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Fleischfressende Pflanzen

Verlockende Fallen

Ob bei „Harry Potter“ oder in anderen Filmen: Riesige fleischfressende Pflanzen sorgen im Kino für mächtig viel Grusel. In Wirklichkeit sind sie viiiiel kleiner als im Film. Ihre Lieblingsspeise sind Insekten.

Rund 800 Arten fleischfressender Pflanzen leben auf der Erde, einige sogar bei uns in Deutschland. Sie verspeisen meist kleine Insekten wie Mücken, Fliegen oder Spinnen. Die größeren von ihnen wie die Kannenpflanzen können aber sogar kleine Nagetiere verschlucken. 

Fleischfressende Pflanzen, so genannte Carnivoren, sind Blütenpflanzen mit meist schwach ausgebildeten Wurzeln. Sie betreiben wie alle anderen Pflanzen Photosynthese, das heißt: Sie wandeln Sonnenlicht auf chemischem Wege in Nahrung um. 

Aber: Wo sie wachsen, in Mooren oder Regenwäldern, ist der zweite Nahrungslieferant der Pflanzen, der Boden, meist sehr arm an Nährstoffen. Tiere sind daher für sie ein notwendiger Leckerbissen, der ihnen hilft, zu wachsen und zu gedeihen.

So fangen Pflanzen Tiere

1. Klappfallen: Wenn Insekten auf einem der fein behaarten Blätter, vom süßen Nektar angelockt, landen und mehrfach die winzigen Härchen berühren, dann schnappt ganz plötzlich die Falle zu. Dann gibt es kein Entrinnen.Haben sich die beiden Blattseiten geschlossen, bildet sich ein Hohlraum, in dem die Insekten durch Pflanzensäfte ganz langsam verdaut werden. Voll gruselig! Zu den Klappfallen gehören die Venusfliegenfalle und Wasserfalle.

2. Klebefallen: Sonnentau, Fettkräuter, Regenbogenpflanzen, Taublatt und die carnivore Liane haben auf ihren Blättern und Tentakeln kleine Drüsen. Sie geben einen verführerisch lecker riechenden Saft ab, der aussieht wie Nektar. Ist die Fliege erst mal gelandet, sorgt dieser süße Klebstoff dafür, dass sie haften bleibt. Je mehr sie versucht, sich zu befreien, desto tiefer verfängt sie sich in der Falle. Tentakel drücken sie gegen das Blatt und das große Verdauen beginnt.

3. Saugfallen: Im Wasser wachsen die so genannten Saugfallen, auch Wasserschläuche genannt. Unter Wasser erzeugen sie in ihren leeren Blasen einen Unterdruck. Kommt ein Insekt an eines ihrer Auslöserhärchen, öffnet sich ein „Türchen“ zu der Blase: Blitzschnell wird das Tier mit dem einströmenden Wasserschwall in die Pflanze gesaugt – und verspeist.

4. Fallgrubenfallen: Der Zwergkrug, die Kobralilie, die Sumpfkrüge, die Kannenpflanzen und die Schlauchpflanzen locken mit wunderschönen kelchförmigen Blättern voller Nektar die Insekten an. Sind diese einmal drauf gelandet, gibt´s kein Halten mehr: Sie rutschen einfach die glatten Innenwände hinunter. Bis sie in einer Kammer landen, aus der sie gar nicht oder nur sehr schwer wieder nach oben herauskommen.

5. Reusefallen: Eine Reuse braucht man eigentlich zum Fischfang. Sie ist ein tonnen- oder kegelförmiges Netz mit trichterförmigem Eingang, durch den kein Fisch mehr rausfindet. Bei den Reusenfallen der Pflanzen ist das genauso: Insekten gehen, angelockt von süßem Duft, immer tiefer rein, bis sie in eine Art Magen gelangen. Wie bei den Fallgruben verhindern auch hier Härchen, dass sie wieder hinausklettern können.

