Vom Braunbär bis zum Leoparden:

Wer im Kaukasus zu Hause ist

Der Kaukasus liegt an der Grenze zwischen Europa und Asien. Es ist etwas ganz Besonderes, denn es gehört zu den 25 biologisch reichsten Regionen der Erde! Kein Wunder, bei fast 7.000 Tier- und Pflanzenarten, die dort schon gezählt wurden.

Der Kaukasus ist etwa zweieinhalbmal so groß wie die Alpen und fast anderthalbmal so groß wie Deutschland. Das Gebirge erstreckt sich über die Länder Georgien, Aserbaidschan und Armenien sowie Teile von Russland, der Türkei und des Iran.

Unser Reporter Paddy hat WWF-Kaukasus-Experte Aurel Heidelberg vor allem zu den Tieren befragt – und spannende Dinge erfahren, besonders über ein kleines Bärenmädchen.

Paddy macht ein Interview ...

... mit Aurel Heidelberg

Aurel: Hallo Paddy, was ist denn mit deinem Büro los? Ich komme ja gar nicht rein.
Paddy: Doch, kommst du, musst nur ganz vorsichtig über den Kaukasus herübersteigen.
Aurel: Ich sehe nur lauter Haufen Knete.
Paddy: Das sind keine Haufen, das da ist der Kazbek, dort der höchste Berg Europas, der Elbrus mit 5.642 Metern. Und da drüben der höchste Gipfel des kleinen Kaukasus, der Aragaz mit 4.090Metern.
Aurel (hat sich an den Tisch gesetzt): Wow, jetzt sehe ich, du hast wirklich versucht, das Kaukasus-Gebirge nachzubauen … Respekt!
Paddy (etwas beleidigt): Was heißt versucht? Das ist der Kaukasus. Ich wollte sehen, wie hoch der Unterschied zu den Alpen ist. Schau‘ doch mal unter den Tisch.
Aurel: Hä? Da ist ja noch so ein Knethaufen.
Paddy (jetzt noch etwas mehr verärgert): Das ist der Mont Blanc, der höchste Berg der Alpen. Schieb‘ ihn mal neben den Elbrus.
Aurel (bückt sich, stößt sich den Kopf): Oh Mann, ein Interview mit dir habe ich mir einfacher vorgestellt. Hier bitte.
Paddy (misst beide Berge aus): Aha – der Kaukasus ist 800 Meter höher.
Aurel: Wie bitte? Du meinst 8 Zentimeter.
Paddy: Bist du Wissenschaftler oder ich? Das Ganze ist natürlich ein Modell! Ein Bergemodell. 1.000 Meter sind 10 Zentimeter. Verstehst du?
Aurel: Jaaaa! Und wozu? Das steht doch in jedem Atlas.
Paddy: Das weiß ich auch! Ich wollte sehen, wie viel höher der Kaukasus als die Alpen ist. In der Natur kannst du ja schlecht die Berge nebeneinander stellen.
Aurel: Ach so, jetzt verstehe ich – sehr clever, Paddy.
Paddy: Du bist also beeindruckt von meinem Kaukasus-Modell?
Aurel: Und wie. Vor allem, weil du so auch leichter verstehen kannst, wieso es im Kaukasus so enorm viele Tier- und Pflanzenarten gibt.
Paddy: Ach was? Wirklich?
Aurel: Na klar. Da gibt’s superhohe Berge mit Gletschern, wo es eiskalt ist. Dann eine flache Küste am Schwarzen Meer, wo es warm ist und üppige Wälder wachsen. Mit hohen Bergen dahinter, an denen sich die Wolken richtig ausregnen. Der Mtirala-Berg zum Beispiel ist der regenreichste Ort Europas, da regnet es bis zu sechsmal mehr als bei uns. Mehr sogar als in manchen tropischen Regenwäldern. Und dann gibt es riesige Täler, die keine natürliche Verbindung zu anderen Gebieten haben. Da können überall eine Menge ganz verschiedene Arten leben. Auch solche, die es nirgendwo sonst auf der Welt gibt.
Paddy: Welche zum Beispiel?
Aurel: Etwa einige Baumarten wie die Nordmannstanne. Du kennst sie als Weihnachtsbaum.
Paddy: Langweilig …
Aurel: Außerdem leben im Kaukasus viele seltene Tierarten wie der Kaukasische Tur, eine Steinbockart, das Armenische Mufflon, die Darevski-Kreuzotter und Kaukasus-Leopard.
Paddy: Wir haben Leoparden in Europa, juchhu!
Aurel: Im Kaukasus leben außerdem weltweit seltene Arten wie die Bezoarziege, der Maralhirsch, die Kropfgazelle, die Streifenhyäne, das Stachelschwein …
Paddy: Halt, Moment mal, bist du jetzt nicht in Afrika?
Aurel: Nein, nein, das ist ja der Hammer. Im Kaukasus gibt es genauso trockene Grassteppen, da leben wirklich Hyänen, Stachelschweine und Gazellen. Der Kaukasus hat eben mehr als 100 verschiedene Landschaftstypen.
Paddy: Leben dort auch richtig große Tiere?
Aurel: Na klar, Wisente, Wölfe, Luchse und Braunbären. Ein Braunbärjunges haben wir erst neulich ausgewildert.
Paddy: Erzähl‘!!!

