Wandergeheimnisse -

gelüftet!

Woher wissen Tiere, wo ihr Nachwuchs sicher ist oder wo sie Nahrung finden können?

In manchen Fällen ist sicher der Grund, dass sich einst nah beieinander liegenden Nahrungs- und Fortpflanzungsgebiete oder Winter- und Sommerregionen durch geologische oder klimatische Änderungen immer weiter voneinander entfernt haben.

Zum Beispiel könnte das bis heute andauernde Auseinanderwandern des afrikanischen und südamerikanischen Kontinents seit mehr als 100 Millionen Jahren dazu geführt haben, dass die Grünen Meeresschildkröten – deren Vorfahren damals bereits die Erde bewohnten – immer längere Wege zwischen ihrem Nahrungs- und Brutgebiet zurücklegen mussten.

Der ostatlantische Vogelzug wiederum könnte seinen Ursprung in den Eiszeiten des Pleistozäns (vor zwei Millionen bis 10.000 Jahren) haben, in denen die arktischen Gletscher bis nach Norddeutschland reichten. Als die Eismassen sich mit einsetzender Erderwärmung langsam nach Norden zurückzogen, könnten viele Zugvögel nach und nach gefolgt sein.

Doch auch die Evolution spielt hier eine starke Rolle: Einige Tiere könnten durch Veränderung eines Erbmerkmals plötzlich unternehmungslustiger als andere geworden oder durch anderes Zugverhalten in ein anderes Gebiet als normal gezogen sein. Wenn sie dort erfolgreicher waren, zum Beispiel besser überlebten oder besser Kindern aufzogen, dann konnte sich das neue Merkmal schnell ausbreiten. So konnten neue Lebensräume besiedelt werden.

Wie aber wissen die Tiere, wann sie starten müssen?

Die Bereitschaft zum Wegziehen ist den Zugvögeln und den meisten anderen Tieren angeboren. Der genaue Termin wird meist durch die Temperatur und den Stand der Sonne ausgelöst. Die Vögel werden in  dieser Zeit immer unruhiger, bis sie schließlich in kleineren Gruppen oder ganzen Schwärmen starten.

Wie finden sie über so lange Strecken den richtigen Weg?

Das ist bis heute nicht genau erforscht. Von Zugvögeln weiß man aber inzwischen, dass sie gleich vier Möglichkeiten haben, sich zu orientieren:
1.    Zugvögel haben in der Regel einen inneren Kompass, mit dem sie das Magnetfeld der Erde spüren.
2.    Mit einem weiteren Orientierungssystem können sie die Richtung nachts am Sternenhimmel erkennen.
3.    Auch der Stand der Sonne ist ein wichtiges Hilfsmittel – was selbst bei dichten Wolken funktioniert, denn Vögel können die UV-Strahlung der Sonne wahrnehmen.
4.    Um zu einem bestimmten Ort zurück kommen zu können, erkennen Vögel von oben Landmarken, die sie auf früheren Flügen gelernt haben – also bestimmte Berge oder den Lauf eines Flusses.
5.   
Für diese enormen Leistungen muss ein kleiner Vogel ein Gehirn wie ein Großcomputer haben!