Himalaja:

Im Reich der Roten Pandas

Wie macht man aus Müll Brennstoff? Thomas vom WWF hat im höchsten Gebirge der Welt tolle Tricks kennengelernt, wie wir die Natur besser schützen können. Und natürlich hat er Paddy auch erzählt, wie es den Roten Pandas in der Wildnis geht.

Paddy: Na endlich kommst du, ich schlürfe hier schon meinen zehnten Bambusdrink.
Thomas (stöhnt): Uff, warum müssen wir uns auch unbedingt zum Interview oben auf dem Berliner Fernsehturm treffen?
Paddy: Ist das nicht das höchste Bauwerk Deutschlands?
Thomas (hechelt): Ja, ist es.
Paddy: Also sitzen wir hier oben sozusagen auf Deutschlands Dach.
Thomas (schnauft): Äh, ja, sozusagen …ach so, jetzt verstehe ich … weil ich auf dem Dach der Welt war …
Paddy: Genau. So nennt man doch den Himalaja?
Thomas: Richtig. Aber wieso, uff, sollte ich die Treppe benutzen statt des Aufzugs? Das waren genau (stöhn)  986 Stufen!
Paddy: Na, das ist doch klar, damit du zum Interview wieder ein Gefühl dafür bekommst, wie es im Himalaja war. Ganz wichtig, verstehst du? So machen es die Profi-Interviewer. So wie ich!
Thomas: Ich fass‘ es nicht, worauf hab‘ ich mich da eingelassen …
Paddy: Hehe, das ist eine große Ehre, ich befrage nicht jeden für die Young Pandas.
Thomas: Nö, nö, ist schon gut, ich wollte sowieso wieder mehr Sport treiben … also, leg‘ los, was willst du wissen?

Paddy: Ich hab' gelesen, das indische Wort Himalaja heißt übersetzt „dort, wo der Schnee wohnt“. Wieso wohnen dann dort Rote Pandas? Die mögen doch überhaupt keinen Schnee.
Thomas: Dauer-Schnee gibt es auch nur auf den Gipfeln ab 5.500 Meter aufwärts. Die Roten Pandas leben vor allem in den feucht-warmen Wäldern bis ungefähr 3.000 Metern Höhe.
Paddy: Und dort, wo die Roten Pandas wohnen, warst du?
Thomas: Genau, vor allem im indischen Bundesstaat Sikkim, wo ich mir das WWF-Projektgebiet der Roten Pandas angeschaut habe. Sikkim trägt den Roten Panda in seinem Wappen. Es ist ein kleines Land, noch nicht einmal halb so groß wie Thüringen. Und dabei absolut steil: von 280 Meter Höhe bis zum 8.586 Meter hohen Kangchendzönga, dem höchsten Berg des Landes.
Paddy: Oje, da bist du ja ständig am kraxeln.
Thomas: Genau. Und die Straßen sind so steil, eng und voller Kurven, dass die Autos kaum aneinander vorbeikommen. Damit sie nicht zusammenstoßen, sind viele Schilder aufgestellt, auf denen empfohlen wird, zu hupen.
Paddy: Echt?
Thomas: Ja. Vor allem in der Regenzeit ist das Fahren heftig, wenn der Himmel pechschwarz wird und das Wasser nur so die Berge herunterschießt.

Paddy: Immerhin haben die Menschen dort immer genug Wasser zu trinken und genug Wasser für ihre Felder.
Thomas: Tja, das ist ja das Verrückte, Wasser ist genau das Problem. Denn es gibt nicht genug davon.
Paddy: Hä? Eben hast du noch gesagt, dass es da kübelweise regnet …
Thomas: …und das Wasser superschnell wegfließt, ja, aber es wird nicht gespeichert.
Paddy: Verstehe ich nicht: Du hast doch gesagt, da wachsen Wälder, die speichern Wasser. Also meine Freundin Birgit vom Landwirtschaftsteam hat mir erzählt, dass Tropenbäume ganze Wassertanks voll nasser Erde festhalten können.
Thomas: Dummerweise wurden aber viele Bäume abgeholzt.
Paddy: Auweia, wie blöde ist das denn? Warum haben das die Menschen getan?
Thomas: Nicht weil sie blöde sind, sondern aus Not, weil sie das Brennholz zum Kochen und Heizen brauchen.
Paddy: Aber das ist doch sehr steil dort, oder? Wenn da keine Baumwurzeln mehr den Boden festhalten …
Thomas: … dann schwemmt der Regen die ganze fruchtbare Erde weg. Genau so schrecklich ist es, Paddy. Die Menschen haben sich selbst und der Natur geschadet. Jetzt wollen wir vom WWF mithelfen, die Fehler der Vergangenheit wieder zu beheben.
Paddy: Indem ihr wieder Bäume anpflanzt?
Thomas: Ja, aber nicht nur. Denn bis die groß sind, dauert es ja viele Jahre. Deshalb hilft der WWF, dass  schon jetzt in Trockenzeiten aus Quellen wieder Wasser fließt.
Paddy: Wie geht das denn? Gibt’s da Zauberer, die mit Zauberstäben in der Erde herumfuchteln?
Thomas: Nein, mit Spaten.
Paddy: Wie bitte?
Thomas: Es sind auch keine Zauberer, sondern ganz normale Menschen, die Löcher graben.

