Wisente

Die größten Landsäugetiere Europas

… sind auch die schwersten: So ein Wisentmännchen wiegt bis zu einer Tonne. Das ist so viel wie ein kleines Familienauto! Aber wo gibt es diese Urviecher?

Einst waren sie fast über ganz Europa verbreitet. Doch sie wurden gejagt, außerdem wurden ihre Wälder abgeholzt, in denen sie zurückgezogen gelebt haben. Vor rund 120 Jahren gab es nur noch zwei Vorkommen: im polnischen Urwald von Bialowieza und im Westkaukasus. Um das Jahr 1920 starben sie auch dort aus.

Zootiere wurden ausgewildert

Doch zum Glück hatten einige Wisente in zoologischen Gärten überlebt. Nach Jahren planmäßiger Züchtung wurden deren Nachfahren ab 1952 in Bialowieza ausgewildert – und vermehrten sich wieder in der Wildnis.

Seit 1996 siedelt der WWF zusammen mit Zoos weitere Wisente in Wäldern südwestlich von Moskau aus, bis heute über 50 Tiere. Insgesamt sollen dort 200 Tiere ausgesetzt werden. Seit ein paar Jahren hilft der WWF auch mit, Wisente im Kaukasus-Gebirge wieder anzusiedeln. Die Jagd auf sie ist heute überall weitgehend verboten.

Heute lebt die größte frei lebende Wisentgruppe in Bialowieza – es sind rund 980 Tiere auf polnischer und weißrussischer Seite. Außerdem leben wilde Herden heute in der Ukraine, in Litauen und in Russland.

Wisente in Deutschland

Aber du musst gar nicht mehr bis nach Polen oder den Kaukasus fahren, um Wisente in der Wildnis zu entdecken. Im April 2013 wurde im Rothaargebirge erstmals in Deutschland eine Wisent-Herde (acht Tiere) in die freie Wildbahn entlassen. Die sind im Wald natürlich kaum zu entdecken. Deshalb gibt es dort eine zweite Herde in einem großen Naturgehege, die kannst du dir in der „Wisent-Wildnis am Rothaarsteig“ anschauen.

Der WWF prüft, wo noch in Deutschland Wisente wieder ausgewildert werden können. Die seltenen Wildrinder benötigen große Waldgebiete, die möglichst wenig von Straßen durchkreuzt werden.

Steckbrief Wisent

Wisente sind die etwas kleineren europäischen Vettern der amerikanischen Bisons. Es sind Wildrinder und damit auch mit unseren Hausrindern verwandt, die du vom Bauernhof kennst.

Wisente werden bis zu drei Meter lang und haben eine Schulterhöhe von bis zu 1,95 Meter. Der aus Knochenfortsätzen und Muskeln gebildete Buckel ist besonders bei den Männchen ausgeprägt. Sie sehen damit ganz schön mächtig aus.

Die Männchen (Bullen) sind größer als gleichaltrige Weibchen (Kühe) und wiegen durchschnittlich zwischen 500 und 1.000 Kilogramm (das ist eine Tonne), im Gegensatz zu den 300 bis 500 Kilogramm leichten Kühen. Männchen wie auch Weibchen tragen kleine und nach innen gebogene Hörner.

Wisente leben in Müttergruppen aus durchschnittlich acht bis zwanzig Kühen, Jungtieren und Kälbern. Bullen halten sich meist am Rand solcher Gruppen auf. Sie leben in Verbänden mit bis zu sieben Tieren oder einzeln.

Wisente wandern, um genügend Nahrung zu finden, ihr Revier ist bis zu 200 Quadratkilometer groß, so eine Fläche hat die Großstadt Hannover.

Wisente fressen Laub, junge Baumtriebe, Wurzeln und Baumrinde, die sie immer hochwürgen zum Wiederkäuen. Im Urwald von Bialowieza verspeisen sie bis zu 131 Pflanzenarten – ganz schön abwechslungsreich! Sogar Brennnesseln gehören dazu. Eicheln fressen sie vor allem in der kalten Jahreszeit. Und zwar jede Menge: Ausgewachsene Tiere benötigen 30 bis 60 Kilogramm Futter pro Tag. Das ist mehr, als du wiegst!

Die Kühe gebären meist ein Kalb, in Gefangenschaft auch zwei. Kurz nach der Geburt sind die Kälber schon auf den Beinen und trinken bei der Mutter. Jungbullen sind bereits ab ihrem zweiten bis dritten Lebensjahr reif für die Paarung. Die Weibchen können dann schon Kinder kriegen. Wisente werden 14 bis 24 Jahre alt.

Wusstest du, dass es zum Wisent eine ganze YOUNG PANDA-Aktuell-Ausgabe gibt? Hier kannst du in die ersten drei Seiten reinschnuppern: YOUNG PANDA-Aktuell 3/14.

Du möchtest dem Wisent helfen? Kein Problem! Gemeinsam mit dem WWF und YOUNG PANDA kannst du dich für seinen Schutz einsetzen. Wie das geht, kannst du hier lesen: Jetzt helfen!