Die Venusfliegenfalle hält die Klappe

Die Venusfliegenfalle ist im Durchmesser etwa 20 Zentimeter groß. Am Ende eines jeden Blattes bildet sich eine drei bis vier Zentimeter große Klappfalle. In freier Natur kommt die Pflanze nur in den Moorgebieten von North und South Carolina (USA) vor. Sie ist deshalb so bekannt, weil sie als Zierpflanze ihren Weg in viele Wohnzimmer gefunden hat.

Ist die Venusfliegenfalle besonders „hungrig“, kann die Falle in etwa einer zwanzigstel Sekunde zuschnappen – durch das Rein- und Rauspumpen von Pflanzensaft in Stiel und Blättern. Allerdings nur, wenn das Insekt kurz hintereinander die dort wachsenden drei kleinen Fühlborsten (pro Blatthälfte) berührt. So wird verhindert, dass die Falle auch bei Regen oder Wind zuklappt.

Allerdings kann ein Blatt nur höchstens siebenmal zuschnappen, dann stirbt es ab. Das ist aber kein Problem für die Venusfliegenfalle: Dank der Insektenhappen wachsen neue Klappblätter nach.

Die Kannenpflanze verschlingt selbst Ratten

© WWF

Die Kannenpflanze wächst in vielen tropischen Ländern der Südhalbkugel unserer Erde, vor allem in Südostasien.

Ihre trichterförmigen Fallen, die tatsächlich wie eine Kanne aussehen, können im Durchmesser bis zu einen Meter groß werden. Kannenpflanzen verdauen zwar meist Insekten. Doch können in ihren Riesentrichter durchaus auch Ratten und Vögel hineinfallen – und verdaut werden. Guten Appetit!

Am Boden der Kanne schwappt eine Mischung aus Verdauungssäften und Regenwasser. Bis zu vier Liter Verdauungsflüssigkeit kann die Kannenpflanze speichern.

Kein Wunder: Mit Ranken und Blüten wird sie bis zu 20 Meter groß. Sie besitzt bis zu 80 Zentimeter lange „Blätter“, an denen bis zu 60 Zentimeter hohe Kannen wachsen.

Der Sonnentau hilft bei Husten

Wasserschlauch, Fettkräuter und Sonnentau sind carnivore Pflanzen, die bei uns zu Hause sind – in der Uckermark genauso wie in den Mooren der Rhön oder des Spessarts. Sie stehen alle unter Naturschutz, denn sie werden immer seltener. Wenn du sie also einmal in Mooren, Sümpfen oder an Bachufern entdecken solltest: Bitte nur anschauen!

Der Sonnentau ist eine Klebefalle. Ihn gibt’s in 150 Arten und er gehört zu den größten Fleisch fressenden Pflanzen: In tropischen Ländern kann er bis zu 70 Zentimeter im Durchmesser erreichen, in unseren Breiten höchstens 6 bis 8 Zentimeter. Er lockt Insekten mit süßem Nektar an, der wie Tautropfen auf seinen Blättern aussieht – daher sein Name.

Schon vor Hunderten von Jahren haben Menschen seine Heilkraft erkannt: Er hilft gegen Bronchitis, Asthma und Keuchhusten.

Der WWF tut was

Sonnentau in Salben und Säften, die es bei uns zu kaufen gibt, stammt fast nur aus Wildsammlungen aus Ländern, wo die Pflanzen noch häufiger vorkommen und nicht wie bei uns unter Naturschutz stehen. Denn Sonnentau lässt sich nur schwer anbauen.

Viele Sonnentauarten sind jedoch selten geworden, weil ihr Lebensraum – das sind Feuchtgebiete und Tropenwälder – weltweit zerstört werden. Und weil einige Arten als Heilpflanzen viel zu häufig aus der Wildnis entnommen werden, so dass kaum noch junge Pflänzchen nachwachsen können.

Deshalb kümmert sich der WWF darum, dass Sonnentausammler nur so viele Wildpflanzen entnehmen, wie wieder nachwachsen können. „Nachhaltige Wildsammlung“ nennen das Experten.

Auch indem der WWF weltweit für den Erhalt von Feuchtgebieten und Tropenwäldern kämpft, tut er etwas für den Erhalt des Sonnentaus und vieler anderer Fleisch fressender Pflanzen.