Paddy: Löcher?
Thomas: Keine normalen Löcher, sondern Gruben, zwei Meter lang, einen Meter tief. Hunderte solcher Gruben.
Paddy: Das wird ja immer verrückter …
Thomas: Die Wände und Böden der Gruben werden schön festgedrückt, so wie du das auch mit einem Lehmklumpen machst, damit er nicht mehr bröckelt.
Paddy: O.k., aber wie bitte schaffen diese Gruben aus dem Nichts jetzt Quellwasser?
Thomas: Ganz einfach: Die Gruben sind alle oben auf Hügeln und Bergkuppen. Wenn es in der Regenzeit regnet, fangen die Gruben das Oberflächenwasser auf. Weil die Erde darin festgeklopft ist, versickert das Wasser nur sehr langsam. Auf diese Weise fließt nicht alles Regenwasser gleich auf einmal weg, sondern es bleibt ein Vorrat in der Erde, der nach und nach weiter unten aus natürlichen Quellen aus dem Berg fließt. Dort zapfen es die Anwohner dann in Kanistern ab. Die Bauern haben so länger Wasser für ihr Vieh und ihre Felder zur Verfügung. So können sie mehr ernten und haben mehr zu essen.

Paddy: Tolle Idee – und so einfach. Da hätte sogar ich drauf kommen können … Aber ist das Wasser nicht ganz dreckig, wenn es durch die ganze Erde  sickert, bevor es unten am Berg heraus kommt?
Thomas: Im Gegenteil, Paddy, es ist sogar sauber, weil Erdboden ganz natürlich das Regenwasser wie ein Filter reinigt. Funktioniert übrigens überall so, auch bei uns in Deutschland.
Paddy: Wirklich? Wieder was gelernt. Und wie geht’s den Roten Pandas? Sind die sicher oder bedroht?

Thomas: Im Barsey Rhododendron-Schutzgebiet gibt es etwa 380 Tiere, die sind ziemlich sicher, denn da hat sich einiges verbessert. Früher haben die Menschen ihr Vieh zum Weiden einfach in den Wald getrieben, wo sie dann viel Pflanzen wie Bambus weggefressen haben. Darunter litten  die Roten Pandas. Nun ist die Waldweide offiziell verboten, auch, weil der WWF darauf gedrängt hat.
Doch es kommen noch immer arme Menschen in den Wald, weil sie Brennholz zum Heizen und Kochen sammeln. Sie stören die Pandas und verdrängen sie.
Paddy: Gibt‘s denn nichts anderes zum verbrennen, was die Leute nutzen können?
Thomas: Genau da ist der WWF dran.
Paddy: Wie denn?
Thomas: Ein paar pfiffige Bewohner hatten eine Idee. Sie hatten sich im Kangchendzönga-Nationalpark darüber geärgert, dass immer mehr Bergtouristen ihre Landschaft mit Verpackungen zumüllten. Und dass zugleich immer mehr Anwohner Bäume fällten, um daraus Brennholz für die Touristen zu machen. Denn für die kochen sie und verdienen damit Geld.
Paddy: Ich verstehe nicht, wie hängt das denn zusammen?
Thomas: Ganz einfach: Sie entwickelten einen Brennstoff aus Verpackungsabfällen, eine Art Brikett namens „Matola“, ungefähr tellergroß. Diese Matolas sind leicht herzustellen und zu transportieren. Sie qualmen nicht, sie stinken nicht und sie produzieren Hitze für mehr als eine Stunde. Genug für eine Mahlzeit.

Paddy: Das ist ja spitze. So gibt es keinen Müll mehr, der Wald und die Roten Pandas werden geschont und die Leute verdienen auch noch daran. Da können die Leute in Sikkim mächtig stolz darauf sein.
Thomas: Das sind sie auch. Jetzt können sie die Natur nutzen, ohne ihr zu schaden.
Paddy: Also, Thomas, möchtest du nicht einem Großen Panda etwas Gutes tun? Dann könntest auch du mächtig stolz auf dich sein.
Thomas: Na, aber sicher. Was müsste ich denn tun?
Paddy: Mir einfach noch zehn Bambusdrinks spendieren, hihi!
Thomas: Unglaublich!!!