Magische Moore

Geheimnisvolle Lebensräume

Ganz schön gruselig können sie sein, die Moore, und für viele Tiere und Pflanzen sogar richtig lebensfeindlich. Denn Moore sind ganz schön extrem – extrem nährstoffarm, extrem kalt und extrem sauer.

„Oh schaurig ist’s, übers Moor zu geh‘n“ – so beginnt ein 170 Jahre altes Gedicht über einen Jungen, der bei Dunkelheit durch ein Moor läuft – immer schneller, um nicht in dem weichen Boden zu versinken.

Damals gab es noch viel mehr Moore in Deutschland als heute – geheimnisvolle Gegenden, wo der Boden so nass ist, dass er wabbelt wie ein Wackelpudding. Diese Landstriche waren in früheren Zeiten gefürchtet, wegen der vielen Tümpel und Schlammlöcher, in denen man auf Nimmerwiedersehen versinken konnte. Wegen des oft dichten Nebels, in dem man ganz schnell die Orientierung verlor.

Doch wenn man Moore trocken legte, hatte man Ackerboden, und man konnte dort Torf gewinnen. So nennt man die feuchten, nährstoffarmen, zusammengepressten, braun-schwarzen Pflanzenreste. Torf wurde vor allem in früheren Jahrhunderten abgebaut, in ziegelförmigen Quadern getrocknet und als Brennmaterial zum Kochen und Heizen verwendet.

Mit dem Torf verschwanden leider viele Moore – was traurig ist, denn es sind nicht nur für unser Klima wichtige Lebensräume.

Im Moor gibt’s Saures!

Wer im Moor lebt, muss extrem genügsam sein. Auch wenn es mehr als genug Wasser gibt, sind die Lebensbedingungen hart, weil der durchnässte Boden nur wenige Nährstoffe enthält. Denn dort werden die abgestorbenen Pflanzen nicht – wie zum Beispiel im Wald – von Kleingetier und Bodenbakterien vollständig zersetzt.

Nein, im Moor ist es anders: Abgestorbene Pflanzen werden kaum zersetzt und versinken dort einfach im glitschnassen Boden. Außerdem ist das Wasser im Moor extrem sauer – manchmal fast so sauer wie Essig. Unter Luftabschluss und wachsendem Druck werden die Pflanzen daher zu Torf.

Weil das Wasser im Moor so sauer ist, gibt es im Moor auch keine Fische, keine Schnecken, keine Muscheln und keine Krebse. Im Moor sind dafür ganz besondere Pflanzen und Tiere zu Hause, die es nirgendwo anders gibt.

Die Moorbaumeister

Das Torfmoos zum Beispiel scheint das ewige Leben für sich gepachtet zu haben. Während es unten abstirbt, wächst es oben ständig weiter – und zwar bis zu 20 Zentimeter im Jahr! Torfmoose können wie ein Schwamm Wasser speichern. Während sie dem kargen Untergrund die wenigen Nährstoffe entziehen, geben sie Säure ab – und machen dadurch anderen Pflanzen buchstäblich das Leben  sauer! Sie sind die Baumeister der Hochmoore, die sie wie ein dicker, nasser Teppich überdecken.

Torfmoose können pro Jahr eine ein Millimeter dicke Schicht Torf produzieren. Auf diese Weise wachsen die meisten Moore ganz langsam in die Höhe. In 1.000 Jahren macht das etwa einen ganzen Meter. Wenn du also weißt, wie dick das Moor ist, weißt du ungefähr, wie alt es ist.

Die Fliegenschnapper

Weil der Moorboden so wenig Nährstoffe enthält, gibt es dort Pflanzen, die auf andere Weise zu Nährstoffen wie Stickstoff oder Phosphor kommen. So lockt bis zu 15 Zentimeter große Sonnentau mit einer süßen, klebrigen Flüssigkeit Insekten an. Sie tropft aus kleinen Tentakeln, die aus den Blättern herauswachsen. Eine geschickte Falle: Fliegen oder andere Insekten, die sich davon anlocken lassen, kleben an den Blättern fest, werden eingerollt und bei lebendigem Leib von der Pflanze verdaut. Denn der Sonnentau ist eine Fleisch fressende Pflanze.

In Hochmooren wächst auch das Scheiden-Wollgras – eine bis zu 60 Zentimeter hohe Pflanze, die ihre Samen mit weißen Haarbüschen umhüllt. Außerdem gedeihen in Mooren oft besondere Pflanzen wie die Mosbeere oder die Rosmarinheide.

