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Ostsee

Wunder der Eiszeit

Eigentlich ist die Ostsee noch ein Ozeanbaby, denn sie entstand vor gerade mal 12.000 Jahren. Die meisten anderen Meere auf der Erde sind mehrere Millionen Jahre alt. Aber nur die wenigsten haben eine so spannende Geschichte wie die Ostsee.

Als die Gletscher tauten

Geboren wurde sie als gigantischer Süßwassersee, gespeist aus dem Schmelzwasser vieler tauender Gletscher, als die letzte Eiszeit zu Ende ging und es wärmer wurde. Vor rund 10.000 Jahren schwappte dann erstmals Meerwasser in die Ostsee (in Mittelschweden), weil der Meeresspiegel anstieg. Später hob sich das von den schweren Gletschern erleichterte Land im Norden und stoppte wieder den salzigen Zustrom aus dem Atlantik. Erst vor etwa 8.000 Jahren schwemmten erneut salzige Fluten in den riesigen Süßwassersee, diesmal zwischen schwedischem Festland und dänischen Inseln. Dieser schmale Durchbruch zur Nordsee blieb bis heute die einzige Verbindung der Ostsee zum Weltmeer. Genau genommen sind es heute drei: Sie heißen Öresund, Großer Belt und Kleiner Belt. Und weil von dort nur wenig Salzwasser hineinschwappt, schmeckt das Wasser der Ostsee viel weniger salzig als das der Nordsee.

Das Süßeste unter den Salzigen

Zugleich füllen Regen, Schnee und mehr als 200 Flüsse die Ostsee mit Süßwasser. Deshalb hat die Ostsee höchstens einen Salzgehalt von nur 0,8 Prozent (das heißt 0,8 Teile von Hundert) – die Nordsee dagegen 3,5 Prozent. Trotzdem würdest du das Wasser ausspucken: Auch 0,8 Prozent schmecken ganz schön salzig. Der Zufluss von frischem, sauerstoffreichem Salzwasser ist superwichtig für das Ökosystem Ostsee. Er vor allem verhindert einen längeren tödlichen Sauerstoffmangel am Meeresboden. Und es gibt noch mehr Außergewöhnliches an und in der Ostsee zu entdecken: Merkwürdige Küstenlinien zum Beispiel oder Bernstein am Strand, ganz viel gerundete Felsen und besonders viele Kegelrobben – Deutschlands größte Raubtiere!

Kegelrobben entdecken

Vor etwa 100 Jahren glaubten Ostsee-Fischer, dass ihnen die bis zu 2,3 Meter großen Kegelrobben die Fischbestände wegfressen würden. Deshalb begann eine irre Jagd auf Kegelrobben. Trotzdem gab es immer weniger Fische in der Ostsee. Denn es waren die Fischer selbst, die immer mehr die Ostsee leer fischten. Bald gab es in der südlichen Ostsee keine einzige Kegelrobbe mehr – und an der Nord- und Ostküste nur noch rund 2.000 Tiere! Um diese letzten Exemplare zu retten, wurden Schutzgebiete eingerichtet und das Robbenjagen verboten. Auch wurde die Ostsee etwas sauberer, weil die Einleitung bestimmter Schmutz- und Giftstoffe verboten wurde. Dank dieser Überlebenshilfen gibt es heute wieder 22.000 Kegelrobben in der nördlichen Ostsee! Immer mehr Tiere werden auch an der deutschen Küste gesichtet.