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Wölfe

Böse sind sie nur im Märchen

Aus Angst verfolgten die Menschen die Wölfe gnadenlos – und rotteten sie in vielen Ländern aus. Mit dem „Schießgewehr“ wie im Märchen, aber auch mit Fallen und Giftköder. Anfang des letzten Jahrhunderts wurde auch in Deutschland der letzte wilde Wolf getötet. Doch jetzt sind die Wölfe zurückgekehrt.

Der Bösewicht, der Rotkäppchen und seine Großmutter verspeist – so kennen wir den Wolf aus Grimms Märchen. Aber so ist der Wolf nicht in Wirklichkeit.

Früher war der Wolf das am weitesten verbreitete Raubtier der Erde. Zu seiner Beute gehörten Rehe, Wildschweine und auch kleinere Tiere. Manchmal fressen Wölfe auch Nutztiere, wenn diese nicht gut geschützt und dadurch leicht zu erbeuten sind. Das hat vermutlich dazu geführt, dass das der Wolf als „böse“ angesehen wurde – und solche Märchen wie Rotkäppchen entstanden. So wurde der Wolf verfolgt, bis in Deutschland 1904 das letzte wildlebende Tier erschossen wurde.

Der Wolf ist wieder da

Nachdem sie aber bei uns seit 1990 unter Schutz gestellt wurden, konnten wieder Wölfe aus Polen gefahrlos einwandern. In der ostdeutschen Lausitz siedelten sich auf einem Übungsgelände der Bundeswehr zwei Wölfe an und gründeten das erste deutsche Rudel seit mehr rund 90 Jahren. Denn dort ist es meist menschenleer und es gibt genügend Beutetiere. Ein Rudel nennt man bei Wölfen die Großfamilie.

Heute gibt es in Deutschland wieder 60 Rudel plus einige Paare und Einzeltiere, die vorwiegend in Sachsen, Brandenburg, Sachsen-Anhalt und Niedersachsen sowie vereinzelt in Mecklenburg-Vorpommern leben. Sie alle werden nicht mehr gejagt. Dafür sorgen die Gesetze und die Umweltminister der Länder. Mehr über die Rückkehr der Wölfe nach Deutschland liest du hier.

Familienbande

So ein Wolfsrudel kann manchmal aus über 10 Tieren bestehen: die Eltern, ihre meist vier bis acht Welpen und die einjährigen Geschwister. Die trennen sich nach ein bis zwei Jahren von ihren Eltern, wenn sie geschlechtsreif sind und selbst eine Familie gründen können.

Das Rudel ist für Wölfe sehr wichtig. Denn ein erwachsenes Tier braucht mindestens drei Kilogramm Fleisch am Tag. Dafür müsste er zum Beispiel rund 30 Rehe im Jahr jagen! 

Das schafft aber kein Wolf allein. Das geht nur gemeinsam im Rudel. Neben Hirschen sind das Rehe und Wildschweine, in nördlichen Regionen Elche, Moschusochsen und Rentiere. Wölfe fressen aber auch Hasen oder Wühlmäuse – und in Notzeiten auch Aas oder sogar Früchte.

Jede Wolfsfamilie jagt in ihrem Revier. Das kann unterschiedlich groß sein – je nachdem, wie viele Beutetiere es gibt. Bei uns ist ihr Revier etwa 250 Quadratkilometer groß, das ist so groß wie die Stadt Frankfurt am Main. In der Arktis hingegen streifen Wölfe bis zu 1.000 Quadratkilometer umher, um Nahrung zu finden – das ist eine Fläche größer als Berlin.

Auf die Plätze, heulen – los!

Die älteren Geschwister helfen den Eltern bei der Jagd. Die beginnt meistens mit einem gemeinsamen Heulen – Aaaaahuuuuu! Das stärkt das Wir-Gefühl – etwa so, wie manche Sportler vorm Wettkampf brüllen. Wölfe heulen aber auch, um Wölfen in den Nachbarrevieren zu sagen: Das ist unser Revier, bleib ja fern von hier. Jungtiere heulen auch, wenn sie auf Futter warten, während die Eltern auf Jagd sind.

