Kleine Drachen, große Drachen

Die Welt der Warane

Kannst du mit deiner Zunge deine Nasenspitze berühren? Falls ja: Respekt! Das ist aber noch gar nichts gegen einen Waran. Der kann seine Zunge noch viiiiel weiter ausfahren. Bei den meisten Arten ist sie länger als der Kopf!

Denn Warane brauchen ihre Zunge nicht zum Schlucken und Schmecken wie wir Menschen, sondern zum Riechen. Wie eine Schlange züngeln sie damit herum, um ihre Umgebung zu erkunden und Beute aufzuspüren – selbst mehrere Kilometer weit entfernt! Warane haben aber noch mehr Abgefahrenes zu bieten, zum Beispiel giftige Spucke und ein drittes Auge!

Außerdem werden sie gerne mit Drachen aus Märchen und Sagen verglichen – vor allem der Größte unter ihnen, der bis zu drei Meter lange Komodowaran. Er ist ein cleverer Jäger, der nur auf Komodo und weiteren kleinen Inseln in Indonesien lebt.

Alle 78 Waran-Arten gehören wie die Geckos, Leguane, Schlangen und einige andere zu den Schuppenkriechtieren, den Nachfahren der Dinosaurier.

Steckbrief Warane

© Thinkstock: Kämpfende Komodowarane

Lebensraum: Warane leben nur in Asien, Afrika, und Australien – und dort in Regenwäldern, Savannen und Wüsten.

Lebensweise: Warane sind Einzelgänger. Am Tag sind sie aktiv, nachts schlafen sie in Verstecken. Die meisten Arten sind Bodenbewohner, manche leben in den Bäumen und benutzen ihren Schwanz als Kletterhilfe. Sie können gut und weit schwimmen und sogar tauchen wie der Bindenwaran im Bild oben.

Kämpfe: Als Einzelgänger sehen Warane in jedem Artgenossen einen möglichen Gegner. Deshalb kann es rasch Streit geben, wenn zwei oder mehrere Tiere aufeinander treffen, egal ob Männchen oder Weibchen. Zuerst wird gedroht durch intensives Züngeln und Kopfnicken. Dann richten sich die Tiere auf und kämpfen wie Ringer miteinander. Meistens enden diese Rangeleien ohne größere Verletzungen und der Verlierer kann davon laufen.

Nachwuchs: Ab 5 bis 7 Jahren paaren sich die Tiere. Je nach Art legen die Weibchen 2 bis 35 Eier in eine Erdhöhle oder ein verlassenes Vogelnest. Bis zu acht Monate dauert es, bis die Jungtiere schlüpfen, Solange kommen die Mütter immer mal vorbei und prüfen, ob die Nester noch in Ordnung sind. Nach der Geburt aber sind die Jungen auf sich gestellt.

Feinde: Raubvögel, Raubfische und Schlangen haben es auf Warane abgesehen. Jungtiere sind sogar vor ihren eigenen Artgenossen nicht sicher. Deshalb suhlen sich kleine Warane im Kot oder Mageninhalt toter Beutetiere – iiiihhh! Der Gestank scheint erwachsene Warane abzuschrecken.

Aktiver als andere: Warane brauchen wie die meisten Reptilien morgens die Sonne, um Wärme zu tanken, damit sie richtig in Gang kommen. Doch tagsüber sind sie ausdauernder und schneller als andere Kriechtiere. Das liegt an ihrem Herz-Lungensystem. Es kann mehr Sauerstoff transportieren als das anderer Reptilien.

Nahrung: Als Jungtiere erbeuten sie Insekten und Spinnen. Doch dann wird gejagt und gefressen, was an Frischfleisch oder Aas vor der Schnauze auftaucht – je nach Waran-Art und Größe von der Maus bis zum Wasserbüffel. Manche Warane fressen auch Früchte.

