„Klimaschutz ist gar nicht kompliziert“

sagt WWF-Klimaschutzexpertin Erika Bellmann

Saubere Energien statt dicker Luft: So können wir das Klima schützen. Wie das geht und warum das superwichtig ist, erklärt Erika unserem Reporter Paddy.

Paddy: Damit du es weißt, ich sitze nur hier, weil Nicole mich eben in dein Büro geschubst hat.
Erika: Warum das denn? Ich beiße doch nicht.
Paddy: Weiß ich doch. Nein, wegen des Themas Klimaschutz. Das ist so …
Erika: Schwierig?
Paddy: Ja, und so düster. Immer hat es irgendwas mit Weltuntergang zu tun, sagt das Fernsehen. Das will ich gar nicht mehr hören.
Erika: Nun mal langsam, Paddy, Klimaschutz ist doch gerade deshalb so eine tolle Sache, weil wir damit Gutes tun für unser Leben in der Zukunft. Also auch für die Zeit, wenn die Young Pandas groß sind.
Paddy:
Hm, so habe ich das noch nicht gesehen. Aber ist Klimaschutz nicht immer so kompliziert? Ich kapiere ja schon den Wetterbericht kaum.
Erika: Ach was. Klimaschutz ist gar nicht kompliziert. Pass‘ auf: Wollen wir weniger Treibhausgase in die Luft blasen, müssen wir zwei Dinge tun – erstens weniger Energie verbrauchen und zweitens nur saubere Energie erzeugen, bei der keine Treibhausgase entstehen. Ist das zu kompliziert?
Paddy: Wow, nein, das ist glasklar.

Woher kommt unsere Energie?

Erika: Also los, dann trau‘ dich, interview mich endlich!
Paddy: O.k., los geht‘s: Also, der Strom kommt ja aus der Steckdose.
Erika: Bitte?
Paddy (lacht kurz): Alter Witz! Aber woher kommt er wirklich?
Erika: Der meiste Strom bei uns wird durch die Verbrennung von Kohle, Erdöl und Erdgas oder in Atomkraftwerken erzeugt. Kohle, Erdöl und Erdgas sind fossile Brennstoffe …
Paddy: … was heißt das?
Erika: Das bedeutet, sie sind über Millionen von Jahren aus urzeitlichen Überresten von Pflanzen entstanden. Heute wird weltweit die meiste Energie durch Verbrennung solcher fossiler Brennstoffe gewonnen. Dabei entstehen Gase wie Kohlendioxid, die unser Klima auf der Erde allmählich wie die Luft in einem Treibhaus erwärmen – daher der Name „Treibhausgase“, Paddy.
Paddy: Aha, verstehe. Aber ich habe gelesen, Kohle, Erdöl und Erdgas gibt es gar nicht mehr so viel?
Erika: Richtig, die Vorräte werden eines Tages zu Ende gehen. Deshalb nennt man sie auch nicht-erneuerbare Energien. Dazu gehört übrigens auch das Uran, das in Atomkraftwerken zur Stromerzeugung eingesetzt wird. Bei der Atomenergie fällt zudem Abfall an, der noch viele tausend Jahre gefährlich ist.
Paddy: Uuh, klingt beides nicht toll. Gibt es keine Energien, die sauber und nicht so gefährlich sind und außerdem noch ganz lange da sind?
Erika: Doch, solche sauberen Energien gibt es. Man gewinnt sie aus Sonne, Wasser, Erdwärme, Biomasse und Wind.
Paddy: Was genau ist denn daran sauber?
Erika: Bei ihrer Nutzung entstehen weder Treibhausgase noch Abfall.
Paddy: Und diese Energien sind nicht irgendwann alle?
Erika: Nein, Sonne, Erdwärme, Biomasse, Wasser und Wind sind über Millionen von Jahren dauerhaft nutzbar! Deshalb heißen sie auch erneuerbare Energien.

