
- Eine Blattschneideameise © WWF-Canon / Martin-Harvey
Was ist Biodiversität?
Marcel, Du hast mir versprochen, zu erklären, was „Biodiversität“ ist.
Hm, ein magisches Wort der Wissenschaftler… Willst Du wirklich wissen, was sich dahinter verbirgt?
Ja sicher doch!
Na gut, ich will’s Dir verraten. Also: Biodiversität ist…
Immer diese Fremdwörter – kann man das nicht einfacher sagen?
Klar, man kann auch einfach "Vielfalt des Lebens" sagen. Soll heißen: die Fülle an Tier- und Pflanzenarten, die unsere Welt so bunt und spannend machen. All diese unzähligen Spielarten der Natur leben aber nicht einfach nur nebeneinander vor sich hin. Sie sind auch abhängig voneinander.
Wieso abhängig?
Stell Dir das vor wie ein Netz: Tiere und Pflanzen – aber auch wir Menschen – sind wie durch ein Netz eng miteinander verbunden. Wenn du viele Knotenpunkte hast, hält dein Netz ordentlich was aus. Wenn aber Arten aussterben, wie es heutzutage leider oft der Fall ist, bekommt das Netz zu große Löcher. Die Natur kommt aus dem Gleichgewicht, und das ursprünglich sichere Netz trägt dich nicht mehr so gut.
Leuchtet mir irgendwie ein… Trotzdem brauch ich jetzt mal ein Beispiel.
Kein Problem. Das Netz des Lebens besteht beispielsweise aus vielen Verbindungen zwischen Tieren, die einfach nur Hunger haben, und Pflanzen, die verbreitet werden wollen.
Ah, Du meinst bestimmt die Bestäubung von Pflanzen durch Insekten.
Richtig, Paddy. Aber das gibt’s auch einige Nummern größer! In Afrika sind allein etwa 30 Baumarten von den Waldelefanten abhängig. Die Elefanten müssen die Früchte der Bäume verschlucken und die Hülle verdauen, damit die darin enthaltenen Samen keimen können. Doch weil es leider immer weniger Waldelefanten gibt, wachsen auch einige Baumarten kaum mehr nach. Solche Lebensgemeinschaften bezeichnen die Wissenschaftler übrigens als „Symbiose“.
Heiliger Bambus, wieder ein Fremdwort! Symbi… wie?
Es gibt viele Möglichkeiten, warum Arten voneinander abhängig sind. Entweder sie sind Nahrung füreinander. Oder die eine Art lebt als Wirt auf der anderen. Oder beide sind Partner einer gemeinsamen Überlebensstrategie – und diese ist eben eine Symbiose.
Klingt vernünftig, so eine Lebensgemeinschaft. Hast Du so was selbst schon mal gesehen?
Oh ja, da denke ich zum Beispiel an die Blattschneideameisen. Die hab ich in Ecuador beobachtet, als ich dort ein Praktikum bei einer Regenwaldstation gemacht habe. Diese Ameisen heißen deshalb so, weil sie aus Blättern fingernagelgroße Stücke herausschneiden und diese dann zu ihrem Bau tragen. Das sieht echt irre aus: tausende kleine grüne Segel, die wie von Geisterhand zu einem Loch wandern.
Tolle Gemeinschaft! Was hat die Pflanze davon, wenn sie von den Ameisen zerschnippselt wird?
Langsam, Paddy. Die Pflanze ist nicht Teil der Gemeinschaft, sondern ein Pilz. Die Ameisen fressen nämlich das Laub keineswegs auf. Stattdessen züchten sie in ihrem Bau Pilzgärten einer ganz bestimmten Pilzart, die auf diesem angehäuften Blattkonfetti wächst. Der Pilz entwickelt seinerseits kleine Fruchtkörperchen – die eigentliche Nahrung der Ameisen.
Die Ameisen essen lieber schimmlige Blattreste als frisches Grünzeug?
Warum nicht? Wir vertragen ja auch bestimmte Pilze, zum Beispiel auf der Rinde eines Camemberts. Ein Pilzgarten der Blattschneideameisen ist übrigens dreimal so groß wie ein solcher Camembert und sieht aus wie ein grauer Schwamm. Und von diesen Gärten gibt es im Labyrinth eines Blattschneideameisenhaufens mehrere hundert Stück!
Das sind ja die Bauern des Insektenreichs!
So ist es! Und wie bei uns Menschen gibt es auch in einem Ameisenvolk bestimmte Gruppen für bestimmte Aufgaben. Da gibt es zum Beispiel „Innenarbeiterinnen“, die pausenlos Pilzfäden auf dem Blattbrei pflanzen und die Futterkörperchen des Pilzes ernten, und es gibt „Gärtnerinnen“, die ständig nach fremden Pilzen suchen und diese sofort entfernen. Das ist sehr wichtig, denn sind die Gärten erstmal von Schädlingen befallen, bricht binnen Tagen die ganze Kolonie zusammen.
Die Vorteile für die Ameisen liegen auf der Hand. Aber was hat der Pilz davon?
So, wie der Pilz den Ameisen Futter beschafft, versorgen ja auch die Ameisen den Pilz ständig mit Nahrung. Außerdem ist der Pilz im Ameisenbau vor allen möglichen Störungen und Feinden geschützt. Die gegenseitige Abhängigkeit geht so weit, dass weder Blattschneideameise noch Pilz ohne einander leben können.
Das ist es! Gemeinsam sind alle stark, alleine aber leicht verwundbar.
Genau. Ohne Knoten macht ein „Netz des Lebens“ wenig Sinn.
Und wie kann man verhindern, dass so ausgetüftelte Lebensgemeinschaften in Gefahr geraten?
Wir müssen die Lebensräume, in denen sich diese Wunder abspielen, schützen. Der WWF kämpft zum Beispiel dafür, dass die Regenwälder nicht mehr in großem Maße abgeholzt werden.
Kann man da mitmachen?
Klar! Als Young Panda-Mitglied hilfst du dem WWF bei seiner wichtigen Mission. Wer noch nicht dabei ist, kann sich gleich hier im Internet anmelden.
Au ja, dann macht doch alle mit, die das jetzt hier gelesen haben! Marcel, Dankeschön für das spannende Interview.


