Tiere als Erfinder Teil 2:

Schnellschwimm-Haut und lautlose Flügel

Auch Haie, Seegurken oder Eulen sind ganz schön erfindungsreich. Durch Anpassung an ihren Lebensraum haben sie ganz besondere Fähigkeiten entwickelt, die sich Techniker und Wissenschaftler abschauen.

Trickreiche Rillen

Eine Gruppe von Fischen ist besonders schnell: die Haie. Denn sie haben einen ganz besonderen „Schwimmanzug“. Ihre Schuppenhaut hat dünne Rillen, also Vertiefungen, die in Schwimmrichtung verlaufen. Das verringert den Reibungswiderstand, die Haie flutschen flotter durchs Wasser als andere Fische ohne diesen Kniff.

Deshalb testen Wissenschaftler spezielle Lacke für Flugzeuge, die in solcher Rillenform austrocknen. Wenn das klappt, bräuchten auch Flugzeuge weniger Treibstoff zum Fliegen.

Ausfahrbare Flügel

Mauersegler sind echte Flugkünstler: Sie fliegen bis zu 100 Stundenkilometer schnell und verbringen fast ihr ganzes Leben in der Luft. Sie fressen und schlafen sogar im Fliegen!

Kein Wunder, dass sie in ihrem Leben mehr als vier Millionen Kilometer zurücklegen. Wer so viel fliegt, hat ein Geheimnis, richtig!

Mauersegler können die Form ihrer Flügel verändern, je nachdem, wie und wo sie fliegen. Voll ausgestreckt im langsamen Gleitflug oder mit nach hinten zurückgezogenen Kurzflügeln beim Mückenjagen in hohem Tempo und in engen Kurven.

Inzwischen haben Flugzeugbauer beim Mauersegler abgeguckt und ebenfalls Tragflächen entwickelt, die sich im Flug verändern können.

Nachgemachte Insekten

Besonders viel kann man offenbar von kleinen Insekten abschauen. So haben Schweizer Forscher einen winzigen Spring-Roboter entwickelt, der wie eine Heuschrecke aussieht. Und einen Mikrogleiter, der nur so viel wie ein Blatt Papier wiegt und automatisch auf Licht zufliegt – genauso, wie du das von Fliegen und anderen Insekten auf Nahrungssuche kennst. Ein weiterer Flugroboter kann sich mit zwei Miniärmchen aus Nadeln an jedem Gegenstand festkrallen.

Wozu? Diese Mini-Roboter könnten eines Tages bei Notfällen helfen, das zu tun, was Menschen nicht können: Zum Beispiel mit Kameras über Katastrophengebiete fliegen, unzugängliche Gebiete erkunden, Waldbrände erspüren, Gifte erschnüffeln oder in verschütteten Tunnels Ausgänge finden.

Hart und weich – fast zugleich

Den Menschen helfen könnten eines Tages auch Seegurken. Ja, die hässlichen, wabbeligen, bis zu zwei Meter langen Schläuche mit Runzeln, die in tropischen Meeren den Meeresboden abgrasen.

Wenn Menschen durch Verletzungen oder Erkrankungen ganz oder teilweise gelähmt sind, versuchen Ärzte manchmal, ihnen Elektroden ins Gehirn einzupflanzen, um bestimmte ausgefallene Muskeln durch elektrische Signale wieder zur Bewegung anzuregen.

Das kann so manchem Patienten helfen. Der Haken aber: Elektroden fallen oft nach wenigen Monaten aus, vermutlich, weil sie aus festem Metall sind. Das ist beim Einsetzen ins Hirn praktisch, verletzt aber das weiche Hirngewebe. Hier könnte die Seegurke ins Spiel kommen: Ihr Körper ist weich und biegsam, doch bei Gefahr wird er blitzschnell ganz fest. Die Haut des Tieres bildet dann ein hartes Fasergitter, gebaut aus chemischen Stoffen seiner Nervenzellen.

Amerikanische Forscher haben eine künstliche Seegurkenhaut entwickelt. Sie ist im trockenen Zustand hart wie eine CD-Hülle. Im weichen Gehirn jedoch nimmt diese Haut Feuchtigkeit auf, wird dann weich wie Gummi und schmiegt sich passend genau ihrer Umgebung an.

Lautlose Flügel

Vögel wie die Eulen fliegen so leise, dass ihre Beutetiere sie meist nicht hören können. Deshalb untersuchten Forscher ihre Flügel im Windkanal und stellten fest, dass ihre Bauweise nur ganz wenige Schallwellen erzeugt. Jetzt wollen Fachleute der Ursache auf die Spur kommen, um zum Beispiel eines Tages leisere Flugzeuge bauen zu können.

Du siehst: Von den Erfindungen der Natur zu lernen, kann also ganz schön nützlich sein.

Weitere Tiere und Pflanzen als Erfinder findest du hier.

Du möchtest den erfinderischen Tieren helfen? Kein Problem! Gemeinsam mit dem WWF und YOUNG PANDA kannst du dich für ihren Schutz einsetzen. Wie das geht, kannst du hier lesen: Jetzt helfen!