„Deutschland ist Windkraftweltmeister“

Paddy: Yippie, ich verstehe alles! Dann erzähle doch mal was über diese erneuerbaren Energien.
Erika: Gern, Paddy. Starten wir mit dem Wind. Aus Wind wird in Deutschland die meiste erneuerbare Energie gewonnen. Deutschland ist auch der weltweit größte Nutzer von Windenergie, sozusagen  Windkraftweltmeister. Fast 25.000 Windenergieanlagen gibt es bereits, einige von ihnen stehen sogar im Meer vor der deutschen Küste.
Paddy: Ha, jetzt hab ich doch eine düstere Frage: Solche Windparks im Meer finden manche Umweltschützer gar nicht so gut, weil sie befürchten, die riesigen Windräder könnten Zugvögel töten oder Fische und Schweinswale vertreiben. Was sagst du dazu?
Erika: Manchmal sind Lösungen nicht einfach zu finden, das gebe ich zu. Wir Menschen nutzen Meere eben keineswegs nur für Windparks, sondern auch für den Schiffsverkehr, die Fischerei oder die Förderung von Erdöl oder anderen Rohstoffen. Doch deshalb muss es zugleich Schutzgebiete geben, wo Tiere ungestört vom Menschen leben können. Dafür setzen wir uns beim WWF ein. Und wir sagen: Windparks sollten nur außerhalb von Schutzgebieten gebaut werden und nur dort, wo es keine Zugvögel-Wanderungen gibt. Außerdem müssen die Windanlagen im Meer gegen Schiffsunfälle besonders gesichert werden und möglichst leise sein.

„Sonne macht das Wasser warm“

Paddy: O.k., was ist mit der Sonne?
Erika: Die Sonne strahlt ständig große Mengen an Energie in den Weltraum. Diese Sonnenenergie trifft auf die Erde in Form von Wärme, sichtbarem Licht und nicht sichtbarem ultraviolettem Licht, so genannter UV-Strahlung. Es gibt Geräte, die wandeln diese UV-Strahlung und Teile des sichtbaren Lichts der Sonne direkt in elektrische Energie um. Diese Umwandlung nennt man Photovoltaik. Die Geräte dazu heißen Solarzellen.
Paddy: Schau‘ mal, ich habe einen Taschenrechner mit Solarzellen …
Erika: Oja, es gibt winzige Solarzellen oder riesige Anlagen, die viele tausend Häuser mit Strom versorgen können. Auch die Wärme des Sonnenlichts kann man in Energie umwandeln – mit einem Sonnenkollektor. Es gibt sie auf Dächern und an Wänden von Häusern.
Paddy: Wie geht das denn?
Erika: Mit dem Sonnenkollektor wird Wasser erwärmt. Damit kannst du baden, Wäsche waschen oder heizen.
Paddy: Wasser, das ist auch eine erneuerbare Energie, hast du gesagt. Wenn ich nach dem Bad aus der Wanne steige, sieht das Wasser aber gar nicht mehr erneuerbar aus …
Erika: Es geht ja auch um fließendes Wasser, das hat nämlich ganz schön Kraft. Je schneller es fließt, desto mehr. Aus dieser Kraft kann man Energie gewinnen. Bei einer Wasserkraftanlage fließt Wasser – aufgestaut durch Dämme – über eine Rohrleitung auf eine Turbine, die einen Generator antreibt, der dann Strom erzeugt. Am Meer kann auch die Kraft der Gezeiten genutzt werden, um Strom zu erzeugen – also das Hin- und Herschwappen des Wassers bei Ebbe und Flut.
Paddy: Brauchen solche Dämme nicht sehr viel Platz?
Erika: Du hast Recht, große Anlagen benötigen viel Platz und versperren Fischen in Flüssen den Weg. Außerdem müssen große Flächen für die Bildung von Stauseen überschwemmt werden. Oft ist deshalb beim Bau eines Wasserkraftwerks der Eingriff in die Natur größer als bei Wind- oder Solaranlagen. Deshalb zieht man Wind und Sonne der Wasserkraft vor.

