Thema des Monats: Amazonien
Das größte Regenwaldgebiet der Erde liegt am Amazonas
Im Jahre 1500 stellte der spanische Schiffskapitän Vicente Yañez Pinzón beim Erforschen der Ostküste der "Neugefundenen Welt" Südamerikas plötzlich fest, dass er rund 200 Kilometer weit draußen im offenen Meer von Süßwasser umgeben war. Verblüfft und neugierig nahm er Kurs auf das Land. Als er seinen Weg durch ein Labyrinth von Inseln suchte, kam er auf eine gigantische Süßwasserfläche. Diese taufte er dann "El Mar Dulce - das Süßwassermeer". Als er weiter landeinwärts fuhr, bemerkte er zu seinem Erstaunen, dass er sich auf einem 65 km breiten Fluss befand, dem Amazonas.
Ganz schön gewaltig
Misst man die Länge des Amazonas bis zu seiner entferntesten Quelle, hoch in den Anden, erreicht er unglaubliche 6.788 Kilometer. Über eine Strecke von gut 2.000 Kilometer ist der Hauptlauf durchschnittlich fünf Kilometer breit. Bei Hochwasser dehnt sich der Fluss auf bis zu 120 Kilometer auseinander. In dieser halb versunkenen Welt müssen sich die Pflanzen den Überschwemmungszeiten anpassen, um überleben zu können. An den sumpfigen Ufern stehen Bäume auf Wurzeln, die sich wie Stelzen über die Wasseroberfläche erheben. Ihre Nebenwurzeln treten weit aus - so können sie das Gleichgewicht auf dem unsicheren Boden halten. Der Amazonas hat super viele Nebenflüsse: nämlich 1.100! Dort lebt der größte Süßwasserfisch, der Pirarucu, und es kommen darin weitere geschätzte 3.000 Fischarten vor!
Der Amazonas ist vom größten Regenwaldgebiet der Erde umgeben. Das erstreckt sich über neun Länder: Brasilien, Surinam, Guyana, Französisch Guyana, Venezuela, Peru, Bolivien, Ecuador und Kolumbien. In diesen Ländern liegt die biologisch reichste Wildnis der Erde. Dort sind über 40.000 Pflanzenarten beheimatet, wovon etwa 30.000 Arten nirgendwo sonst auf der Welt vorkommen. Im Amazonas-Gebiet lebt im Schnitt nur ein Mensch pro Quadratkilometer; zum Vergleich: In Deutschland leben 231 Einwohnern pro Quadratkilometer.
Artenvielfalt
Regenwälder weisen weltweit die höchste Artendichte auf. Doch niemand weiß auch nur annähernd, wie viele Arten tatsächlich in den Regenwäldern ihr Zuhause haben. Wissenschaftler haben bisher 1,75 Millionen Arten auf der Erde entdecken können. Davon über 950.000 Insekten, danach folgen die Pflanzen mit 270.000 Arten. Das Schlusslicht bilden die Säugetiere mit 4.630 Arten.
Die Schätzungen über noch nicht bekannte Arten sind aber sehr ungenau: Vielleicht sind es 10 Millionen oder sogar über 100 Millionen… Niemand weiß das genau! In den tropischen Regenwäldern trifft man auf die weitaus größte biologische Vielfalt. Von den 10 Staaten auf der Erde mit der reichsten Tier- und Pflanzenwelt liegen 5 Länder im so genannten Amazonasbecken: Venezuela, Kolumbien, Ecuador, Peru und Brasilien.
Doch wieso gibt es diese unglaubliche Artenvielfalt in den Regenwäldern? In der Wissenschaft gibt es verschiedene Erklärungsansätze für dieses Phänomen. Allgemein gilt: Je wärmer eine Region, desto größer die Artenvielfalt. Das gleiche trifft auch auf die Niederschlagsmenge zu. Denn Gebiete mit viel Regen weisen eine größere Artenvielfalt auf, als trockene Regionen.
Tief verwurzelt in den Mythen und Legenden der Bewohner von Amazonien ist der „Rosa Flussdelfin“. Er ist ein einzigartiges Symbol für intakte Flüsse. Aber auch Haie, Rochen und Seezungen haben sich dem Süßwasser des Amazonas angepasst und sind Teil dieses Naturwunders.
Das Reich der Schmetterlinge!
Der berühmte Naturforscher Henry Bates sammelte bei seinem Aufenthalt in Amazonien unterschiedlichste Tiere. In einem Umkreis von einer Stunde Fußweg um seine Forschungsstation gelang es ihm, 700 Schmetterlinge einzufangen. Aber keiner davon gehörte derselben Art an. Allein im brasilianischen Amazonasgebiet sind über 1.800 Schmetterlingsarten bekannt. Das entspricht etwa einem Viertel aller Schmetterlingsarten auf der ganzen Welt. Ein Forscherteam fand auf nur einem einzigen Baum im Amazonas-Urwald 95 unterschiedliche Ameisenarten. Eine wirklich unglaubliche Artenvielfalt!




