© WWF-Canon / Nathaniel Quansah
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Grüne Fleischfresser

Über 580 Arten Fleisch fressender Pflanzen leben auf der Erde.
Sie verspeisen meist kleine Insekten wie Mücken, Fliegen oder Spinnen. Die größeren von ihnen wie die Kannenpflanzen können aber auch kleine Nagetiere "verspeisen". Fleisch fressende Pflanzen, so genannte Carnivoren, sind Blütenpflanzen mit meist schwach ausgebildeten Wurzeln. Sie betreiben wie alle anderen Pflanzen Photosynthese, das heißt: Sie wandeln Sonnenlicht auf chemischem Wege in Nahrung um. Weshalb brauchen dann Carnivoren Pflanzen noch eine Extraportion Fleisch?
Ganz einfach: Dort, wo sie wachsen, in Mooren oder Regenwäldern, ist der zweite Nahrungslieferant der Pflanzen, der Boden, meist sehr arm an Nährstoffen. Insekten sind daher für sie ein notwendiger Leckerbissen, der ihnen hilft, zu gedeihen.


Fünf verschiedene Fangtechniken:
Es gibt bei den Carnivoren fünf Fallentypen, die super gefährlich sind. Sie sind danach benannt, wie sie ihre Beute fangen und verdauen.

1. Klappfallen: Venusfliegenfalle und Wasserfalle. Wenn Insekten auf einem der fein behaarten Blätter, vom süßen Nektar angelockt, landen und mehrfach eines oder mehrere Härchen berühren, dann schnappt ganz plötzlich die Falle zu. Haben sich die beiden Blattseiten geschlossen, bildet sich ein Hohlraum, in dem die Insekten durch Pflanzensäfte verdaut werden. Erst nach etwa 8 bis 10 Tagen öffnet sich die Klappfalle wieder, um die unverdaulichen Insektenreste los zu werden. Klappfallen sind die bekanntesten, aber auch seltensten Carnivoren.

2. Klebefallen: Sonnentau, Fettkräuter, Regenbogenpflanzen, Taublatt und die carnivore Liane haben auf ihren Blättern und Tentakeln kleine Drüsen. Sie geben einen verführerisch lecker riechenden Saft (Sekret) ab, der aussieht wie Nektar. Ist die Fliege erst mal gelandet, sorgt dieser süße Klebstoff dafür, dass Insekten haften bleiben. Je mehr sie versuchen, sich zu befreien, desto tiefer verfangen sie sich in der Falle. Tentakel drücken sie gegen das Blatt und das große Verdauen beginnt.

3. Saugfallen: Im Wasser wachsen die so genannten Saugfallen, auch Wasserschläuche genannt. Sie sind mit gut 220 Arten die größte Gattung. Unter Wasser erzeugen sie in ihren leeren Blasen einen Unterdruck. Kommt ein Insekt an eines ihrer Auslöserhärchen, öffnet sich ein "Türchen" zu der Blase: Blitzschnell wird das Tier mit dem einströmenden Wasserschwall in die Pflanze gesaugt – und verspeist.

4. Fallgrubenfallen: Der Zwergkrug, die Kobralilie, die Sumpfkrüge, die Kannenpflanzen und die Schlauchpflanzen arbeiten ganz geschickt: Ihre wunderschönen kelchförmigen Blätter locken die Insekten mit Nektar an. Sind diese einmal drauf gelandet, gibt´s kein Halten mehr: Sie rutschen einfach die glatten Innenwände runter. Bis in einen Raum, aus dem sie gar nicht oder nur sehr schwer wieder nach oben herauskommen. Auch weil nach innen gerichteten Härchen das verhindern.

5. Reusefallen: Eine Reuse braucht man eigentlich zum Fischfang: Sie ist ein tonnen- oder kegelförmiges Netz mit trichterförmigem Eingang, durch den kein Fisch mehr rausfindet. Bei den Reusenfallen der Pflanzen ist das genauso: Insekten gehen immer tiefer rein, bis sie in eine Art Magen gelangen. Auch hier verhindern Härchen, dass sie einfach wieder hinausklettern können. Es gibt etwa 20 Reusenfallen-Arten, sogar zwei Moosgattungen gehören dazu. Einige Arten ernähren sich nur von Einzellern.


Auch Fleischfresser brauchen Schutz
Sonnentau in Salben und Säften, die es bei uns zu kaufen gibt, stammt fast nur aus Wildsammlungen aus Ländern, wo die Pflanzen noch häufiger vorkommt und nicht wie bei uns unter Naturschutz steht. Denn Sonnentau lässt sich nur schwer anbauen.
Viele Sonnentauarten sind jedoch selten geworden, weil ihr Lebensraum, Feuchtgebiete und Tropenwälder, weltweit zerstört werden. Und weil einige Arten als Heilpflanzen viel zu häufig aus der Wildnis entnommen werden (allein in Madagaskar bis zu 200 Millionen Pflanzen pro Jahr!), so dass kaum noch junge Pflänzchen nachwachsen können.
Deshalb kümmert sich der WWF darum, dass Sonnentausammler nur so viele Wildpflanzen entnehmen, wie wieder nachwachsen können. "Nachhaltige Wildentnahme" nennen das Experten.
Auch indem der WWF weltweit für den Erhalt von Feuchtgebieten und Tropenwäldern kämpft, tut er etwas für den Erhalt des Sonnentaus und vieler anderer Fleisch fressender Pflanzen. Und bei uns kauft der WWF wie in der Uckermark Land auf, um Feuchtgebiete, die Lebensräume von Sonnentau und Co. zu bewahren.