„Auch wo es eklig gärt und brodelt, wird es warm“

Paddy: Du hast auch von Erdwärme gesprochen. Die Erde in meinem Garten ist aber nur warm, wenn die Sonne drauf scheint.
Erika: Dann fasse mal tief in deinen Komposthaufen. …
Paddy: Iiieeeh …
Erika: … dann merkst du, da drin ist es viel wärmer als draußen. Das Geheimnis: Viele Kleinstlebewesen fressen die Pflanzenabfälle, dabei wird Wärme frei. Aber, Paddy, das hat nichts mit Erdwärme zu tun, das ist Energiegewinnung aus Biomasse.
Paddy: Du meinst, wo es eklig gärt und brodelt, wird es warm?
Erika: Genau. In einem Bioreaktor – das ist ein luftdicht verschlossener Behälter mit speziellen Bakterien – kann man neben Pflanzenresten und Holz auch zum Beispiel Kuhmist verwenden. Dabei entsteht Biogas. Das kann man wie Erdgas genauso zum Heizen, als Grundstoff für die chemische Industrie, als Treibstoff in Gasmotoren oder zur Stromerzeugung verwenden. Es gibt noch zwei andere Arten von Bioreaktoren: zur Erzeugung von Ethanol und zur Erzeugung von Diesel. Man verwendet diese als Treibstoff für Autos. Reste aus den Bioreaktoren kommen dann als Dünger wieder auf den Acker.
Paddy: Stark. Aber was ist jetzt Erdwärme?
Erika: Wenn du tief in die Erde bohrst, wird es immer wärmer, im Durchschnitt etwa 3 Grad Celsius pro 100 Meter. Pumpst du nun Wasser in Rohren bis 3.000 Meter und tiefer nach unten, erwärmt es sich auf über 90 Grad und steigt als heißer Wasserdampf nach oben. Damit kann man ein Gebäude heizen oder sogar in einem Kraftwerk Strom erzeugen.

„Wir müssen die Politiker anschubsen“

Paddy: Genial. Wir haben also gleich fünf erneuerbare Energien zur Auswahl. Warum aber wird immer noch so viel Energie aus Kohle und Erdöl erzeugt?
Erika: Weil Veränderungen Zeit brauchen. Es hat sich schon was getan, es werden bereits immer mehr erneuerbare Energien eingesetzt, aber du hast Recht, das geschieht noch viel zu langsam. Viele Politiker tun sich noch schwer, jetzt rasch und entschlossen zu handeln. Da müssen wir vom WWF und viele andere sie ordentlich anschubsen.
Paddy: Bei einer Bundestagswahl zum Beispiel?
Erika: Ja, das ist eine gute Gelegenheit, von den Politikern etwas zu fordern. Je mehr wahlberechtigte Erwachsene ihr „Ja zur Energiewende!“ hören lassen, umso größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass die Energiewende gut vorankommt. Gebraucht werden Politikerbeschlüsse zum weiteren Ausbau der Wind- und Solarkraftwerke und zum Umbau des Stromnetzes. Auch das Energiesparen kann politische Unterstützung gut gebrauchen.
Paddy: Wenn wir Energie sparen, brauchen wir vielleicht gar nicht so viele Kraftwerke.
Erika: Richtig, Paddy. Energie sparen kann man fast überall. Zum Beispiel Häuser warm einpacken. Eine gute Wärmedämmung verhindert, dass das Haus im Winter zu rasch auskühlt. Oder auf kurze Autostrecken verzichten und dafür mit der Bahn oder dem Rad fahren – oder laufen. Das gilt auch für Kinder: Du brauchst keinen Fahrer für die Schule!
Paddy: Oha, richtig, Young Pandas können ja selbst eine Menge für den Klimaschutz tun. Hier haben wir die besten Tipps zusammengestellt.
Danke dir, Erika, für deine spannenden Infos. Du hast recht: Klimaschutz ist eine tolle Sache – und überhaupt nicht düster!

Mithelfen:

Vor allem Energie sparen und dort, wo es geht, auf saubere Energien umsteigen. Nützliche Tipps zum Klimaschutz findest du hier >>