Hilfsaktion für Mascha

 

Aurel: Im Oktober 2012 fanden Wildhüter ein Bärenjunges, das allein umher lief. Ohne Mutter wäre es nicht über den Winter gekommen. Also fingen Wildhüter das Jungtier ein und brachten es in ein großes Gehege in der armenischen Hauptstadt Jerewan. Dort wurde es mit Wildnahrung gefüttert und wir haben aufgepasst, dass es sich nicht zu sehr an Menschen gewöhnt.
Paddy: Warum?
Aurel: Damit es nach der Auswilderung nicht gleich wieder zu den Menschen rennt und um Futter bettelt. Bei einem Braunbärkind findest du das noch süß, aber wenn dir ein erwachsener Braunbär auf der Suche nach Futter die Haustür eintritt, ist das nicht so lustig.
Paddy: Oha, daran habe ich nicht gedacht. Ja, und dann, wie ging es weiter?
Aurel: Unsere kleine Mascha, so haben wir das Braunbärmädchen genannt, wuchs im Winter und Frühjahr gut heran, bald wog sie schon 60 Kilogramm. Zugleich suchten wir ein Gebiet, wo wir sie auswildern könnten – eines mit wenigen Menschen und viel Nahrung. Wir fanden es im Süden Armeniens, dort gibt es mehrere große Naturschutzgebiete. Am 2. Juli 2013 war es dann soweit. Mascha wurde in  die Freiheit entlassen.
Paddy: Hast du geweint?
Aurel: Vor Freude! Aber manchmal höre ich noch von ihr, dann weiß ich, dass es ihr gut geht.
Paddy: Wie? Ihr telefoniert? Und seit wann kannst du bärisch?
Aurel: Witzbold! Mascha hat vor der Auswilderung einen Sender um den Hals bekommen. So können wir verfolgen, welche Wege sie zurücklegt und wo ihre Lieblingsplätze sind. Wenn wir dann eines Tages erfahren, dass Mascha eine eigene Familie gegründet hat, wissen wir: Die Mühe hat sich gelohnt, die Auswilderung ist gelungen.

Was der WWF im Kaukasus noch alles macht

Paddy: Was tut der WWF noch für die tollen Tiere im Kaukasus?
Aurel: Vor allem viele Schutzgebiete einrichten, insgesamt gibt es heute bereits mehr als 250 im Kaukasus. Ein Zehntel des Gebirges steht heute unter Schutz. Da sind wir ganz schön stolz darauf, dass wir dabei mitgeholfen haben. Vor 20 Jahren hat der WWF sein erstes Kaukasus-Büro eröffnet. Heute ist der WWF der wichtigste Naturschutz-Partner der Kaukasusländer.
Paddy: Ihr helft auch bedrohten Arten?
Aurel: Wie dem Kaukasus-Leoparden, von dem es nur noch 40 bis 60 Tiere in der Wildnis gibt. Wir überwachen die Gebiete, wo sie leben, mit Wildhütern und Fotofallen.  Außerdem helfen wir, gefährdete Wildarten wie den Kaukasus-Leoparden, den Maralhirsch, die Kropfgazelle und den Wisent im Kaukasus wieder anzusiedeln, damit sie sich wieder vermehren. Zum Teil Tiere aus anderen Beständen, beim Kaukasus-Leoparden auch aus Zoos. Leider sind früher einige Lebensräume durch den Menschen zerstört worden.
Paddy: Pflanzt ihr deshalb auch neue Wälder für die Tiere?
Aurel: Ja, wir haben schon mehr als drei Millionen Bäume gepflanzt. Und zwar solche, die im Kaukasus heimisch sind und deshalb dort gut wachsen.
Paddy: Wow, ganz schön viel. Haben die Menschen dort auch was davon?
Aurel: Ja. Denn neue Wälder speichern Wasser und schützen Boden und Klima. Ihr Holz, ihre Nüsse und Früchte können später von den Menschen genutzt werden – und zwar naturschonend, so dass immer was übrig bleibt. Das war in der Vergangenheit leider nicht immer so. Deshalb helfen wir vom WWF den Menschen im Kaukasus, künftig sorgsam mit ihren Naturschätzen umzugehen.
Zugleich helfen wir ihnen auch, Elektrozäune um ihre Obstplantagen zu ziehen, damit ihnen die Braunbären oder andere Wildtiere nicht alles wegfuttern. Der Strom dafür wird übrigens von der Sonne erzeugt.
Paddy: Das ist ja clever. Da habe ich eine Menge gelernt. Ich danke dir für das Gespräch, Aurel Kaukasus.
Aurel: Ich heiße Heidelberg!
Paddy: Haha, nach diesem Interview nicht mehr, lieber Herr Kaukasus. Denn du weißt ja so viel, da passt der neue Name. Und er macht doch deutlich mehr her, oder? Und zur feierlichen Umbenennung schenke ich dir meinen supergigantischen Kaukasus aus Knete. Klasse, was?
Aurel (schaut leicht verzweifelt): Oh … ja, wirklich klasse. danke Paddy. Der bekommt einen Ehrenplatz. In meinem Keller …

Mehr über Braunbären erfährst du hier.

Du möchtest den Tieren und der Natur im Kaukasus helfen? Kein Problem! Gemeinsam mit dem WWF und YOUNG PANDA kannst du dich für ihren Schutz einsetzen. Wie das geht, kannst du hier lesen: Jetzt helfen!