Doktor Schimpanse

Wie Tiere sich helfen, wenn sie krank sind

Wenn es dir mal nicht gut geht und du krank bist, bekommst du oft vom Arzt eine Medizin verordnet. Kranke Tiere in der Wildnis haben keinen Arzt, zu dem sie gehen können. Also müssen sie sich schon selber heilen.

Das klingt unglaublich, gibt es aber wirklich: Tiere, die sich selbst kurieren. Das machen sie auf ganz verschiedene Weise. Papageien zum Beispiel fressen Erde, genauer gesagt Tonerde und Kalkklümpchen! Denn manchmal futtern Papageien auch unbekömmliche, ja sogar giftige Früchte und Samen. Dagegen hilft ihnen vor allem die angeschwemmte Tonerde an Flussufern. Sie macht das Gift im Magen unschädlich und sorgt für ein schnelles Ausscheiden. Zugleich enthält der Ton wertvolle Mineralstoffe (Bild unten).

Ton und Lehm (da ist zum Ton noch Sand dabei) fressen auch Elefanten. In Afrika wie im WWF-Projekt Dzanga-Sangha gibt es richtig große Plätze im Wald, wo sie zusammenkommen und Schlamm schlürfen, das ist der flüssige Lehm (Bild unten). Der hilft nicht nur bei Bauchweh, sondern schützt den Darm und hilft gegen Durchfall.

So helfen sich die Menschenaffen

Am pfiffigsten sind wohl Menschenaffen, die gezielt nach bestimmten Pflanzen suchen, um bestimmte Beschwerden und Krankheiten zu heilen.

Wenn zum Beispiel Schimpansen Würmer im Darm haben, die sie jucken, dann suchen sie die Blätter der Aspilia-Pflanze, eine Art wilde Sonnenblume. Die sind richtig haarig bis stachelig und schmecken bitter. Normalerweise würden die Affen sie nicht fressen. Doch kranke Tiere pflücken diese Blätter, falten sie mit den Lippen und schlucken sie unzerkaut herunter. Die flutschen dann fast unverdaut vom Magen in den Darm. Genau dort bleiben dann die Würmer in den Haaren der Blätter hängen und werden mit ihnen nach draußen befördert. Clever, was? Diese Beobachtung hat Professor Michael Huffmann von der Universität in Kyoto gemacht, der lange in Tansania Schimpansen erforscht hat.

Herr Huffmann ist ein Fachmann der Zoopharmakognosie. Wie bitte? Zoo-pharma-kogno-sie! So nennt man wissenschaftlich den Gebrauch von Heilmitteln aus der Natur durch Tiere.

Herr Huffmann hat auch beobachtet, dass Schimpansen eine Medizin gegen Durchfall haben: das Mark des Mjonso- oder Bitterblatt-Baums. Normalerweise meiden die Tiere diesen Baum, denn Blätter und Rinde sind, der Name verrät es schon, bitter und giftig. Doch wenn sie Durchfall haben, lutschen Schimpansen das Mark aus den Zweigen und kauen die Blätter – aber ohne sie zu schlucken. Einen Tag später geht es den Tieren dann wieder gut. Herr Huffmann und andere Fachleute haben sich daraufhin den Bitterblatt-Baum mal im Labor näher angeschaut. Und siehe da: Sie haben darin gleich 13 Stoffe gefunden, die gegen Bakterien und Schmarotzer im Körper helfen. Super, dass die Schimpansen die Medizin dieses Baumes ganz ohne Labor gefunden haben!

Wir Menschen können von den Tieren lernen

Bis heute wurden bereits mehr als 30 Pflanzenarten entdeckt, die Schimpansen, Bonobos und Gorillas in Afrika als Heilpflanzen benutzen. Auch Orang-Utans in Asien bedienen sich bestimmter Pflanzen gegen Krankheiten. Das Wissen geben sie an ihre Kinder weiter.

Auch wir Menschen können von den Tieren lernen – und tun es bereits. Die Blätter des Bitterblatt-Baumes zum Beispiel werden in der traditionellen Medizin Afrikas gegen Durchfall eingesetzt (allerdings nicht roh, sondern abgekocht). Und die wilde Möhre wird in der traditionellen Medizin gegen dauerhaften Juckreiz eingesetzt.

Auch unsere Haustiere können sich selbst behandeln. Vielleicht hast du schon mal gesehen, wie eine Hauskatze oder ein Hund Gras frisst. Ein Hund tut dies, um leichter Unverdauliches zu erbrechen. Katzen scheint das Gras zu helfen, wenn sie zu viele Haare aus ihrem Fell geleckt haben.

Tiere können sich auch vor Insekten schützen – lies mal hier!

Einige Beschreibungen haben wir aus der Ärzte-Zeitung entnommen.