
- © WWF Österreich / Anton Vorauer
Winterschlaf
Tiere mummeln sich ein
Winter, das heißt: Draußen ist es bitterkalt, es schneit, regnet oder stürmt. Dazu die lange Dunkelheit. Und wenn dann früh morgens der Wecker klingelt und Du in die Schule musst, magst Du so gar nicht raus aus dem warmen Bett....
Was machen denn eigentlich die Tiere im Winter? Die haben schließlich gar kein warmes Bettchen. Und dazu kommt: es gibt auch nicht mehr so viel zu fressen: Weder Obst und Gemüse noch frische Blätter, keinen Honig und kaum Insekten. Und auch andere Beutetiere machen sich rar. Ziemliche Leere also auf dem Speisezettel von Biber, Dachs, Siebenschläfer, Fledermaus, Storch, Igel, Karpfen und Co.
Da hilft nur Abtauchen oder gut vorsorgen mit Vorräten, dickem Pelz oder dichtem Federkleid. Oder vielleicht auf der faulen Haut liegen und schlafen? Oder vor Kälte erstarren?
Was Säugetiere, Fische, Vögel und Reptilien so alles Raffiniertes anstellen, um die kalte Jahreszeit möglichst gut zu überstehen, haben wir hier mal für Dich zusammengefasst.
Winterschlaf: Schlafmützen in Superzeitlupe
Richtig Winterschlaf zu halten über mehrere Monate ist eine Kunst! Dafür werden die Körperfunktionen, der Stoffwechsel, wie ein Computer auf "Standby" heruntergefahren. Die Körpertemperatur der tierischen Schlafkünstler kann dann um bis zu 30 Grad Celsius absinken. Vergleiche mal: Du als Mensch würdest mit einem sechs, sieben Grad kühlen Körper nicht überleben. Für Siebenschläfer, Haselmaus und Igel hingegen ist das kein Problem. Sie trinken nicht mehr und scheiden viel Wasser aus. Dann kann ihre Körpertemperatur sogar bis auf ein Grad Celsius sinken. Fröstel!
Ihr Körper schaltet auf Sparflamme. Das Herz zum Beispiel schlägt jede Minute nicht mehr hundertmal, sondern nur noch zwei- bis dreimal. Manche setzen sogar minutenlang das Atmen aus. Das reicht aus zum Überlebensschlaf -solange man keine großen Sprünge macht.
Von was Winterschläfer so lange leben? Tja, sie müssen vorher möglichst viel fressen! Am besten den ganzen Herbst lang. Bis sie eine dicke Fettschicht unter der Haut haben. Die kann dann zum Beispiel beim Murmeltier in den Alpen bis zu einem Viertel ihres Gewichts ausmachen. Dieser Winterspeck hält Winterschläfer nicht nur schön warm, sondern ist auch ein klasse Energiespender und erspart das Essen. Er hält alle wichtigen Körperfunktionen am Laufen.
Naja, fast alle. Denn das Leben in Superzeitlupe bedeutet auch: Winterschläfer müssen nicht aufs Klo! Der Darm hat seine Dienste eingestellt.
Bevor sich Winterschläfer wie Igel, Siebenschläfer und Co. für mehrere Monate aufs Ohr hauen, müssen sie sich erst ein flauschig-lauschiges Plätzchen in hohlen Baumstämmen, unter Kompost- oder Steinhaufen und in Erdhöhlen suchen. Je tiefer, desto wärmer. Wichtig: Hier darf kein Frost rein! Also polstern die Tiere das Schlafquartier mit ihrer ganz eigenen "Bettwäsche" kuschelig aus - mit Heu, Stroh, Blätter, Haare, Wolle und vielem anderen.
Dann schlafen sie wie betäubt. Es gibt nur kurze Wachphasen. Die dürfen aber nicht zu oft vorkommen, denn Aufwachen strengt sie furchtbar an. Deshalb: Störe niemals Tiere im Winterschlaf!
Im Frühjahr kommen die ersten natürlichen Wecksignale für Winterschäfer: Es wird wärmer, heller, lauter. Der Schnee schmilzt und der Boden wird wieder weich. Die Körpertemperatur erhöht sich langsam. Bei etwa 15 Grad Celsius beginnt das große Zittern: So schaffen die Muskeln es, die Temperatur in allen lebenswichtigen Organen schnell zu erhöhen und die Winterschläfer wachen auf. "Schnell" bedeutet: innerhalb von einigen Stunden.
Winterruher: Sie schlafen nicht, sie ruhen nur
Nicht alle Tiere senken ihre Körpertemperatur von Oktober bis März so weit herab wie Winterschläfer. Diese so genannten Winterruher wachen auch öfters mal auf, um zu fressen. Dann naschen sie von ihren Vorräten, die sie im Herbst gesammelt haben - wie Dachs, Waschbär oder Eichhörnchen. Während Dachse in Erdbauten und der Waschbär gern in hohlen Bäumen überwintert, baut sich das Eichhörnchen ein Nest in einer Astgabel oder unter einem Baumstumpf. Bei Schnee und Eis rollt es sich zusammen und benutzt seinen Puschelschwanz als Kuscheldecke. Seine Nussvorräte hat es gleich an mehreren Stellen vergraben - sicher ist sicher.
Auch der Feldhamster wacht in seinem Bau ab und zu mal auf und frisst vom Gehamsterten - und gilt doch für Biologen wegen seiner superniedrigen Schlaftemperatur als Winterschläfer.
Weder Winterschläfer noch Winterruher: andere Tricks für den Winter
Euch allen bekannt ist der Vogelzug: Viele Vögel fliegen sehr weite Strecken, um die kalte Jahreszeit in wärmeren Gefilden, wo sie ausreichend Nahrung finden, zu überstehen.
Andere Tiere legt sich ein dickes Fell oder ein dichtes Federkleid zu - wie Rehe, Hasen, Füchse oder Wildschweine und Eulen.
Viele Fische tauchen ab, denn unten im Fluss ist´s deutlich wärmer.
Frösche, Kröten, Schlagen, Salamander und Schnecken haben noch ein ganz anderes Wintergeheimnis: Sie erstarren. Nicht vor Schreck: Sie sind im Gegensatz zu Säugetieren wechselwarme Tiere und können ihre Körpertemperatur nicht regulieren. Sinken die Temperaturen, werden sie lebensgefährlich kalt. Für sie ist es daher wichtig, rechtzeitig vorher im Herbst ein Versteck zu finden.
Das geht den Amphibien so: Laubfrösche bleiben fünf bis sechs Monate winterstarr. Und den Reptilien: Blindschleichen und Kreuzottern sind drei bis fünf Monate kaltgestellt, Zauneidechsen bis zu sechs Monate.


