Bäche

Die Lebensadern unserer Landschaft

Wilde Bäche machen, was sie wollen: Sie rauschen, gurgeln, gluckern. Fließen mal nach links oder rechts, über Steine, über Sand, mal ober- oder unterirdisch. Bäche können wilde Gesellen sein, die über Felsen metertief nach unten stürzen. Oder blubbernde Rinnsale, die gut versteckt durch eine Wiese zuckeln und die man nicht sieht, bevor man aus Versehen in sie hinein tritt. Platsch!

Ihr Bett – so nennt man den vertieften Untergrund, auf dem sie fließen – verändern Bäche gerne. Vor allem im Frühjahr nach der Schneeschmelze, wenn sie zu einem kleinen Fluss anschwellen und über die Ufer treten. Wilde Bäche finden immer wieder neue Wege, drehen Schleifen, fließen zur Seite, um die Ecke, ja sogar wieder rückwärts, wenn es da ein bisschen schneller abwärts geht.

Forscher vergleichen Bäche gerne mit den Adern, die das Blut in Deinem Körper transportieren. So ähnlich verteilen Bäche das Wasser fast überall hin, wo es gebraucht wird. Sie machen Böden fruchtbar, Wälder grün und Wiesen saftig.

Denn mit den Bächen an der Oberfläche fließt immer auch mehr oder weniger viel Grundwasser unterirdisch in die gleiche Richtung – ähnlich einer U-Bahn unter der Straßenbahn. Aus dem Grundwasser wird unser Trinkwasser gewonnen.

Bäche sind aber nicht nur enorm wichtig für den Naturhaushalt, sie sind auch selbst wertvolle Lebensräume für viele seltene Tier- und Pflanzenarten.

Wo ein Bach geboren wird

Geboren wird ein Bach zumeist aus einer Quelle an einem Hang. Das ist die Stelle, aus der Grundwasser aus dem Boden oder den Spalten im Gestein ganz natürlich an die Erdoberfläche tritt.

Das Grundwasser ist nichts anderes als Regenwasser, das durch Boden und Gestein gesickert ist und dabei ganz natürlich von Millionen Ton- und Sandkörnchen gereinigt wurde. Deshalb ist Grundwasser meist das sauberste Trinkwasser, das es gibt.

Es fließt auch bergab, in unterirdischen Gesteinsschichten. Gaaanz langsam im Sandstein zum Beispiel, wo es zwischen Sandkörnchen nur wenig Platz zum Fließen gibt. Oder schneller in den Spalten von sehr harten Gesteinen wie Basalt.

Auf ihrem Weg bergab verbinden sie sich mit anderen Bächen, werden immer größer, bis sie mehr als fünf Meter breit sind. Dann werden sie „Fluss“ genannt, sind sozusagen erwachsen und fließen ruhiger, bis sie mit anderen großen Flüssen zusammen dem Meer entgegenströmen, in das sie alle münden.

Lange Zeit haben Menschen die Bäche nicht so wichtig genommen, haben sie als Müllabladeplatz genutzt, begradigt, in Rohre gezwängt oder zubetoniert. Bis sie merkten, dass viele Tier- und Pflanzenarten verschwinden, Wiesen, Wälder und Äcker verdorren und unser Trinkwasser sich verschlechtert, wenn man die kleinen Bäche schlecht behandelt.

Deshalb hat der WWF mitgeholfen, Bäche zu renaturieren. Das bedeutet: Sie aus ihrer Betonröhre zu befreien, ihnen wieder einen abwechslungsreichen Naturlauf mit Kurven und mit flachen und tiefen Wasserbereichen zu graben und das Ufer mit typischen Bäumen und Büschen zu bepflanzen. Zugleich setzte sich der WWF dafür ein, Umweltgifte zu verbieten.

Heute sind eine ganze Reihe Bäche wieder sauberer und fließen wieder natürlich. Jetzt arbeitet der WWF daran, dass unsere Äcker weniger gedüngt werden, damit von dort mit dem Regen nicht mehr so viele überflüssige Nährstoffe von Äckern in die Bäche gespült werden.

Außerdem kümmert sich der WWF darum, dass an möglichst vielen Orten – auch in Städten – kleine Bäche wieder zur Wildnis werden dürfen und die Fische und andere Bachbewohner zum Beispiel nicht durch Staumauern, Gitter oder Netze vom Wandern abgehalten werden.