Wie bio

sind Biokühe und Biomilch?

Paddy fragte Markus vom WWF. Der ist Experte für Landwirtschaft und war gerade auf einem Biobauernhof mit Biomilchkühen.

Paddy: Hallo Markus, Biomilch ist lecker, gut für die Natur und macht schön und stark  … schau‘ mich an!
Markus: Übertreibst du nicht ein bisschen? Gut für die Natur stimmt ja, aber ich glaube, schön und stark warst du schon vor der Milch …

Paddy: Findest du? Das ist aber nett. O.k. dann sag mal genauer: Was ist an der Biomilch so gut?
Markus: Dass sie naturschonender hergestellt wird als solche Milch, die konventionell, das heißt üblicherweise, hergestellt wird.
 
Paddy: Haben die Bauern da Handschuhe an, oder was heißt „naturschonender“?
Markus (lacht): Nein, naturschonender bedeutet zum Beispiel, dass die Kühe tiergerechter gehalten werden, sie öfters im Freien sein können und dort mehr Platz haben und es ihnen dadurch besser geht. Ordentlich Auslauf im Freien auf der Weide ist bei Biohaltung vorgeschrieben, in der konventionellen Haltung hingegen wird das Weiden leider immer weniger. Dabei ist Weiden genau das, was die Kuh will.
Naturschonender heißt auch, dass die Tiere kein genetisch verändertes Futter kriegen und auch im Durchschnitt weniger Kraftfutter. Außerdem wird bei der Biomilchgewinnung weniger Energie benötigt.

Paddy: Oje, heißt das, die Biokühe müssen im Winter im Stall frieren und hungern?
Markus: Nein, auf keinen Fall. Kühe fühlen sich bei 5 bis 10 Grad sehr wohl und frieren sehr selten, sie legen sich sogar gerne mal in den Schnee.
Und das mit dem Futter erkläre ich dir am besten mal ganz praktisch am Beispiel von Biobauer Bischoff aus Langballig bei Flensburg, den ich im Sommer besucht habe.

Paddy: Oja, bitte, als Panda verstehe ich Praktisches immer viel besser.
Markus: Also, bei Bauer Bischoff leben 150 Rinder. 65 davon sind erwachsene Kühe, die gemolken werden. Jede Kuh bei ihm gibt im Sommer im Durchschnitt 22 Liter Milch am Tag. Bei konventioneller, also sonst üblicher Fütterung könnten durchschnittlich weitere 6 Liter oder noch mehr gemolken werden.

Paddy: Biokühe geben also weniger Milch. Das klingt jetzt erst mal schlecht für den Biobauern, wenn er seine Milch verkaufen will. Wie kommt das?
Markus: Bei konventioneller Fütterung wird den Tieren meist etwa doppelt so viel Kraftfutter gegeben.

Paddy: Aber ist das nicht gut, dann werden es auch Superkühe mit Supermilch, oder?
Markus: Naja, konventionelle Kühe, die mit viel Kraftfutter gefüttert werden, sind so was wie ein Ferrari im Stall. Sie leisten sehr viel in sehr kurzer Zeit, sind aber auch schon nach viereinhalb Jahren erschöpft und können nur noch wenig Milch geben. Biokühe hingegen sind eher wie ein Golf, sie geben nicht so viel Milch wie die konventionellen Kühe, dafür tun sie das aber deutlich länger, bis zu fünfeinhalb Jahre.
Viel Kraftfutter kostet außerdem Geld und extra Anbaufläche. Und diese Fläche ist oft nicht auf dem Hof, sondern weit weg. Meist wird Soja verwendet, das aus Brasilien kommt. Um dort Soja anzubauen, werden wertvolle Wälder abgeholzt. Schlecht für die Wälder, die darin lebenden Tiere und Pflanzen und schlecht fürs Klima.

Paddy: Auweia, das ist natürlich gar nicht gut.
Markus: Außerdem gibt Bauer Bischoff seinen Kühen schon auch Kraftfutter, nur eben nicht so viel. Und es ist Kraftfutter ausschließlich von seinem eigenen Hof wie zum Beispiel Roggen, der garantiert ohne Chemie gedüngt ist! Auch das ganze frische Gras oder Heu oder die Silage, die er verfüttert, sind von seinem eigenen Hof. Bauer Bischoff versorgt seine Tiere also komplett selbst und wirtschaftet im Kreislauf, er muss nichts hinzukaufen. Das spart Energie und Geld – und hilft dem Regenwald und dem Klima.

Paddy: Das klingt sehr vernünftig. Er pumpt weniger zugekauftes Zeug in die Kühe und ist dafür mit weniger Milch zufrieden.
Markus: So ist es.

Paddy: Und deshalb kostet Biomilch wahrscheinlich auch ein bisschen mehr.
Markus: Genau. Weil Biokühe durch die naturnahe Haltung weniger Milch als konventionelle Kühe geben.

Paddy: Und wie läuft das mit dem Melken ab? Kommen die Kühe dazu freiwillig in den Stall?
Markus: Ja, tatsächlich. Zum Melken werden die Kühe zweimal am Tag in den Stall getrieben und können danach wieder auf die Weide. Nur die Muttertiere, die ihr frisch geborenes Kalb versorgen, sagt Bauer Bischoff, geben ihre Milch meist nicht freiwillig ab. Damit eine Kuh Milch gibt, muss sie jedes Jahr ein Kalb bekommen.

Paddy: Aber was ist eigentlich diese Silage, die Bauer Bischoff verfüttert?
Markus: Silage besteht aus verschiedenen Sorten Gras und Klee, die gemäht werden und nach einigen Tagen zusammengefahren und dann in einem Silo verdichtet und luftdicht abgeschlossen werden. Da drin fängt es dann an zu gären und dadurch wird das ganze Grünzeug sehr haltbar. Je nach Grundlage heißt das dann Kleegras- oder Maissilage.

Paddy: Ui, das stinkt bestimmt gewaltig.
Markus: Ach was, es riecht etwas säuerlich, so wie Sauerkraut. Für die Kühe duftet es ganz wunderbar.

Paddy: Na gut, dass ich keine Kuh bin. Ich esse meinen Bambus gerne frisch!