Immer mehr Plastik:

Gefahr für Meerestiere

Plastik vermüllt unsere Meere und gefährdet viele Tiere. Warum ist das so?

Vor allem, weil Plastik so praktisch ist. Es lässt sich leicht formen, ist hart, leicht, bruchfest, hält Hitze aus, ist billig und langlebig. Deshalb wird heute so viel aus Plastik hergestellt – von der Einkaufstüte bis zum Spielzeug, vom Eimer bis zum Riesenrohr. Zähl‘ mal durch bei euch zu Hause, wie viel Dinge in Küche oder Kinderzimmer aus Plastik sind. Du kommst bestimmt schnell auf mehr als 50.

Leider werden auch viele Wegwerfartikel aus Plastik fabriziert, vor allem unzählige Verpackungen für Lebensmittel – dazu PET-Flaschen, Einweg-Feuerzeuge und andere Dinge. Viele dieser Plastiksachen landen nicht ordentlich im Mülleimer oder in der Recyclingtonne, sondern über unsere Flüsse oder Küsten im Meer.

Unvorstellbar, aber wahr: Im Nordpazifik hat sich inzwischen ein schwimmender Kontinent aus Plastik gebildet der so groß ist wie Mitteleuropa. Denn Plastik zersetzt sich auch im Wasser nur ganz langsam, weil es so haltbar ist. Mehr als zwei Drittel des Mülls bleibt im Wasser, der Rest landet auf dem Meeresgrund oder am Strand.

Was ist Plastik?

Plastik nennt man alle möglichen Kunststoffe. Sie werden aus Erdöl, Kohle oder Erdgas mit einigen Zusatzstoffen hergestellt. Diese Zusatzstoffe bestimmen, ob das Plastik elastisch, hitze- oder bruchfest wird. Der am häufigsten verwendete Kunststoff ist Polyethylen. Er wird zum Beispiel für Müllsäcke, Kabel oder Rohre verwendet. Plastik enthält oft giftige Weichmacher und Flammschutzmittel.

Woher kommt der ganze Müll im Meer?

1. Das meiste Plastik stammt von Schiffen – vom Container bis zum Fischernetz. Kilometerlang sind zum Beispiel Geisternetze aus Kunststoff, die Jahre übers Meer treiben – eine tödliche Falle für alle möglichen Meerestiere. Statt für die Entsorgung ihres Mülls in den Häfen zu bezahlen, schmeißen einige Kapitäne ihn einfach auf hoher See über Bord. Dabei ist das weltweit verboten.

© NOAA

2. Aus Haus- und Industrieabfällen, die nicht ordentlich entsorgt werden – von der Plastikflasche bis zum Kunststoffschrott aus alten Computern und Handys. Achtlos liegengelassener Müll gelangt über die Flüsse in die Ozeane und wird durch Meeresströmungen und Winde verteilt.

3. Aus Kleidung, wenn sie gewaschen wird: Fleecepullis und andere Klamotten aus Kunstfasern verlieren bei jedem Waschgang in der Waschmaschine etwa 2.000 winzige Fasern. Die sind so klein (meist kleiner als ein Millimeter), dass sie weder im Sieb der Waschmaschine noch in Kläranlagen hängen bleiben, sondern über unser Abwasser ungehindert ins Meer gelangen.

4. Aus Kosmetik- und Reinigungsprodukten: Manche Zahncremes, Duschgels oder Kontaktlinsenreiniger enthalten winzig kleine Mikroplastik-Kügelchen (meist kleiner als ein Millimeter, so wie kleine Sandkörner), um Schmutz noch stärker abzurubbeln. Auch sie werden in keiner Kläranlage herausgesiebt.

5. Von Stränden in Entwicklungsländern: Wo es noch keine gut funktionierende Abfallentsorgung gibt, gelangt immer noch sehr viel Müll direkt vom Land ins Meer.

Wie bedroht Plastik die Meerestiere?

Für mehr als 660 Tierarten ist Plastikmüll eine tödliche Gefahr. Weltweit sterben daran jährlich eine Million Vögel und 100.000 Meeressäuger.

1.Tiere fressen Plastik
Mikroplastik-Kügelchen sind so klein, dass sie selbst von tierischem Plankton aufgenommen werden, dem ersten Glied der Nahrungskette. Andere sind so groß wie Plankton und werden deshalb von Planktonfressern verspeist – Fischen, Würmern, Garnelen und Krebsen. Noch größere Plastikteile werden von Seevögeln gefressen. Reptilien wie Meeresschildkröten halten herumschwimmende Plastiktüten oder Plastikflaschen für Quallen.

Die aufgefressenen Plastikteile können den Magen verstopfen, ohne das Tier zu ernähren. Seevögel zum Beispiel verhungern mit plastikgefüllten Mägen genauso wie Meeresschildkröten.

Tückisch: Die Giftstoffe aus dem Plastik werden vom Körper nur sehr langsam abgebaut. Von Stufe zu Stufe in der Nahrungskette reichern sie sich immer mehr an. Besonders gefährlich sind sie dann für große Tiere wie Seehund oder Hai. In ihrem Körper sammelt sich das Gift aller Tiere an, die sie gefressen haben. Die Giftstoffe können krebserregend sein, die Tiere unfruchtbar machen (wie bei Kegelrobben) oder ihre Leber schädigen (wie bei Fischen). Wenn wir Menschen Fische, Krebse oder Garnelen verspeisen, essen wir deren Plastik-Giftstoffe mit.

2. Tiere verwickeln sich in Plastikteilen
Besonders größere Arten wie Seehunde, Delfine und Meeresschildkröten verheddern sich in Schnüren oder Geisternetzen, verletzen sich und ertrinken.

3. Plastik zerstört Lebensräume von Tieren
Vor allem Korallenriffe, Tangwälder, Seeberge oder Küsten. Zum Beispiel legen Plastikplanen sich über Riffe und schädigen die empfindlichen Organismen dort.

Was der WWF tut

• Der WWF sorgt dafür, dass immer mehr Menschen Bescheid wissen über die Probleme mit Plastikmüll.
Besonders Politiker müssen etwas tun gegen die Plastikflut – zum Beispiel durch ein Verbot von Mikroplastik in Kosmetiksachen und giftigen Zusatzstoffen in Plastik. Daran erinnert sie der WWF. Er fordert auch, dass mehr wiederverwendbares Plastik eingesetzt wird.
• Damit Schiffsmüll nicht mehr im Ozean landet, setzt sich der WWF für häufigere Kontrollen der Schiffe und härtere Strafen gegen Täter ein. Die Fischer sollen aber auch eine Belohnung dafür erhalten, Meeresmüll an Land zu bringen.
• Außerdem will der WWF mithelfen, eine Art schwimmende Müllabfuhr zu entwickeln, um wenigstens einen Teil des Plastikmülls auf den Weltmeeren einzusammeln und ordentlich zu entsorgen. Ideen dazu gibt es schon.

Plastiktüten

Jeder Deutsche verbraucht im Jahr rund 70 Plastiktüten, jeder Bewohner der Europäischen Union im Durchschnitt sogar 200. Die allermeisten davon sind aus leichtem Material, die es meist für kleine Einkäufe gibt.

Vor allem diese leichten Tüten landen in Küstenregionen oft direkt im Meer – durch unachtsame Urlauber oder offene Mülldeponien, von denen der Wind die Tüten forttragen kann.

Deshalb: Vermeide Plastiktüten, wo es geht. Was du noch für Meerestiere zu kannst, erfährst du hier in unseren Tipps.