Die Alpen:

Alles Gute kommt von oben

Die Alpen sind nicht nur das höchste Gebirge, sondern zugleich die größte und artenreichste Naturregion Mitteleuropas. Obwohl nach oben hin das Leben immer härter wird …

Stell dir vor, du würdest die Alpen hinaufsteigen. Nach einiger Zeit wirst du vermutlich anfangen zu schnaufen. Denn mit zunehmender Höhe brauchst du mehr Kraft zum wandern. Weil mit der Höhe die Luft nicht nur kälter wird – um etwa 0,6 Grad Celsius pro 100 Meter – sondern auch immer dünner.

Auf dem allerhöchsten Gipfel der Alpen, in 4.800 Meter Höhe, gibt es in der Luft nur noch halb so viel Sauerstoff wie auf Meereshöhe. Je höher du bist, müsstest du also viel schneller atmen, um die gleiche Menge Sauerstoff in Deinen Körper zu pumpen. Das halten nur wenige Menschen aus, Extrembergsteiger tragen daher auch Sauerstoffmasken.

Die silbergraue Schneemaus hingegen lebt in Höhenlagen über 4.000 Metern ganz ohne Sauerstoffmaske. Sogar bis auf 4.300 Meter treibt es blühende Pflanzen wie den Gletscher-Hahnenfuß (im Bild oben) oder die Schwarze Schafgarbe. Dort machen ihnen keine anderen Arten den Platz streitig. Dafür wachsen sie hoch droben extrem langsam. Um zehn Zentimeter groß zu werden, braucht eine Landkartenflechte 200 Jahre!

Noch ein Rekord: Der 2,5 Millimeter kleine Gletscherfloh (Zeichnung oben) lebt auf den Gletschern und hält bis zu minus 16 Grad aus. Sein Geheimnis: Durch seinen Körper fließen spezielle Zuckerlösungen, deshalb friert er nicht ein. Er ernährt sich vor allem von Pollen und Erdstaub im Eis.

Unten Urwald, oben Tundra

© WWF Schweiz

Unten im Tal kann es zur gleichen Zeit aber genauso warm sein wie in München oder Hamburg. Denn so wie du in einem Teleskop Riesenentfernungen mühelos „zusammenschieben“ kannst, sind in den Alpen von unten nach oben mehrere Klimazonen auf wenigen Kilometern konzentriert.

Ab etwa 1.000 Meter Höhe zum Beispiel ist das Klima so kühl wie in Nordeuropa, deshalb wachsen dort nur noch Nadelbäume. Und ab 1.800 bis 2.200 Metern wächst gar kein Baum mehr, weil es zu kalt und zu stürmisch ist und die Bodendecke nur dünn ist. Da ist es so ähnlich wie in der arktischen Tundra, wo nur noch Gräser wachsen. Dort oben weiden im Sommer die Alpenkühe.

Ökoregion im Herzen Europas

Die Alpen erstrecken sich in einem großen Bogen vom Mittelmeer bis ins mittlere Osteuropa. Dieser Bogen ist etwa 1.200 Kilometer lang und bis zu 250 Kilometer breit und hat eine Fläche von 191.000 Quadratkilometern – das ist mehr als die Hälfte Deutschlands.

Der höchste Gipfel der Alpen ist der Mont Blanc mit 4.808 Metern. Der höchste deutsche Gipfel ist die Zugspitze mit 2.963 Metern. 128 Berge der Alpen sind Viertausender, etliche Berge mehr oder weniger vergletschert.

In den Alpen entspringt auch der Rhein.

Lebensraum für Spezialisten

Mehrere Klimazonen bedeuten zugleich auch viele Lebensräume. Kein Wunder, dass in den Alpen 30.000 Tierarten und rund 13.000 Pflanzenarten zu Hause sind. Sie alle sind meist auf bestimmte Höhenzonen und manchmal sogar auf nur wenige Täler spezialisiert und daher sehr anfällig gegen Störungen jeder Art. Der WWF zählt daher die Alpen zu den 238 wichtigsten Ökoregionen der Erde.

Typische Alpentiere

sind Steinadler, Bartgeier (Bild unten), Alpendohle, Schneehuhn, Birkhuhn, Bergmolch, Alpensalamander, Gämse, Steinbock, Murmeltier (Bild oben), Schneehase, Wolf, Braunbär und Luchs.
Insgesamt gibt es:
• 15 Reptilienarten,
• 21 Amphibienarten,
• etwa 80 Fischarten,
• etwa 80 Säugetierarten,
• etwa 200 Vogelarten
• und fast 20.000 wirbellose Tierarten.

Typische Alpenpflanzen und Pilze

sind Edelweiß, Alpenrose, Enzian und Soldanelle. Viele Pflanzen sind sehr klein oder haben starke Wurzeln, um extremem Wind und Regen zu trotzen. Ihre Blätter speichern Wasser oder sind behaart und schützen so gegen Kälte, Wind, Sonne und Austrocknung.
Insgesamt gibt es:
• 4.500 Gefäßpflanzenarten,
• mehr als 5.000 Pilzarten,
• 2.500 Flechtenarten,
• 800 Moosarten und
• 300 Leberblümchenarten.

Wie der WWF den Alpen hilft, liest du hier!

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