Täuschen, Tricksen, Tarnen:

Tierische Schwindler

Verkleidet, versteckt, getarnt und gemogelt wird jeden Tag in der Natur – von Tieren wie dem Himmelsgucker oben (das ist ein Fisch) und sogar von Pflanzen. Aber nicht aus Show und Spaß, sondern um zu überleben.

Denn in der Wildnis geht es rund um die Uhr um Fressen und Gefressenwerden. Da sind manche Tiere zum Beispiel einfach zu leichte Beute. Deshalb tarnen sie sich, bleiben verborgen oder führen ihre Gegner in die Irre. Andere Tiere „verkleiden“ sich, um als Jäger unentdeckt an ihre Beute heranzupirschen zu können.

Natürlich wechseln diese Tiere nicht einfach ihr „Kostüm“. Mutter Natur stattet sie mit den passenden Farben, Formen oder Fähigkeiten aus, um für ihre Gegner „unsichtbar“ oder grässlich abschreckend zu werden. Auch das Nachahmen von Geräuschen oder Gerüchen gehört zu den Tricks der tierischen Täuscher.

Geschwindelt wird vor allem dort, wo es besonders viele Tier- und Pflanzenarten gibt – wie in den tropischen Regenwäldern oder in den Korallenriffen der Meere. Dort überlebt nur, wer sich spezialisiert. Zum Beispiel durch raffinierte Tarnung oder grelle Warnfarben. Wir stellen Euch einige der tollsten Trickser im Tierreich vor.

Gute Tarnung füllt den Magen

Hat der Löwe Tarnung nötig? Als Stärkster unter den afrikanischen Fleischfressern könnte er glatt in Knallrot  durch die Savanne streifen. Tut er aber nicht. Stattdessen trägt er ein gelblich-sandfarbenes Fell. Damit fällt er in dem hellbraunen, sonnenverbrannten Gras ringsherum kaum auf. Beutetiere wie die Gnus (im Bild oben), Zebras oder Antilopen können ihn von weitem nicht sehen.

So braucht der Löwe kein Langstreckenrennen hinzulegen, um ein Beutetier zu erwischen. Da würde er auch glatt den Kürzeren ziehen, denn Zebras, Antilopen und Gnus sind auf Langstrecke immer schneller. Also setzt der Löwe auf den Überraschungseffekt durch seine Tarnung: So hat er eine Chance, ein Beutetier, das ihm zu nahe gekommen ist, nach nur kurzem Rennen zu erwischen. Damit schont er auch seine Energiereserven.

Gute Tarnung hält am Leben

Auch die schwarzweißen Streifen des Zebras sind vermutlich Tarnung. Da Zebras in Herden unterwegs sind, kann ihr vieles Schwarzweiß schon von weitem die Fressfeinde verwirren. Denn in der flirrenden Hitze der Savanne verschwimmen ihre Umrisse und sie sind kaum noch als einzelne Tiere zu erkennen.

Auch nicht für Tsetsefliegen! Die sind gefährlich, weil sie Blut saugen und so die tödliche Schlafkrankheit übertragen können. Tsetsefliegen suchen in der Ferne nach dunklen Umrissen, die sich vor einem hellen Horizont bewegen.

Bei schwarzweiß gestreiften Zebras jedoch sehen die Blutsauger mit ihren Fliegenaugen nur schwarze Balken ohne erkennbares Ende. Tatsächlich werden die meisten Zebras von dem Krankheitserreger verschont.

Das Chamäleon: Der Superverwandlungskünstler

Chamäleons sind die Farbwechsel-Weltmeister im Tierreich. Dabei tun sie das nicht nur zur Tarnung, sondern auch, um ihre Stimmung zu zeigen – meist, wenn sie in Gefahr geraten, miteinander kämpfen oder einen Partner anbaggern wollen. Die Show gelingt ihnen durch perfektes Muskelspiel. Je nachdem, wie sie die anspannen, kommen andere farbige Schuppen zum Vorschein. Stell dir vor, du machst auf Schwarzenegger und läufst dabei blau an!

Um sich zu tarnen, imitieren Chamäleons, die auf Bäumen leben, gern Blätter oder Holz. Und sie können noch etwas Außergewöhnliches: Sie laufen extrem langsam und schwanken dabei. Mit diesen ruckartig taumelnden Bewegungen erinnern sie noch mehr an echte Blätter oder Borke, die vom Wind hin und her gepustet werden. Dadurch ist das Chamäleon noch schwieriger zu erkennen.

Die Tarnung ist nicht nur Schutz, sondern hilft dem Chamäleon auch, arglose Insekten mit seiner blitzschnell ausfahrbaren Zunge einzufangen und zu verschlingen.

Schneeweiß in der Arktis

Tiere wie Eisbären oder Schnee-Eulen sind für ihre Beutetiere in Eis und Schnee schwer zu erkennen. Ihr weißes Fell oder Gefieder lässt sie in ihrer eisigen Umwelt so gut wie verschwinden. Der Polarfuchs passt seine Fellfarbe der Jahreszeit an: weiß im Winter, braun im Sommer. Sein begehrtes Beutetier, der Schneehase, macht das allerdings auch. So bleiben die Chancen in etwa gleich.

Mehr über tierische Täuscher liest du hier: Tarnanzug anziehen und unsichtbar werden