Wer macht sich vom Acker?

Tierische Verlierer und Gewinner der intensiven Landwirtschaft

Landwirtschaft ist wichtig, weil sie für unser Essen sorgt. Leider werden in der intensiven Landwirtschaft viele Chemikalien und Düngemittel eingesetzt, außerdem gibt es oft wenig Abwechslung in der Fruchtfolge.

Das Ergebnis: Einige wenige wilde Tier- und Pflanzenarten vermehren sich, die meisten jedoch werden so von den Feldern vertrieben. Dort hingegen, wo Äcker und Grünland naturnah bewirtschaftet werden wie in der Ökolandwirtschaft, finden deutlich mehr wilde Tier- und Pflanzenarten ein Zuhause.

Wir stellen dir ein paar Beispiele für Gewinner und Verlierer der intensiven Landwirtschaft vor:

Verlierer: Die Haselmaus

Das Nagetier (Bild oben) ist bereits in mehreren Bundesländern gefährdet und in Sachsen-Anhalt sogar vom Aussterben bedroht, berichtete die Deutsche Wildtierstiftung und wählte die Haselmaus zum Tier des Jahres. Haselmäuse brauchen verschiedene Baumfrüchte und Felder mit artenreichen Hecken und Gehölzen. Wo die fehlen, gibt es auch weniger Haselmäuse.

Gewinner: Die Wildschweine

Wildschweine vermehren sich stark bei uns, in manchen Gegenden werden sie sogar zur Plage. Ein Grund dafür ist der weit verbreitete Mais- und Rapsanbau. In den riesigen Feldern mit ihrem Lieblingsfutter fühlen sie sich wohl. Die Zahl der Wildschweine wächst ständig, obwohl jedes Jahr mehr als eine halbe Million Schweine von Jägern erlegt werden.

Verlierer: Die Feldlerche

Die Feldlerche steht in Deutschland auf der Roten Liste der gefährdeten Arten, weil es immer weniger Tiere dieser Art gibt. Ihr ergeht es wie dem Rebhuhn, der Turteltaube, dem Braunkehlchen, dem Sperling und vielen anderen Feld- und Wiesenvögeln: Ihnen allen macht die intensive Landwirtschaft zu schaffen.

Gewinner: Der Nandu

Nanu, was macht der Nandu in Deutschland? Vor einigen Jahren waren einige dieser großen Laufvögel aus Südamerika aus einem Gehege bei Lübeck ausgebüchst. Überrraschenderweise haben die Vögel überlebt und vermehren sich seitdem jedes Jahr. Zuletzt sind mehr als 200 Nandus in Mecklenburg-Vorpommern und Schleswig-Holstein gezählt worden. Das Erfolgsgeheimnis der Nandus: Sie sind Allesfresser und lieben Pflanzen wie den Raps, der überall in riesigen Feldern angebaut wird. Guten Appetit!

Mehr über Nandus erfährst du hier.

Verlierer: Die Regenwürmer

Es gibt bei uns mehr als 46 verschiedene Regenwurmarten. Leider werden mehr als die Hälfte heute von Wissenschaftlern als „sehr selten“ oder sogar „extrem selten“ eingestuft. Dafür gibt es gleich mehrere Gründe: Eintönige riesige Maisfelder machen die Würmer nicht satt, die viele Gülle (Kuhkot) als Düngemittel schadet ihnen, zu viel Bodenbearbeitung durch Maschinen bedroht sie und Chemikalien wie Glyphosat bremsen ihre Vermehrung.

So sinkt ihre Zahl auf vielen intensive bewirtschafteten Äckern unter 30 Tiere pro Quadratmeter. Normal wären im Durchschnitt rund 120 Regenwürmer.Auf wenig gepflügten Ökoäckern können sogar über 450 Würmer pro Quadratmeter gezählt werden. Je mehr Regenwürmer, desto besser die Böden.

Mehr über Böden liest du hier.

Verlierer: Der Feldhamster

Früher gab es ihn auf fast jedem Acker, heute ist er in denr modernen Landwirtschaft superselten geworden. Deshalb ist er durch europäisches und nationales Recht streng geschützt. Die deutsche Rote Liste stuft den Feldhamster als „vom Aussterben bedroht“ ein. Die intensive Landwirtschaft mit eintönigen Mais- und Rapsfeldern und massivem Pestizideinsatz hat dafür gesorgt, dass es deutschlandweit vermutlich nur noch weniger als 100.000 Tiere gibt.

Mehr über Feldhamster erfährst du hier.

Gewinner: Das Reh

Dass es heute mehr Rehe als früher gibt, hat auch mit der Landwirtschaft zu tun. Rehe fressen nicht nur Gräser, Kräuter und die Triebe von jungen Bäumen, sondern auch Raps, Gerste und andere massiv angebaute Getreidesorten.

Verlierer: Wildbienen

Seit Jahren beobachten Wissenschaftler in aller Welt, dass immer mehr Bienenvölker sterben. Betroffen sind nicht nur Honigbienen, sondern auch ihre wilden Verwandten. Insgesamt gibt es in Deutschland fast 600 Wildbienenarten. Viele von ihnen sind stark bedroht. Denn den hochspezialisierten Insekten fehlt oft ein geeigneter Nistplatz und sie ernähren sich nur von ganz speziellen Blüten. Kommen diese Pflanzen nicht mehr vor, verschwinden auch die Bienen. Unter Verdacht, den Bienen zu schaden, sind außerdem bestimmte Wirkstoffe (Neonikotinoide), mit denen Saatgut behandelt wurde.

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