Fliegende Juwelen

In Mooren leben viele Insekten – zum Beispiel spezialisierte Käfer, Spinnen, Schmetterlinge und Libellen. Zu den auffallendsten Libellen in Niedermooren gehören die Frühe Adonislibelle und in Hochmooren die Hochmoor-Mosaikjungfer, die mit einer Flügelspannweite von mehr als zehn Zentimetern zu den größten Libellen Europas gehört. Sie legt ihre Eier ausschließlich in die Torfmoose, wo sie zu vielen Babylibellen heranreifen.

Blau und schlau

Zu den raffiniertesten Insekten am Rande des Hochmoors gehört der Große Moorbläuling. Diese Schmetterlingsart ist so benannt nach ihren blau schimmernden, mit schwarzen Punkten besetzten Flügeln. Der Falter legt seine Eier nur in die Blüten des Großen Wiesenknopfes, einer Pflanze, die auf Moorwiesen wächst. In dessen roten Blüten entwickeln sich die Schmetterlingseier zu Raupen, die nur diese Blüten fressen.

Im Herbst lassen sich die Raupen zu Boden fallen und werden von Ameisen in deren Nest geschleppt – vermutlich, weil die Raupen Ameisenlarven ähnlich sehen und süßlich riechen. Damit holen sich die Ameisen einen Schmarotzer in ihren Bau, denn die Schmetterlingsraupen verputzen Ameisenlarven! Die Raupen hingegen können dort bei angenehmen Temperaturen überwintern und sich schließlich verpuppen. Im Frühjahr sprengen sie ihre Puppenhaut und schwingen sich als wunderschöne blaue Falter in die Lüfte.

Noch mehr Moorbewohner

Der Moorfrosch (sein Bild siehst du weiter oben) fühlt sich im Gegensatz zu anderen Froscharten in dem sauren Moorwasser richtig wohl. Während des Höhepunktes der Paarungszeit kann die Haut der Männchen himmelblau erscheinen.

Der Moorfrosch gehört zu den bevorzugten Beutetieren der Kreuzotter. Die 50 bis 70 Zentimeter lange Giftschlange mit dem markanten schwarzen Zickzackband auf dem Rücken tötet ihn mit einem Biss.

Nur wenige größere Tiere haben sich an das Hochmoor angepasst. Dazu gehören Vögel wie das Birkhuhn, das zwischen den Zwergsträuchern brütet und das sich von verschiedenen Ameisenarten ernährt. Der Große Brachvogel hat einen langen gebogenen Schnabel, mit dem er im weichen, nassen Moorboden nach seiner Hauptspeise, Insekten und Würmern, stochert.

Der WWF schützt die Moore

Moore gleichen gigantischen Schwämmen, die enorm viel Wasser aufnehmen können und dadurch Überschwemmungen und Flutkatastrohen abmildern können. Dumm nur, dass gerade entlang von Flüssen viele Moore in Deutschland trocken gelegt wurden.

Schon seit mehr als 30 Jahren setzt sich der WWF dafür ein, dass ehemalige Moorflächen in Norddeutschland wieder in ihren ursprünglichen Zustand versetzt werden und dass intakte Moore in der Uckermark und in Mecklenburg-Vorpommern erhalten bleiben.

Auf der indonesischen Insel Borneo kämpft der WWF für ein Moor der ganz anderen Art – ein von einem tropischen Regenwald überwachsenes Torfmoor in Sebangau. Die Menschen hatten dort Kanäle in den Waldboden gegraben, um die im Regenwald geschlagenen großen Bäume besser abzutransportieren. Das Moor begann auszutrocknen.

Mit Hilfe des WWF wurden nun Dämme gebaut, die das Wasser in den Kanälen zurückhält und wieder aufstaut. Das hilft auch unserem Klima. Denn je mehr das Moor wieder mit Wasser gesättigt ist, desto weniger Torf wird zersetzt und desto weniger Kohlendioxid gerät in die Atmosphäre.

Mehr dazu und über Moore in Deutschland liest du auf unserer Wissens-Seite zum Thema Moor.

Und hier erfährst du, wie du Mooren helfen kannst.

Du möchtest den Mooren und ihren Tieren helfen? Kein Problem! Gemeinsam mit dem WWF und YOUNG PANDA kannst du dich für ihren Schutz einsetzen. Wie das geht, kannst du hier lesen: Jetzt helfen!