Wölfe jagen nachts. Ihren scharfen Augen entgeht kaum ein Beutetier. Sie schleichen sich an ein Wildschwein oder einen Hirschen an und warten eine günstige Gelegenheit ab, um anzugreifen. Dann rennen sie plötzlich los und hetzen ihre Beute bis zu 50 Stundenkilometer schnell. Das ist schneller, als ein Olympiasieger rennen kann.

Das halten Wölfe aber nur eine kurze Strecke lang durch. Deshalb erwischen sie meist nur schwache oder kranke Tiere. 

Auf diese Weise überleben nur die gesunden und starken Hirsche, Rehe oder Wildschweine. Außerdem spüren diese Pflanzenfresser die Anwesenheit der Wölfe und ziehen daher öfters im Wald umher. Dadurch fressen sie den Wald nicht an einer Stelle kahl und er kann gleichmäßiger nachwachsen. Deshalb sind Wölfe wichtig für natürliche Wälder.

Gut umsorgte Kinder

Wolfsjunge kommen in einer Höhle zur Welt. Bei der Geburt sind sie noch blind und wiegen nur 300 bis 500 Gramm. Erst nach 11 bis 15 Tagen können sie sehen. Sie bleiben mit ihrer Mutter in den ersten Wochen in der Höhle, während die übrigen Familienmitglieder auf die Jagd gehen. Der Wolfsvater und seine einjährigen Jungen fressen sich voll und würgen die vorverdaute Nahrung für die Welpen dann in der Höhle wieder aus.

Schon nach den ersten Gehversuchen spielen die Jungen kleine Kämpfchen miteinander. Immer unter Kontrolle von Wolfsvater und Wolfsmutter, sie haben das Sagen in der Familie.

Vater und Mutter Wolf sind geduldig, wenn die Kleinen sie am Ohr reißen oder ständig auf ihnen herumtollen. Wolfswelpen genießen „Narrenfreiheit“. Sie dürfen Sachen machen, die anderen Rudelmitgliedern untersagt sind. In Menschenfamilien soll das ganz ähnlich sein ...

In den Wolfsgehegen und Zoos ist es anders: Dort leben oft Wölfe aus unterschiedlichen Familien zusammen.  Da ist der Stärkste unter ihnen der Boss, das so genannte Alphatier.

Steckbrief Wolf

Wölfe kommen in ganz verschiedenen Lebensräumen gut zurecht – in der arktischen Tundra genauso wie in heißen Wüsten. Sie leben in Nordamerika, Asien und Europa.

Zahl der Wölfe: In Europa leben außerhalb Russlands bis zu 12.000 Wölfe, weltweit höchstens 170.000 Tiere.

Farbe: In Europa sind Wölfe alle graubraun, in Nordamerika auch schwarz und im hohen Norden völlig weiß.

Größe: Ein Meter bis 1,60 Meter von Kopf bis Schwanzende, Schulterhöhe 60 bis 90 Zentimeter. Am größten sind sie in der Arktis, am kleinsten in den heißen Wüsten. Die europäischen Wölfe liegen etwa in der Mitte: Sie sind etwa so groß wie ein Schäferhund.

Gewicht: In Europa 28 bis 40 Kilogramm, in Alaska bis zu 80 Kilogramm. Wölfe in Saudi-Arabien werden sogar nur 15 Kilogramm leicht.

Weitere Arten: Im Süden der USA gibt es noch den Rotwolf und in Ostafrika (Äthiopien und Sudan) den Äthiopischen Wolf. Beide Arten werden nur bis zu 20 Kilogramm schwer und sind sehr selten geworden.

Super-Fähigkeiten: Wölfe können kilometerweit hören und riechen.

Mehr über Wölfe in Deutschland liest du hier.

Mehr über Wolfsverwandte erfährst du hier.

Hier liest du, was Wolf und Hund gemeinsam haben.

Du möchtest dem Wolf helfen? Kein Problem! Gemeinsam mit dem WWF und YOUNG PANDA kannst du dich für seinen Schutz einsetzen. Wie das geht, kannst du hier lesen: Jetzt helfen!