiel, dass ihre Gewässer nicht leer gefischt oder verbaut werden.

In Ostafrika sorgt der WWF dafür, dass wandernden Zebras, Gazellen und Gnus nicht das Trinkwasser abgegraben wird.

Vor unserer Haustür hat der WWF mitgeholfen, dass unser einzigartiges Wattenmeer und die Ostseeküste als Nationalparks geschützt werden, denn sie sind ganz wichtige Rastplätze durchziehender Vogelschwärme.

Um die Tiere auch über Grenzen hinweg zu schützen, gibt es das „Übereinkommen zur Erhaltung der wandernden wildlebenden Tierarten“ in weltweit 109 Staaten. Der WWF macht sich dafür stark, diese Vereinbarung auch überall anzuwenden.

Wie wandernde Tiere ihren Weg finden und weitere Wandergeheimnisse erfährst du hier.

Wie unsere Zugvögel wandern, erfährst du hier.

Wie große Tiere in Afrika wandern, berichten wir dir hier.

Wie Tiere unter Wasser wandern, liest du hier.

Du möchtest den wandernden Arten helfen? Kein Problem! Gemeinsam mit dem WWF und YOUNG PANDA kannst du dich für ihren Schutz einsetzen. Wie das geht, kannst du hier lesen: Jetzt helfen!