Das dritte Auge: Zusätzlich zu ihren zwei normalen Augen besitzen Warane noch ein drittes – ein Scheitelauge. Es ist unter einem hellen Fleck auf einer großen Schuppe oben auf dem Kopf der Warane verborgen. Warane können damit nicht richtig sehen, aber hell und dunkel unterscheiden. Womöglich können sie damit wahrnehmen, wenn sich ein Fressfeind wie zum Beispiel ein Greifvogel von oben nähert – und dann rechtzeitig fliehen.

Gift in der Spucke: In zwei Drüsen im Unterkiefer produziert ein Waran giftige Substanzen, die – wenn er zubeißt – bei seinem Opfer Herzrasen und andere Kreislaufprobleme bis hin zum Schock hervorrufen können.

Alter: Vermutlich bis zu 30 Jahre.

Ganz verschiedene Warane

Der kleinste Waran ist der Kurzschwanzwaran, auch Zwergwaran genannt. Er wird höchstens 23 Zentimeter lang, hat im Vergleich zu anderen Waran-Arten einen kurzen Schwanz und wiegt nur etwa 17 Gramm. Er lebt in den Sandwüsten und im Grasland von Australien und frisst dort Heuschrecken, Spinnen, Raupen und Ameisen.

Die buntesten Warane leben in den Wäldern und Mangrovensümpfen von Neuguinea: der grüne Smaragdwaran (70 Zentimeter lang) und der erst kürzlich entdeckte Blaue Baumwaran (1 Meter). Sie leben, wie der Name schon verrät, in Bäumen und nutzen ihre langen dünnen Schwänze als Greiforgan zum Klettern.

Fast vegane Warane gibt es auf den Philippinen: der grau-grüne Gray-Waran, der schwarze Panay-Waran und der goldgelb gefleckte Varanus bitatawa. Sie gönnen sich zwar hin und wieder Schnecken oder Krabben, ernähren sich aber hauptsächlich von Früchten. (Vegane Ernährung bedeutet Essen komplett ohne tierische Produkte.)

Kluge Warane

Von wegen dumme Reptilien: Warane können Probleme lösen, aus Erfahrungen lernen und haben ein gutes Gedächtnis. Das haben Forscher durch Experimente und Beobachtungen festgestellt.

Zum Beispiel können Warane zählen. Weißkehlwarane wurden im Labor daran gewöhnt, in einem bestimmten Raum stets eine feste Anzahl von Schnecken vorzufinden. Wurde nach mehreren Fütterungen eine Schnecke weniger serviert, so begannen die Warane nach Verzehr aller vorhandenen Schnecken den ganzen Raum aufgeregt nach der fehlenden Schnecke abzusuchen.

Was Warane bedroht

Aus der schuppigen Lederhaut mancher Waran-Arten werden Geldbeutel, Schuhe, Uhrenarmbänder und Handtaschen hergestellt. Waran-Fleisch und Waran-Eier werden gerne gegessen. Außerdem werden Warane durch die sich ausbreitende Landwirtschaft zunehmend aus ihren Lebensräumen verdrängt. 20 Arten stehen bereits auf der Roten Liste, auch der Komodowaran.

Der WWF hilft deshalb mit, dass der unerlaubte Handel mit Waranen bekämpft wird. Und dass vor allem bedrohte Warane in Schutzgebieten eine sichere Heimat haben. 

Aktiv werden

• Echte Komodowarane erleben
kannst du in Deutschland in den Zoos von Frankfurt am Main und Leipzig, außerdem im Zoo Rotterdam in unserem Nachbarland Niederlande.

• Waranverwandte entdecken
kannst du bei uns in freier Natur. Beobachte Eidechsen, Blindschleichen und Schlangen, wenn sie im Sommer auf steinigen Plätzen ein Sonnenbad nehmen.

• Eidechsen helfen
Baue einen Treffpunkt für Eidechsen.

Du möchtest den Waranen helfen? Kein Problem! Gemeinsam mit dem WWF und YOUNG PANDA kannst du dich für seinen Schutz einsetzen. Wie das geht, kannst du hier lesen: Jetzt helfen!