Die Nahrungskette im Meer:

Fressen und gefressen werden

Wenn größere Tiere kleine fressen, schlucken sie auch das, was ihre Beutetiere im Bauch haben. Selbst große Fleischfresser werden, wenn sie tot sind, von kleinen Aasfressern zersetzt. Und was passiert mit denen? Rate mal …

Genau, auch die Aasfresser werden gefressen. So funktioniert eine einfache Nahrungskette in der Natur: Die einen produzieren Biomasse (das ist all das, was ein Lebewesen an Körperumfang, Organen und Ausscheidungen produziert), die anderen verputzen sie und eine dritte Gruppe frisst, was die zweite übrig lässt.

Ohne sie geht nichts

Vorhang auf für die Nummer eins in der Nahrungskette: Das sind vor allem pflanzliche Algen, die ordentlich Biomasse produzieren. Diese Algen bestehen meist nur aus einer Zelle und treiben in der oberen Wasserschicht. Dort wachsen und vermehren sie sich mit Hilfe des Sonnenlichts und ein paar Nährstoffen aus dem Meerwasser – ähnlich wie Pflanzen an Land. Diese Algen werden von winzigen Krebsen und anderen Tierchen, dem Zooplankton, gefressen. Nennen wir sie die Fresser Stufe 1.

Vom kleinen Fisch bis zum großen Hai

Diese Minitierchen werden ihrerseits von größeren Tieren gefressen, den Fressern Stufe 2. Das sind solche Meeresbewohner, die ihr Fressen aus dem Wasser heraus sieben wie zum Beispiel festsitzende Korallen, Schwämme, Röhrenwürmer und Muscheln wie die Stachelauster im Bild oben oder freischwimmende Quallen und Haarsterne.

Auf der nächsten Stufe 3 der Nahrungskette folgen aktive Räuber wie zum Beispiel kleine Raubfische, die selbst von größeren Jägern (Fressern Stufe 4) gefressen werden – Thunfischen, Kabeljauen (wie im Bild unten), Haien, Schwertwalen oder auch Salzwasserkrokodilen wie an der australischen Küste.

In den meisten Ökosystemen besteht eine Nahrungskette aus fünf bis sechs Gliedern. Von Stufe zu Stufe können Tiere immer nur einen sehr kleinen Teil der Nahrung als Biomasse in ihren Körper einbauen, der Rest wird wieder ausgeschieden. Damit zum Beispiel ein Hai ein Kilogramm an Gewicht zunehmen kann, muss er 10 Kilogramm Fisch erbeuten.

Das bedeutet: Von kleinen Fleischfressern wie dem Zooplankton gibt es sehr, sehr viele, von den großen am oberen Ende der Nahrungskette wie dem Schweinswal in Nord- und Ostsee oder dem Weißen Hai eher wenige Exemplare.

Wenn man es genau nimmt, steht an der Spitze der Nahrungskette im Meer die einzige Art, die diese großen Raubtiere fangen kann: der Mensch.

Die Müllabfuhr der Meere

Eine Gruppe von Lebewesen fehlt noch, die Müllabfuhr der Meere: die Zersetzer. Diese Tiere fressen Aas, also totes Fleisch – eben das, was die Lebendfleisch-Fresser übrig gelassen haben. Oder abgestorbene Teile von Pflanzenresten.

Zu den Unterwasser-Aasfressern gehören Seesterne (Bild oben), Einsiedlerkrebse (Bild unten) und Garnelen, aber auch mikroskopisch kleine Bakterien und Pilze. Sie zerkleinern die Fleisch- und Pflanzenreste über ihre Verdauung zu Mini-Baustoffen des Lebens, die dann wieder von Algen aufgenommen und von Zooplankton verputzt werden können. Die Nahrungskette beginnt von vorn.

Die Kette ist ein Netz

Zugegeben, in Wirklichkeit ist es ein bisschen komplizierter: Da gibt es Quallen, die Fische fressen. Krabben, die sich gegenseitig verspeisen. Algen, die mehrere Meter lang werden wie der Seetang, von dem sich auch größere Unterwassertiere ernähren wie Schnecken oder Muscheln.

Und es gibt die mehr als zehn Meter langen Riesenhaie oder bis zu 30 Meter große Blauwale, die sich überraschenderweise von den allerkleinsten Tieren, dem Zooplankton, ernähren. Natürlich in für sie ordentlichen Portionen: Ein Blauwal futtert bei einem Tauchgang mehr als eine Tonne davon!

Andere Arten können im Laufe ihres Lebens sogar mehrere verschiedene Rollen in der Nahrungskette spielen. Der Kabeljau zum Beispiel beginnt sein Leben als winzige Larve im Plankton und fällt größeren Planktonfressern, wie etwa den Heringen, zum Opfer. Einmal ausgewachsen jedoch dreht er den Spieß um und frisst selber Heringe.

Du siehst: In den Ozeanen gibt es eher ein Nahrungsnetz. Aber die vereinfachte Nahrungskette hilft uns zu verstehen, wie die Lebenswelt im Meer funktioniert.